Gustav Schaffrath (* 1905 in Mönchsee, Kreis Gnesen; † nach 1977) war ein deutscher Zirkusartist und Schauspieler. Schaffrath, der kleinwüchsig war, trat in den 1920er-Jahren in einer Reihe von amerikanischen Filmproduktionen auf. Seine wahrscheinlich bekannteste Rolle hatte er als Gegenspieler von Stan Laurel in der Stummfilmkomödie Sailors, Beware! von 1927.

Leben und Tätigkeit

Schaffrath wuchs im Deutschen Kaiserreich auf. Er litt unter angeborenem Kleinwuchs (die Einwanderungspapiere von Ellis Island von 1923 geben seine Größe mit 3 Fuß, rund 90 cm, an). Mit 14 Jahren folgte Schaffrath einem Bruder nach Berlin und erhielt eine erste Rolle am Theater am Nollendorfplatz. Danach kamen Engagements im Theater am Kurfürstendamm und in Halensee. Mit dem Unterhaltungsstück Berlin auf Stelzen ging es anschließend auf eine erfolgreiche Tournee durch Norddeutschland. Nach Gastspielen in Schlesien und Sachsen wurde schließlich in einem Magdeburger Theater ein festes Varieté-Programm erarbeitet. In der Zeit der Währungsinflation, die erzielte Einnahmen gleich wieder vernichtete, kam 1923 über den Berliner Theateragenten Paul Tausig ein attraktives Angebot in die USA.

Nachdem der Al.G. Barnes Zirkus in Dallas ihn sowie seine zwei ebenfalls kleinwüchsigen Geschwister (Wilhelm Schaffrath und Ida Schaffrath) und einen gewissen Herman Joseph Klinkhart angeheuert hatte, reiste er im März 1923 von Hamburg mit dem Dampfer Mongolia nach New York City. Als Emigranten passierten die vier, die als Berufsbezeichnung jeweils „Artist“ angaben, im März 1923 Ellis Island.Ancestry: Hamburger Passagierlisten, 1923, Bd. 294, S. 86; sowie Ancestry (unter Sucheingabe "Gustave Schaffrath" auffindbar): New York, U.S., Arriving Passenger and Crew Lists (including Castle Garden and Ellis Island), 1820-1957: List or Manifest of Alien Passengers for the United States Immigration Officer at Port of Arrival: Arriving at Port of New York March 21st 1923, List 5, Einträge 17, 24 und 25. Die Liste hält ausdrücklich als Zweck der Einreise von Schaffrath und seinen Geschwistern fest "to join A.G. Barnes Circus at Dallas, Texas".

Im Barnes-Zirkus gehörte Schaffrath der Sideshow Klinkhart's European Midgets an, einem Unterhaltungsprogramm aus zehn bis vierzehn kleinwüchsigen Darstellern, die Aufführungen verschiedener Art (wie musikalische Darbietungen, akrobatische Kunststücke, Zaubertricks) aufführten.

Neben seiner Betätigung als Zirkusdarsteller trat Schaffrath ab 1925 in Filmen auf. Seine erste Rolle hatte er in Baby Clothes, einem Film der Die kleinen Strolche-Serie, der Ende 1925/Anfang 1926 aufgenommen und 1926 aufgeführt wurde. mini|Plakat für Sailors, Beware!, 1927. Schaffrath als falsches Baby im Arm von Oliver Hardy. 1927 erhielt Schaffrath seine wahrscheinlich bekannteste Rolle, als er für die Rolle des Roger in der im April 1927 gefilmten und im selben Jahr veröffentlichten Stummfilmkomödie Sailors, Beware! engagiert wurde. Hauptdarsteller waren die Komiker Stan Laurel und Oliver Hardy, die in ihm allerdings noch nicht als notorisch tollpatschiges und chaosstiftendes Duo Laurel & Hardy (Dick und Doof) auftreten, sondern andere, antagonistische Figuren spielen, während Schaffrath den Part des Schurken übernimmt, wobei ein Großteil der Filmhandlung aus seiner Auseinandersetzung mit der von Laurel verkörperten Figur besteht.Beschreibung der Handlung des Films „Sailors, Beware! 1927“ bei: Laurelandhardyfilms.com.

