Jarnołtowo () ist ein Ort in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren und gehört zur Gmina Małdyty im Powiat Ostródzki. mini|200px|Glockenturm mit Tordurchgang in Jarnołtowo

Geographische Lage Jarnołtowo liegt im Westen der Woiwodschaft Ermland-Masuren, 19 Kilometer westlich der Stadt Morąg bzw. 28 Kilometer nordwestlich der Kreismetropole Ostróda.

Geschichte Der einstige Kirch-, Guts- und Ziegeleiort Arnoldisdorf, auch Arnoldsdorf, ab vor 1785 Groß Arnsdorf genannt, wurde nach 1301 von Sieghard von Schwarzburg gegründet, und die Handfeste im Jahre 1317 bestätigt.Dietrich Lange: Groß Arnsdorf, in: Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005)Informationszentrum Ostpreußen: Jarnołtowo – Groß Arnsdorf

Der Ort gehörte damals zum Kammeramt Preußisch Mark.Geschichtliches Orts-Verzeichnis: Groß Arnsdorf Am 19. November 1334 verlieh der oberste Trappier und Komtur von Elbing Günther von Schwarzburg dem Ort Land.

Am 16. Juli 1543 weilten Herzog Albrecht und Bischof Georg von Polentz zur Visitation in Arnsdorf.

Im Jahre 1742 erwarb Major Bernhard Friedrich von Hülsen das Gut in Groß Arnsdorf, indem er die Erbtochter Elisabeth von Diebes heiratete. In seinem Hause weilte zwischen 1750 und 1754 Immanuel Kant als Hauslehrer zur Erziehung seiner drei Söhne. Es wird vermutet, dass Kant hier bereits seine Dissertation De ignis („Vom Feuer“) vorbereitet hat.

Im Jahre 1785 wurde Groß Arnsdorf als adliger Hof und Kirchdorf mit drei Feuerstellen erwähnt, im Jahre 1820 als adliges Vorwerk mit 33 Feuerstellen bei 245 Einwohnern – im Besitz des Grafen von Hülsen.

Mitte der 19. Jahrhunderts wurde die Familie von Printz Gutseigentümer in Groß Arnsdorf.

Im Jahre 1874 wurde Groß Arnsdorf Amtsdorf und namensgebend für den Amtsbezirk Arnsdorf im ostpreußischen Kreis Mohrungen, Regierungsbezirk Königsberg.Rolf Jehke: Amtsbezirk Arnsdorf Zu ihm gehörten:LG = Landgemeinde, GB = Gutsbezirk Deutscher Name Polnischer Name Anmerkungen Bündtken (LG) Bądki Bündtken (GB) 1928 in die Landgemeinde Bündtken eingegliedert Groß Arnsdorf Jarnołtowo Klein Arnsdorf Jarnołtówko 1929 nach Groß Arnsdorf eingemeindet ab 1926:Barten Barty die Gemeinde wurde 1926 gegründet

280 Einwohner zählte der Ort Groß Arnsdorf im Jahre 1885.

Zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde ein Baron von Spiegel-Borgenbrech aus Westfalen Eigentümer des Guts Groß Arnsdorf, der jedoch Bankrott machte. Die Ländereien wurden vom Ostpreußischen Landesverein übernommen.

Im Jahre 1910 zählte Groß Arnsdorf gleichbleibend 280 Einwohner. Am 1. April 1920 und am 26. Januar 1924 wurde der Gutsbezirk Terpen teilweise nach Groß Arnsdorf eingemeindet, und am 15. März 1926 die Vorwerke Barten und Woritten von Groß Arnsdorf in die neue Landgemeinde Barten umgegliedert. Zugleich wurde das Gut Groß Arnsdorf mit dem Vorwerk Hülsenhof in die Landgemeinde Groß Arnsdorf eingegliedert. Am 1. Januar 1929 schließlich wurde die Landgemeinde Klein Arnsdorf in die Landgemeinde Groß Arnsdorf eingemeindet.

