Die JS-Filmproduktion war eine deutsche Filmproduktion mit Schwerpunkt auf Eisenbahnfilmen. Sie entstand im Umfeld des Eisenbahn-Kuriers (EK) und entwickelte sich zu einem der frühen deutschen Produzenten von Eisenbahnfilmen für den Heimvideomarkt.

Prägende Personen der Filmproduktion waren Joachim Schmidt und Wolfgang Schumacher. Die Produktionen entstanden teilweise in Zusammenarbeit mit Eisenbahnern, Eisenbahnvereinen und dem Fernsehen. Eine langjährige Verbindung bestand auch zu Hagen von Ortloff, der später als Moderator und Autor von Eisenbahn-Romantik bekannt wurde.

Vorgeschichte Joachim Schmidt war bereits vor Beginn der Filmproduktion als Eisenbahnfotograf tätig. Seine fotografische Arbeit begann in den 1970er Jahren und umfasste unter anderem die letzten Einsatzgebiete von Dampflokomotiven der Deutschen Bundesbahn im Ruhrgebiet und im Weserbergland. Ein Schwerpunkt lag auf den Bahnbetriebswerken Gelsenkirchen-Bismarck und Ottbergen, ein anderer auf dem Dampfbetrieb der Deutschen Reichsbahn in der DDR.

Diese fotografische Tätigkeit bildete eine wichtige Grundlage für seine spätere Filmproduktion. Schmidt verfügte bereits über umfangreiches Bildmaterial, Erfahrung mit filmisch interessanten Eisenbahnthemen und Kontakte zu Eisenbahnern und Eisenbahnfreunden in Ost- und Westdeutschland. Teile seines seit 1970 entstandenen fotografischen Archivs befinden sich heute in der von ihm gegründeten Eisenbahnstiftung.

Wolfgang Schumacher kam über seine frühe Begeisterung für die Eisenbahn und insbesondere für die sächsischen Schmalspurbahnen zum Eisenbahn-Journalismus. In den 1970er Jahren entwickelte er enge Kontakte zur Preßnitztalbahn und zur dortigen Eisenbahnerszene. 1977 veröffentlichte der Eisenbahn-Kurier (EK) Fotografien Schumachers im Buch Eisenbahnen in Sachsen. 1979 wurde er Mitarbeiter des Verlages und war von 1989 bis 1991 Chefredakteur des Eisenbahn-Kuriers. Im Impressum des Eisenbahn-Kuriers, Ausgabe 153 vom Juni 1985, wird Wolfgang Schumacher als stellvertretender Chefredakteur, Brigitte Borell im Redaktionssekretariat und Anzeigenbereich sowie Joachim Schmidt im Zusammenhang mit der fotografischen Berichterstattung genannt.Eisenbahn-Kurier, 20. Jahrgang, Nr. 153, Juni 1985, Impressum und EK-Programm, zeitgenössische Videoankündigung von „Unvergessene Schmalspurromantik“, Film 1.

Neben seiner journalistischen Tätigkeit war Schumacher in der Museumsbahn- und Erhaltungsszene engagiert. In einem späteren Interview berichtete er unter anderem über seine Erfahrungen bei der Rettung des Öchsle und der Brohltalbahn.

Die Anfänge beim Eisenbahn-Kurier mini|Bestellter Fotozug in Walthersdorf mit Tour-Büssing (September 1982) Die Filmproduktion entstand aus dem wachsenden Angebot des EK an fotografischen und filmischen Eisenbahn-Dokumentationen. Schumacher und Schmidt arbeiteten bereits Anfang der 1980er Jahre gemeinsam bei Foto- und Filmtouren. Ein späterer Überblick der Dampfbahn-Route Sachsen bezeichnet beide als frühe Organisatoren von Foto- und Filmtouren und nennt 1982 eine gemeinsame Aufnahme in Nossen. Danach seien 1984 die ersten Bahn-Videos initiiert worden.

Ausgangspunkt der EK-Filmproduktion waren länger konzipierte Eisenbahnfilme, die historische und aktuelle Entwicklungen des Eisenbahnbetriebs dokumentierten. Dabei griff der EK zunächst auch auf bereits vorhandenes Filmmaterial zurück.

Zu den frühen Vorbildern gehörte der historische DB-Film Wie war sie eigentlich, die Dampflok? Der ursprünglich von der Deutschen Bundesbahn produzierte Film entstand bereits vor dem Aufbau der EK-Videoproduktion und zeigte den damaligen Dampfbetrieb der Bundesbahn. Er wurde später vom EK erneut veröffentlicht.