Kritiker lobten Schaffrath – der in den ursprünglichen Credits des Films als „Dwarf Gustav“ angeführt wird (möglicherweise sein Bühnenname in den 1920er-Jahren) – für seine schauspielerische Leistungen. Speziell sein ausdrucksstarkes Gesicht, sein burschikos-charmantes freches Kinderlächeln und sein Talent für komisches Timing wurden gelobt; es wurde ihm daher attestiert, in seinen Szenen mit Laurel einen gleichwertigen Gegenpart zu dessen komödiantischer Leistung zu bilden, sodass ihre Interaktionen als Höhepunkt des Films den Zuschauern ein hochunterhaltsames Doppelpassspiel zweier begabter Causeure bieten würde.Siehe exemplarisch die folgenden Rezensionen und speziell ihre Kommentare zu Schaffraths Darstellung in dem Film: Rezension bei: Cineoutsider "Laurel & Hardy: The Silent Years – 1927" vom 26. August 2024; Michael Barrett: "‘Laurel & Hardy: Year One’ shows Why 1927 was a Vintage Year for Comedy", in: PopMatters vom 30. November 2023.

Der Produzent Hal Roach besetzte Schaffrath später noch in verschiedenen weiteren Filmen der Laurel- und Hardie-Reihe, so in Their Purple Moment von 1928.

Im US-Zensus von 1930 war Schaffrath als Zirkusartist mit Wohnsitz in Los Angeles (Washington Street 133) verzeichnet, wobei er weiterhin dem AL. G. Barnes Circus als Angehöriger zugeordnet war.Ancestry: US-Zensus für das Jahr 1930 (15. Zensus): Kalifornien, Los Angeles, District 19/0375, Block 306, Sheett 23 B. In der Wintersaison war die Truppe jeweils am Theater engagiert, wie am Ägyptischen Theater in Los Angeles.

Laut dem San Pedro News Pilot vom 15. November 1930 bestiegen Schaffrath und zehn weitere kleinwüchsige Darsteller mit deutscher Staatsangehörigkeit nach mehrjährigem Engagement beim Barnes-Zirkus am 14. November in East San Pedro das Linienschiff Vancouver, um über Panama mit Zielhafen Hamburg in ihre Heimat zurückzukehren, wobei sie von ihrem Freund R.E. "Tex" Madsen, der mit 7 Fuß, 6 Inches Körpergröße damals als größter Mann Amerikas galt, am Dock verabschiedet wurden. Der Artikel beschreibt Schaffrath als Leiter der elfköpfigen Truppe von kleinwüchsigen Schaustellern (Klinkhart Midget Group) aus sieben Männern und vier Frauen. Außerdem wird erwähnt, dass er inzwischen verheiratet war und bei 28 Inches Körpergröße 30 Pfund wog.Giant Bids Farewell to Gnomes at Wharf, in: San Pedro News Pilot vom 15. November 1930, S. 11. (Digitalisat). Siehe auch 11 Tiny Persons Sail Today for Home in Germany. In: Los Angeles Examiner, 14. November 1930 In Berlin angekommen, löste sich die Truppe auf.

Schaffrath wohnte Anfang 1978 mit seiner Schwägerin in einem Reihenhaus in der niedersächsischen Stadt Seesen.

Filmografie 1925/1926: Baby Clothes (auch als The Rich Uncle bekannt) 1926: Say It with Babies 1927: Sailors Beware! 1928: Their Purple Moment

Literatur James L. Neibaur: The Laurel and Hardy Films, s. l. e. a., S. 27–30.

Weblinks

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Einzelnachweise

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