Diese zählte im Jahre 1933 650, und im Jahre 1939 610 Einwohner.Michael Rademacher: Ortsbuch Landkreis Mohrungen

In Kriegsfolge kam Groß Arnsdorf 1945 mit dem gesamten südlichen Ostpreußen zu Polen. Groß Arnsdorf erhielt die polnische Namensform „Jarnołtow“ und ist heute eine Ortschaft mit Sitz eines Schulzenamts innerhalb der Gmina Małdyty im Powiat Ostródzki, von 1975 bis 1998 der Woiwodschaft Olsztyn, seither der Woiwodschaft Ermland-Masuren zugehörig.

Gutshaus Das Gutshaus von 1770 stand am nordwestlichen Ortsrand von Groß Arnsdorf und wurde wohl auch „Hülsenhof“ genannt. Das Haus ist 1945 abgebrannt, nur wenige Ruinenreste gibt es noch. Der Bau war sehr schlicht gehalten und fand gerade deswegen in Ostpreußen viele Nachahmer. Von einigen Wirtschaftsgebäuden sowie Flächen vom Park gibt es noch Restbestände.

Religion mini|200px|Die Kirche in Jarnołtowo/Groß Arnsdorf

Kirchengebäude Die Kirche in Groß Arnsdorf resp. Jarnołtowo ist ein turmloser verputzter Backsteinbau mit hohen Ost- und Westgiebeln, der in den Jahren 1329–1335 wohl als Nachfolgebau einer Holzkirche errichtet wurde.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen 1968, S. 65Agathon Harnoch: Gr. Arnsdorf, in: Chronik und Statistik der evangelischen Kirchen in den Provinzen Ost- und Westpreußen, Neidenburg 1890, S. 168 In den Jahren 1340–1350 wurde der Chor im Osten angefügt. Die Glocken befinden sich seit 1929 in einem abseits des Kirchengebäudes errichteten freistehenden Glockenturm mit Durchgangsportal. Im Jahre 1878 wurde der Innenraum der Kirchen neu gestakltet – der Triumphbogen wurde beseitigt und eine Flachdecke eingezogen. Altar und Kanzel sind aus Eichenholz in neugotischem Stil gefertigt, das Altarbild zeigt den „Einladenden Christus“. Nach 1945 fanden mehrfache Renovierungen statt.

Kirchengemeinde Eine offizielle Gemeinde wurde im damaligen Arnoldishof bereits zur Ordenszeit und vor 1329 gegründet.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 467 Mit der Reformation hielt die lutherische Lehre Einzug.

Evangelisch: Bereits vor 1554 amtierten an der Kirche in Groß Arnsdorf evangelische Geistliche, die seither offiziell erfasst wurden.Friedwald Moeller: Arnsdorf, in: Altpreußisches Evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1968, Hamburg, 1968, S. 17 Am 16. Juli 1543 visitierten Herzog Albrecht und Bischof von Polentz das Dorf. Das Kirchenpatronat oblag der Gutsherrschaft, Gutsherr Freiherr von Printz errichtete 1869 hier ein Siechenhaus für Frauen.

Die evangelische Gemeinde bestand bis 1945, als sie aufgrund von Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung fast gänzlich erlosch. Bis zum Krieg war die Pfarrei Groß Arnsdorf in den Superintendenturbezirk Saalfeld im Kirchenkreis Mohrungen eingegliedert, der zur Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union gehörte. Im Jahre 1925 zählte die Pfarrei 2.700 Gemeindeglieder, die in 30 Dörfern, Ortschaften und Wohnplätzen lebten.

