Otto Fehringer (* 20. Februar 1887 in Nußloch; † 10. Juli 1964 in Hechendorf am Pilsensee) war ein deutscher Biologe und Zoologe. Er war Initiator und von 1934 bis 1938 erster Direktor des Heidelberger Tiergartens (heute Zoo Heidelberg).

Leben Otto Fehringer wurde 1887 als erstes von sechs Kindern des Schneidermeisters Bartholomäus Fehringer in Nußloch bei Heidelberg geboren. Im Jahr 1891 zog die Familie nach Heidelberg um, wo Fehringer 1907 am Kurfürst-Friedrich-Gymnasium das Abitur absolvierte und an der Universität Heidelberg das Studium der Naturwissenschaften und Mathematik aufnahm. Dort studierte er unter anderem Zoologie bei Otto Bütschli, Robert Lauterborn und Curt Herbst, Botanik bei Georg Albrecht Klebs und Hugo Glück, Mineralogie bei Ernst Anton Wülfing und Victor Goldschmidt, Mathematik bei Leo Koenigsberger, Moritz Cantor und Karl Boehm. 1911 wurde er bei Otto Bütschli in Zoologie mit Botanik und Meteorologie zum Thema „Untersuchungen über die Anforderungsverhältnisse der Vogelfedern, insbesondere der Fadenfedern“ promoviert. 1912 folgte das Staatsexamen in Zoologie, Botanik, Chemie, Mineralogie mit Geologie und Mathematik.

Nach dem Staatsexamen verbrachte Fehringer ein Jahr zur Probe als Lehrer in Mannheim und war dann 1913/14 Assistent am Zoologischen Institut der Humboldt-Universität zu Berlin unter der Leitung von Franz Eilhard Schulze, den er täglich in den Zoo begleitete. Bei den Sitzungen der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft machte er die Bekanntschaft mit Anton Reichenow, der ihm einen Forschungsauftrag in Neuguinea vermittelte. Dieses Vorhaben wurde allerdings durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs vereitelt. Stattdessen wechselte Fehringer in den Schuldienst nach Weinheim, bis er 1916 zum Kriegsdienst eingezogen wurde. Durch seine Kenntnisse in Meteorologie wurde er als Lehrer für Wetterkunde an einer Fliegeroffiziersschule eingesetzt, ließ sich dann aber zur Makedonisch-landeskundlichen Kommission (Malako) versetzen, die mit finanzieller Unterstützung von Kaiser Wilhelm Forschungen betrieb. Nach Kriegsende arbeitete er ab 1919 als Lehrer in Weinheim, Heidelberg und Karlsruhe.

1928 wurde Fehringer mit der Leitung der Städtischen Vogelwarte Karlsruhe-Rappenwört betraut, die 1929 eröffnet wurde. 1931 beendete er seine dortige Arbeit, um sich für das von ihm initiierte Projekt der Errichtung eines Tiergartens in Heidelberg einzusetzen. 1932 gewann er Carl Bosch, damals Generaldirektor der IG Farben, als Mäzen und Gründungsvater, 1933 unterzeichneten Bosch und die Stadt Heidelberg den Gesellschaftervertrag für die „Kurpfälzischen Tiergarten mit Vogelwarte“, deren Geschäftsführer des Zoologischen Bereiches Fehringer wurde. Mit der Eröffnung des im November 1934 wurde Fehringer Direktor des Tiergartens Heidelberg, den er bis 1938 leitete.

1935 erhielt Fehringer einen Lehrauftrag für Wirbeltierkunde an der Universität Heidelberg. Im Januar 1939 kehrte er in den Schuldienst zurück. Während des Zweiten Weltkriegs wurde er aus Altersgründen nicht zum Kriegsdienst verpflichtet, stattdessen aber zum Heimateinsatz beim Volkssturm. Ab 1945 wirkte er als Lehrer am Heidelberger Kurfürst Friedrich Gymnasium, bis er 1951 aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand trat.

Seinen Lebensabend verbrachte Fehringer in Hechendorf am Pilsensee, von wo aus er ausgedehnte Reisen zwecks ornithologischer Beobachtungen unternahm, zum Beispiel nach Italien, Frankreich, Griechenland, Schweden, Norwegen und Finnland. Er verfasste zahlreiche ornithologische Bücher. Während der Zeit des Nationalsozialismus forschte er über Hunde.

Otto Fehringer starb am 10. Juli 1964 durch eine Herzerkrankung in Hechendorf und wurde dort dem kommunalen Friedhof am Kriegerdenkmal bestattet.Friedhofsverwaltung Seefeld

Privates Fehringer heiratete 1927 die aus Altena stammende Herta geb. Kriegeskotten (1899–1983), mit der er zwei Söhne hatte. Fehringer trat 1915 in die Heidelberger Freimaurerloge ein.

Publikationen (Auswahl) Die Vögel Mitteleuropas. Carl Winter, Heidelberg: Bd. 1: Die Singvögel Mitteleuropas. Mit 96 farbigen Tafeln nach Aquarellen von Walter Heubach und 19 Textabbildungen. Heidelberg: Winter (= Slg. naturwiss. Taschenbücher IX). 1922; 3. verb. Aufl. 1950. Bd. 2: Raben-, Raub-, Hühnervögel; Singvögel (Schluß), Segler, Nachtschwalben, Bienenfresser, Hopfe, Racken, Eisvögel, Spechte, Kuckucke, Tauben. Mit 96 farbigen Tafeln nach Vorlagen von Walter Heubach und Erwin Aichele. (= Slg. naturwiss. Taschenbücher XI), 1926. Bd. 3: Sumpf- und Wasservögel [Hühnerstelzen, Schreitvögel, Schnepfenvögel, Zahnschnäbler, Ruderfüßler, Taucher u. a.]. Mit 96 farbigen Tafeln nach Vorlagen von Erwin Aichele. (= Slg. naturwiss. Taschenbücher XIV), 1931. Wildtiere und Haustiere. Teil 1. Ein Weg zum Verständnis unserer Kameraden aus der Tierwelt Gesellschaft der Naturfreunde (= Die Kosmos-Bibliothek 144). Franckh, Stuttgart 1936. Das kleine Buch der Greife. Einheimische Raubvögel (= IB 515). Insel-Verlag, 1937. Wildtiere und Haustiere. Zweiter Teil (= Kosmos-Bändchen 159). Mit 33 Abbildungen. Franckh, Stuttgart 1940. Unser Hund. Das große illustrierte Hundebuch für alle. D. Reimer Verlag, Berlin 1940. Hund und Katze. Ein Kapitel Tierpsychologie. Verlag Burger, Mannheim 1946. Unser Pferd. Reimer, Berlin 1950; 2. Aufl. 1960. Die Welt der Vögel (= Knaurs farbige Tierbücher). Mit 400 Farbzeichnungen von Ferdinand Barth. Droemersche Verlagsanstalt, München 1951. Das neue Hundebuch. Rassetafeln von Heide Brakebusch. Mit 4 farbigen Rassetafeln und 178 Bildern im Text und auf 48 Tafeln. Dietrich Reimer, Berlin 1954. Tiere auf grosser Fahrt. Die Wanderung der Tiere auf der Erde, im Wasser und in der Luft. Dietrich Reimer, Berlin 1956

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