mini|Ehemaliges Refektorium des Klosters San Salvi mit dem Letzten Abendmahl von Andrea del Sarto, heute Museo del Cenacolo di Andrea del Sarto, Florenz mini|Andrea del Sarto: Das letzte Abendmahl, 1522–1527, Fresko, 525 × 871 cm Das Museo del Cenacolo di Andrea del Sarto ist ein Museum in Florenz. Es ist im ehemaligen Refektorium sowie in weiteren Räumen des Konvents San Salvi untergebracht. Es liegt an der Via di San Salvi im Osten der Stadt und ist nach dem dort erhaltenen Freskengemälde Das Letzte Abendmahl (Cenacolo) von Andrea del Sarto benannt. Das Museum gilt als bedeutendes Zeugnis der florentinischen Malerei der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Trotz der großen künstlerischen Bedeutung des Cenacolo-Freskos wird das Museum im Vergleich zu anderen Museen in Florenz als touristisch weniger stark frequentiert beschrieben.

Geschichte

Der dem Kloster der Vallombrosaner unterstellte Konvent San Salvi wurde laut unterschiedlichen Angaben im 11. Jahrhundert gegründet und im frühen 16. Jahrhundert unter der Leitung von Biagio Milanesi und später des Abtes Ilario Panichi erweitert und umgebaut. In diesem Zusammenhang entstand auch das große Refektorium mit angrenzendem Lavabo und Küche. Mit der Ausmalung wurde Andrea del Sarto beauftragt. Bereits im Jahr 1845 wurde in einem Teil des Konvents ein Museum eröffnet, in dem Werke unterschiedlicher Herkunft um das Fresko von Andrea del Sarto zusammengeführt wurden. Ein erheblicher Teil dieser Werke stammte aus im Zuge der Säkularisation von Klosteraufhebungen in Florenz und Umgebung säkularisierten Kirchen und Konventen. Die heutige Aufstellung, die spätere Umhängungen und Ersetzungen erfahren hat, geht im Wesentlichen auf eine Neukonzeption aus dem Jahr 1981 zurück. Seitdem wurden einzelne Säle weiter überarbeitet, zuletzt im Jahr 2018 der Saal mit dem Grabmonument des Benedetto da Rovezzano. Seit Dezember 2014 wird das Museum vom italienischen Kulturministerium über den Polo museale della Toscana verwaltet, der im Dezember 2019 in die Direzione regionale Musei überführt wurde.

Architektur mini|Korridor im ehemaligen Kloster San Salvi, heute Museo del Cenacolo di Andrea del Sarto Es umfasst die ehemaligen Klosterräume des Konvents San Salvi: einen langen Korridor, einen daran anschließenden Saal, den Lavabo (Waschraum), die ehemalige Küche mit einem großen Kamin sowie das Refektorium (Speisesaal). Letzteres ist von einem Bogen überwölbt, dessen Laibung fünf Medaillons mit Darstellungen des heiligen Johannes Gualbert, des heiligen Salvi, der Dreifaltigkeit, des heiligen Bernardo degli Uberti und des heiligen Benedikt zieren.

Sammlung

Korridor und Manieristengalerie

Im langen Korridor nach dem Eingang sind großformatige Altarbilder toskanischer Maler des 16. Jahrhunderts aufgestellt. Es handelt sich dabei überwiegend um Künstler, die auch für die benachbarte Kirche San Salvi tätig waren. Zu den ältesten Werken zählt die zwischen 1489 und 1490 entstandene Kreuzigung mit der Jungfrau und den Heiligen Johannes Evangelist, Magdalena, Ägidius und Bernhard von Clairvaux von Davide Ghirlandaio. Das Bild stammte ursprünglich aus dem Ospedale di Santa Maria Nuova. Weitere vertretene Künstler sind Franciabigio, Giovanni Antonio Sogliani, Michele di Ridolfo, Ridolfo Ghirlandaio, Francesco del Brina, Carlo Portelli, Raffaellino del Garbo, Francesco Morandini (genannt il Poppi), Antonio del Ceraiolo, Francesco Ubertini (genannt Bachiacca), Pier Francesco Foschi und Giuliano Bugiardini. Ein Teil der Werke wurde durch das Opificio delle Pietre Dure restauriert; bei einigen Gemälden sind die Restaurierungsmaßnahmen jedoch noch nicht abgeschlossen.

Grabmonument des heiligen Johannes Gualbert mini|Benedetto da Rovezzano: Bestattung des heiligen Johannes Gualbertus, 1505–1513, Marmorrelief aus dem unvollendeten Grabmonument des Heiligen Am Ende des Korridors wurde ein eigener Saal für die Fragmente des von Benedetto da Rovezzano zwischen 1507 und 1513 (nach anderer Angabe ab 1505) für die Badia di Passignano geschaffenen Grabmonuments des heiligen Johannes Gualbert eingerichtet. Die Köpfe der dargestellten Figuren wurden von Truppen, die Florenz belagerten, abgeschlagen und als Souvenirs mitgenommen. Die Fragmente sind entlang der Wände aufgestellt. Bis zur Neuordnung des Saals im Jahr 2018 stand in dessen Mitte ein Gipsabguss des Grabmals der Ilaria del Carretto von Jacopo della Quercia. Dieser wurde 1817 von der Stadt Lucca gestiftet, nachdem eine dort aufbewahrte Marmorplatte des Originaldenkmals zurückgegeben worden war.

Lavabo

Es diente den Mönchen zum rituellen Händewaschen vor dem Betreten des Refektoriums. Das Becken aus Pietra serena mit den darüberliegenden steinernen Dekorationen wird ebenfalls Benedetto da Rovezzano zugeschrieben. Darüber befindet sich ein Fresko mit der Samariterin am Brunnen, das aus dem Jahr 1620 stammt und Cosimo Gamberucci zugeschrieben wird.