Heute gehören die evangelischen Einwohner von Jarnołtowo zur Kirchengemeinde in Morąg, einer Filialgemeinde von Ostróda in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

Römisch-katholisch: Bis 1945 gehörten die römisch-katholischen Einwohner in der Region Groß Arnsdorf zur Pfarrei St. Joseph in Mohrungen im damaligen Bistum Ermland. Nach 1945 nutzten katholische Neusiedler die bisher evangelische Kirche als ihr Gotteshaus, und 1950 nahm hier der erste Nachkriegspfarrer seinen Dienst auf.Parafia Janołtowo: Pfarrei Janołtowo (polnisch) Am 5. April 1962 wurde in Jarnołtowo ein eigene Pfarrei eingerichtet. Ihr sind 15 Ortschaften zugeordnet, in denen 1.800 Pfarrkinder leben. Die Pfarrei und die Kirche Christkönig sind Teil des Dekanats Morąg im Bistum Elbląg.

Zur Pfarrei in Jarnołtowo gehören zwei im Jahre 1991 mit viel Initiative der Einwohner in Budwity und Gumniska Małe bzw. in Koszajny, Kreki und Dajny errichteten Filialkapellen in Budwity bzw. Koszajny.

Verkehr Jarnołtowo ist von der Woiwodschaftsstraße 519 (einstige Reichsstraße 126) sowohl von Zajezierze als auch von Zalewo aus zu erreichen. Außerdem führt von Jarnołtówko aus eine Straße nach Jarnołtowo.

Die nächste Bahnstation ist Małdyty. Sie liegt an der Bahnstrecke Olsztyn–Bogaczewo zur Weiterfahrt nach Elbląg. Bis 2004 war Pollwitten resp. Połowite die nach nur wenigen Kilometern zu erreichende Bahnstation an der Bahnstrecke Małdyty–Malbork und somit Ost- und Westpreußen bzw. die Woiwodschaften Ermland-Masuren und Pommern verband. Die Bahntrasse ist inzwischen fast gänzlich demontiert.

Persönlichkeiten August von Hülsen (1779–1858), preußischer Generalmajor, Mitglied des Herrenhauses, Gutsbeitzer auf Groß Arnsdorf verstarb hier am 19. November 1858 Hans Birth (1887–1961), deutscher Lehrer und Politiker (SPD), wurde am 22. Mai 1887 in Groß Arnsdorf geboren

Erinnerungen an Immanuel Kant An Immanuel Kants Aufenthalt von 1750 bis 1754 als Hauslehrer in Groß Arnsdorf wird noch heute in Jarnołtowo mehrfach erinnert.Parafia Jarnołtowo: Jarnołtowo im Leben von Immanuel Kant (polnisch)Freunde Kants und Königsbergs e.V.: Die Kant-Orte in Kaliningrad/Königsberg und Umgebung Im April 1994 wurde an der alten Schule eine zweisprachige Gedenktafel angebracht mit dem Text: In diesem Ort war um das Jahr 1750 als Privatlehrer tätig IMMANUEL KANT (1724–1804), der weltberühmte Philosoph aus Königsberg. Groß Arnsdorf 1994 Am Glockenturm der Kirche wurden im Jahre 2019 zwei Granittafeln zur Erinnerung an Kants Aufenthalt enthüllt, gestiftet von der Kreisgemeinschaft Mohrungen Sei 2020 gibt es in Groß Arnsdorf einen Immanuel-Kant-Platz. In seinem Zentrum steht eine lebensgroße aus Holz geschnitzte Skulptur Kants. Um sie herum verläuft ein befestigter Pfad mit 15 Lehr- und zwei Informationstafeln über Kants Leben und Werk Im Jahre 2024 wurde zum 300. Geburtstag Kants im Dorf ein großes Kant-Gemälde an einer Hauswand enthüllt. Außerdem entsteht in Groß Arnsdorf ein kleines Kant-Museum.Gerfried Horst: Die Geschichte der Gesellschaft der Freunde Kants, in: Königsberger Bürgerbrief Winter 2025, S. 29

Weblinks

Bildarchiv Ostpreußen: Slideshow Groß Arnsdorf/Jarnołtowo

Einzelnachweise

Kategorie:Ort der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Gmina Małdyty