Für Joachim Schmidt wurde insbesondere der DDR-Film Traktion mit Tradition zur „Initialzündung“, sich stärker den bewegten Bildern zuzuwenden.Modell-Eisenbahner Heft 7/2005 S. 7 50.Geburtstag-Jubiläum

mini|Vermutlich Joachim Schmidt mit seiner PraktiSix auf dem Führerstand zur Vorbereitung einer Photo-Fahrt (September 1982)

„Unvergessene Schmalspurromantik – Film 1: Kleinbahnen im Erzgebirge“ über die Strecken Wolkenstein–Jöhstadt und Cranzahl–Oberwiesenthal (EK-Bestell.Nr. 1006) ist die erste eigene Filmproduktionen von Joachim Schmidt an der auch Wolfgang Schumacher beteiligt war.Eisenbahn-Kurier, 20. Jahrgang, Nr. 153, Juni 1985, *Fahrt frei! - für die EK-Videothek „Unvergessene Schmalspurromantik“ Der Film dokumentiert die Schmalspurbahn von Wolkenstein nach Jöhstadt in der damaligen DDR. Die Aufnahmen auf diesem Streckenabschnitt entstanden bereits 1983 unter besonderen Bedingungen: Für die Filmaufnahmen wurde eine Kameraausrüstung in die DDR eingeschmuggelt.Unvergessene Schmalspurromantik. In: Filminfos.de, o. D., abgerufen am 1. September 2026. Der Film wurde 1985 veröffentlicht.Eisenbahn-Kurier, 20. Jahrgang, Nr. 153, Juni 1985, Impressum und EK-Programm, zeitgenössische Videoankündigung von „Unvergessene Schmalspurromantik“, Film 1. Ergänzt wurde das historische Material später durch Aufnahmen vom Abbau der Strecke sowie durch Aufnahmen der Strecke Cranzahl–Oberwiesenthal von 1987.

Im Nachklang der Fahrzeugschau zum 150-jährigen Bestehen der deutschen Eisenbahn 1985 in Nürnberg entstand der Film Vom Adler zum Intercity. Die ersten großen Filmprojekte über historische Lokomotiven und deren Bedeutung für die Eisenbahngeschichte starteten mit dem Film über die 01 1100 Dampflokstar der DBEisenbahn-Kurier, 21. Jahrgang, Heft 12/85, Fahrt frei für die EK-Eisenbahnvideothek.. Bei diesen Filmen über einzelne Museumslokomotiven und Sonderfahrten, darunter die Produktionen über die 01.150 (01 150 - Schwarzer Renner unter Dampf ) sowie Die Post geht ab mit der 23.105 wurde die historische Bedeutung der Fahrzeuge mit neu aufgenommenen Fahrszenen und dem Wissen ihrer Lokführer verbunden. Damit entwickelte sich ein charakteristisches Produktionsprinzip diverser späterer JS-Filme.

Die Reichsbahn-Filme Mit den DDR-Reisen erhielt die Filmproduktion einen weiteren Schwerpunkt. Die bereits seit den 1970er Jahren bestehenden Kontakte Joachim Schmidts zur Deutschen Reichsbahn ermöglichten zunehmend aufwendige Produktionen in Zusammenarbeit mit der DR.

Besonders gut dokumentiert ist der Film über die DR-Baureihe 62, für den das EK-Filmteam 1990 mehrere Wochen in Thüringen arbeitete. Das Projekt wurde über Monate vorbereitet; es entstanden Vor-Ort-Recherchen, ein Drehbuch und ein detaillierter Fahrplan für die Filmaufnahmen. Für die Dreharbeiten wurden unter anderem die Lokomotiven 62 015, 01 137 und 01 118 eingesetzt. Die Zusammenarbeit mit der Deutschen Reichsbahn und ihren Mitarbeitern ermöglichte dabei auch gezielt vorbereitete und nachgestellte Betriebssituationen.

Der zeitgenössische Bericht im Eisenbahn-Kurier nennt als damaliges EK-Filmteam Joachim Schmidt, Wolfgang Schumacher, Jörg Weigel, Wolfgang Löckel, Thomas Tschirner und Rainer Albrecht.Eisenbahn-Kurier Heft 3/1991 S. 23–27 Die kleine01 = Ein großer Film über 62 015

Der 1991 entstandene Film01 519 – Eine Dampflok entsteht dokumentiert systematisch den Wiederaufbau der Dampflokomotive 01 519 im RAW Meiningen. Die Produktion entstand mit fachlicher Beratung durch den dort tätigen Ingenieur und Konstrukteur Siegfried Gilbert und begleitete die einzelnen Arbeitsschritte bis zur Wiederinbetriebnahme der Lokomotive. Anders als reine Betriebsaufnahmen stellte der Film damit auch die technischen und handwerklichen Abläufe der Lokomotivaufarbeitung ausführlich dar. Nach Angaben von Zeitzeugen wurde der Film auch zu Unterrichtszwecken an Schulen eingesetzt.