In diesem Raum werden zudem Werke ausgestellt, die der manieristischen Malerei unmittelbar vorausgehen. Zu sehen sind unter anderem ein Heiliger Hieronymus als Büßer von Bartolomeo di Giovanni sowie zwei Tabernakelflügel eines florentinischen Künstlers vom Beginn des 16. Jahrhunderts aus dem Konvent San Giovanni in Faenza. Weitere ausgestellte Werke sind eine signierte und datierte Madonna mit Kind, thronend, zwischen dem heiligen Franziskus, dem heiligen Zanobius und zwei knienden Stiftern von Raffaellino del Garbo aus Pistoia, eine Stillende Madonna von Giuliano Bugiardini sowie eine Madonna mit Kind und zwei Engeln. Letztere wurde 1959 von Federico Zeri als Kopie eines dem Piero di Cosimo zugeschriebenen Originals identifiziert, welches sich in der Fondazione Giorgio Cini in Venedig befindet. Die Kopie wird in die Jahre 1515–1520 datiert; möglicherweise wurde sie von Bachiacca angefertigt. Von Bachiacca stammt außerdem eine Tafel mit Tobias und der Engel. Giovanni Antonio Sogliani ist mit einer Madonna mit Kind und dem Johannesknaben vertreten.

Refektorium mini|Maler in der Manier Federico Baroccis: Mystische Vermählung der heiligen Katharina von Siena, 1570–1580, Öl auf Leinwand, 117 × 93 cm Im Refektorium befindet sich an der Rückwand gegenüber dem Eingang das Fresko Cenacolo (Das Letzte Abendmahl) von Andrea del Sarto. Der Auftrag dafür geht bereits auf das Jahr 1511 zurück. Damals beauftragte der Vallombrosaner Mönch Ilario Panichi den damals noch jungen Künstler und leistete erste Zahlungen. Nach einer Unterbrechung von über fünfzehn Jahren wurde die Darstellung des Abendmahls im Jahr 1526 wiederaufgenommen und im Jahr 1527 fertiggestellt. Der Überlieferung nach, die auf einen Bericht Benedetto Varchis zurückgeht, bewahrte die künstlerische Qualität des Freskos den Gebäudeteil während der Belagerung von Florenz durch die Truppen Kaiser Karls V. im Jahr 1529/1530 vor der von der Florentiner Republik angeordneten Zerstörung von Bauten außerhalb der Stadtmauern.

Gegenüber dem Cenacolo, über dem Eingang, befindet sich ein Fresko mit der Darstellung von Fides und Caritas von Jacopo Pontormo. Es war ursprünglich außen am zentralen Bogen der Loggia della Santissima Annunziata angebracht und ist heute in beschädigtem Zustand. Weitere Werke Pontormos im Refektorium sind eine Madonna und kleinere Gemälde. Zu den weiteren im Refektorium ausgestellten Werken und Werkkopien Andrea del Sartos zählen unter anderem eine Verkündigung (Fresko, ursprünglich vom Bogen des Sdrucciolo di Orsanmichele), ein Christus als Schmerzensmann (ursprünglich im Noviziat der Santissima Annunziata, 1810 in die Galleria dell’Accademia überführt und seit 1930 in San Salvi) sowie mehrere Kopien nach den Grisaille-Fresken mit Szenen aus dem Leben Johannes des Täufers aus dem Chiostro dello Scalzo.

Küche

In der ehemaligen Küche, in der sich ein großer Kamin befindet, werden Tafelbilder des 16. Jahrhunderts gezeigt. Darunter befindet sich eine Madonna mit Kind und den Heiligen Johannes Gualbert und Bernardo degli Uberti aus einer Villa bei Vallombrosa. Die Autorschaft dieses Werkes ist nicht dokumentiert, stilistisch steht es der Werkstatt Andrea del Sartos nahe. Ebenfalls ausgestellt ist ein Kreuztragender Christus von Fra Bartolomeo. Von Franciabigio sind unter anderem eine Geburt Christi (1510) sowie Altarbilder für die Kirche San Giobbe (1516) zu sehen. Seit 2017 werden zudem drei Lünetten der Dominikanerin Plautilla Nelli präsentiert.

Literatur

Serena Padovani, Silvia Meloni Trkulja: Il Cenacolo di Andrea del Sarto a San Salvi. Guida del Museo. Libreria Editrice Salimbeni, Florenz 1982. Serena Padovani: Andrea del Sarto. Becocci/Scala, Florenz 1986. Mauro Chiarini (Hrsg.): Andrea del Sarto 1486–1530. Dipinti e disegni a Firenze. Ausstellungskatalog, Palazzo Pitti, Florenz 1986. Antonio Natali, Alessandro Cecchi: Andrea del Sarto. Catalogo completo dei dipinti. Cantini, Florenz 1989. Cristina Acidini Luchinat, Rosanna Caterina Proto Pisani (Hrsg.): La tradizione fiorentina dei Cenacoli. Scala, Calenzano (Florenz) 1997, S. 173–179. Cenacolo di Andrea del Sarto a San Salvi. Assessorato alla Cultura, Polistampa, Florenz 1996. Silvia Meloni Trkulja: I Cenacoli. Museo di Firenze. Becocci/Scala, Florenz 2002, S. 19–37. Scoperte e restauri a San Salvi. Florenz 2003. S. J. Freedberg: Andrea del Sarto. Harvard University Press, Cambridge (Mass.) 1963. John Shearman: Andrea del Sarto. 2 Bände, Clarendon Press, Oxford 1965.

Weblinks

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Einzelnachweise

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