Professionalisierung der Produktion mini|Als Beispiel: Bernd Vollmer mit seiner Sony Betacam SP in Guamote, Ecuador (1993) Die EK- und späteren JS-Produktionen wurden von Beginn an zunehmend mit professioneller Film- und Fernsehtechnik hergestellt. Neben eigenen Kameraleuten kamen auch professionelle Kamerasysteme zum Einsatz; aus dem Produktionsumfeld wird unter anderem die Verwendung von Betacam-Technik berichtet.Vgl. Diskussion „Kameratyp bei EK und Rio Grande Filmen?“, Bimmelbahn-Forum, 2009. Ein Beispiel dafür ist Bernd Vollmer, der auch mit einer Betacam-SP-Kamera fotografisch dokumentiert ist.

Mit dem Aufbau eines eigenen Studios wurden Kamera, Schnitt, Tonmischung und Endkontrolle zunehmend innerhalb der Produktion zusammengeführt.

Später erfolgte der Übergang zur digitalen Produktion. Für Schnitt und Nachbearbeitung wurde ein Avid-System eingesetzt, mit dem auch ältere analoge Film- und Videoaufnahmen digitalisiert, technisch verbessert und für neue Veröffentlichungen bearbeitet werden konnten.

Auch die Vertonung entsprach dem professionellen Anspruch. Der Sprecher und Rundfunkjournalist Jochen Breiter sprach über viele Jahre zahlreiche Filme und Beiträge aus dem EK-/RioGrande- und Eisenbahn-Romantik-Umfeld. In Produktionsnachweisen wird er beispielsweise als Sprecher von RioGrande-Produktionen und von Eisenbahn-Romantik-Folgen geführt.

Die Professionalisierung setzte sich bei den später hinzugekommenen Mitarbeitern fort. Kameraleute wie Michael Frick und Andreas Stirl sowie Raphael Suder arbeiteten ebenfalls mit professioneller Kameratechnik; Stirl und Suder sind auch in späteren Produktionsnachweisen von Eisenbahn-Romantik als Kameraleute belegt.

RioGrande Video Die JS-Filmproduktion wurde 1992 in Iserlohn gegründet. Unter der Marke RioGrande Video entstand anschließend ein umfangreiches Programm von Eisenbahnfilmen. Einen Schwerpunkt der frühen Produktionen bildete der Dampfbetrieb der Deutschen Reichsbahn beziehungsweise der späteren Deutschen Bahn. Dabei setzte die Produktion auf die bereits bei den EK-Filmen entstandenen Kontakte zu Lokführern und Eisenbahnern.

Die Filme dokumentierten dabei nicht ausschließlich vorhandene Betriebsabläufe. Ein Teil der Aufnahmen entstand im Rahmen gezielt bestellter und organisierter Sonderleistungen. Lokomotiven und Zugfahrten wurden für die Dreharbeiten disponiert und teilweise nach filmischen Vorgaben eingesetzt. Damit verbanden die Produktionen die Dokumentation des Eisenbahnbetriebs mit einer bewussten Inszenierung der Dampflok und ihrer Arbeitswelt.

Dies entsprach auch dem zeitgeschichtlichen Umfeld. Nach der deutschen Wiedervereinigung und während der von der Deutschen Reichsbahn beziehungsweise später der Deutschen Bahn eingeleiteten Rationalisierung und Stilllegung zahlreicher Strecken und Betriebsanlagen boten die verbliebenen Dampflokomotiven und Nebenbahnen die Möglichkeit, eine im Verschwinden begriffene Eisenbahnwelt festzuhalten. Zugleich sollte die besondere Atmosphäre des Dampfbetriebs vermittelt werden. Besonders wirkungsvoll war dabei die Darstellung von Dampflokomotiven auf steigungsreichen Strecken im Mittelgebirge.

Baureihe 44 Ein frühes Beispiel dafür bildet die 44er-Filmreihe, bei der die schweren Güterzuglokomotiven unter anderem auf den steigungsreichen Strecken des Thüringer Waldes in Szene gesetzt wurden. Die Aufnahmen entstanden teilweise bereits im Frühjahr 1990, also unmittelbar nach der politischen Wende. Besonders aufwendig waren die Dreharbeiten im Raum Saalfeld und am Singener Berg. Die spektakulären Aufnahmen zeigen die 44er bei schweren Zügen und unter hoher Belastung und verbinden damit die technische Dokumentation mit der bewusst herausgearbeiteten Faszination des Dampfbetriebs.

Bei diesen Produktionen arbeitete die Filmproduktion eng mit den beteiligten Traditionslokführern zusammen. Karl-Heinz Siebert aus Arnstadt gehörte zu den regelmäßig auftretenden Lokführern und ist insbesondere mit den Filmen über die Baureihe 44 verbunden.

Dresdner Dampflokhochburg Eine andere Form dieser Rückschau bildete Dampflokhochburg Dresden (RioGrande-Videothek Nr. 12). Der Film wurde 1994 als VHS veröffentlicht, obwohl wesentliche Aufnahmen bereits kurz nach der Wende entstanden waren. Zwischen den aufwendigen Dreharbeiten und der späteren Veröffentlichung lagen damit mehrere Jahre der Bearbeitung und Zusammenstellung.