mini|Cesare Sermei: Mutmaßliches Selbstporträt, Detail aus dem Gemälde Der heilige Franziskus segnet Assisi (1616). Pinacoteca Comunale, Assisi Cesare Sermei (* 2. Juni 1581 in Castel della Pieve, dem heutigen Città della Pieve; † 3. Januar 1668 in Assisi) war ein italienischer Maler des Barock. Er war über Jahrzehnte hinweg die zentrale Künstlerpersönlichkeit in Assisi und wirkte darüber hinaus in weiten Teilen Umbriens. Das AKL ordnet Sermei in den Kreis der zahlreichen barocken Maler im Umfeld bekannter römischer Vorbilder wie Baglione und Nebbia ein. Das Jüngste Gericht in der Unterkirche der Basilika San Francesco wurde von der kunsthistorischen Forschung lange Zeit vernachlässigt, rückte jedoch durch die Restaurierung im Jahr 2009 wieder stärker in den Fokus.
Leben Herkunft und Ausbildung mini|Cesare Sermei: Der sterbende heilige Franziskus segnet die Stadt Assisi (1616). Pinacoteca Comunale, Assisi Cesare Sermei wurde als Sohn des aus Orvieto stammenden Malers Ferdinando Sermei und der Gismonda, Tochter eines Töpfers namens di Vico, geboren. Er wurde am 2. Juni 1581 in Castel della Pieve getauft. Der Vater hatte sich spätestens 1578 in Castel della Pieve niedergelassen und ein Haus im Tausch mit seinem Kollegen und Freund Cesare Nebbia bezogen. Laut Lunghi geht die Namenswahl für den zweiten Sohn vermutlich auf eine Ehrung Nebbias zurück; möglicherweise war Nebbia auch Taufpate.
Seine erste künstlerische Ausbildung erhielt Cesare vermutlich beim Vater. Ferdinando Sermei war in den letzten beiden Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts in Orvieto im Auftrag von Cesare Nebbia an den Mosaiken der Domfassade sowie in den Sälen des Palazzo Monaldeschi della Cervara tätig. Darüber hinaus war er an den großen sixtinischen Bauprojekten in Rom beteiligt, darunter die Kapelle Sixtus’ V. in Santa Maria Maggiore und die Ausstattung der Vatikanischen Bibliothek.
Rom, Pavia, erste Jahre in Assisi (1602–1611) Cesare Sermei ist erstmals am 15. Oktober 1602 in Rom dokumentiert, als Zeuge einer Urkunde zwischen Augustinern, wobei er als aus Orvieto stammend bezeichnet wird. Im Frühjahr 1603 erscheint ein Cesare Germei als Mitarbeiter von Cesare Nebbia in Pavia. Er ist dort mit der Ausmalung des Festsaals des Collegio Borromeo beschäftigt, wobei er Szenen aus dem Leben des Kardinals Carlo Borromeo darstellt.
Am 8. Januar 1605 schloss Sermei in Assisi einen Vertrag mit Palmina di Nicolò Confidati über die Ausmalung der Kapelle Johannes des Täufers in der Basilika Santa Maria degli Angeli mit pittura, stucco et oro in Erfüllung des letzten Willens ihres verstorbenen Ehemanns Bernardino Locatelli (gest. 1602). Der vereinbarte Werklohn betrug 1.200 Scudi bei einer Frist von zwei Jahren. Zu diesem Zyklus haben sich 13 Vorzeichnungen in der Biblioteca Comunale di Assisi erhalten. Am 7. September desselben Jahres vereinbarte Sermei mit dem Stuckateur Giovanni Branca da Loreto die Ausführung der Stuckarbeiten. Da die Arbeiten offenbar nur schleppend vorankamen, wurde im November 1610 ein neuer Vertrag mit dem Stuckateur Domenico di Bongiovanni da Gaeta geschlossen. Am 2. März 1608 verpflichtete sich Sermei gegenüber der Bruderschaft Ss. Giacomo e Antonio zur Ausmalung eines Altarbildes mit dem Martyrium der Katharina von Alexandrien für das Oratorium S. Caterina.
Im Unterschied zu anderen auswärtigen Malern, die am Bauprojekt von S. Maria degli Angeli beteiligt waren, blieb Sermei dauerhaft in Assisi. Er heiratete Elisabetta di Bernardino di Camillo, eine Frau aus Assisi. Die Ehe blieb kinderlos. Auch seine Geschwister sowie sein Vater Ferdinando zogen nach Assisi. Letzterer verwaltete die Familiengüter bis zu seinem Tod im April 1635. Erst im Jahr 1611, im Zusammenhang mit seiner Eheschließung, beantragte Sermei das Bürgerrecht von Assisi und wurde am 3. Juli 1611 durch den Consiglio generale der Stadt aufgenommen. Ab dem folgenden Jahr signierte er seine Werke erstmals als assisano, so zum Beispiel die Fresken in der Cappella Vici in San Maria di Montesanto in Todi. mini|Cesare Sermei: Die Heilige Dreifaltigkeit in Herrlichkeit, Fresko, Gewölbe der Cappella di San Giovanni Battista, Basilika Santa Maria degli Angeli, Assisi Als Gegenleistung für das Bürgerrecht war Cesare Sermei zur Stiftung eines Altarbildes verpflichtet. Erst am 2. April 1616 lieferte er das Gemälde Der sterbende heilige Franziskus segnet die Stadt Assisi ab. Das Gemälde befindet sich heute in der Pinacoteca Comunale di Assisi. Die Bildkomposition dieser Tafel spiegelt ihren öffentlichen, städtischen Charakter wider: Dargestellt sind der Gonfaloniere, die Priori der Stadt sowie Sermei selbst, der sich neben seinem eigenen Wappen porträtierte, welches zwischen den Pranken des Löwen – dem Wappentier der Stadt Assisi – gehalten wird. Um die weltlichen Machtträger und Schauplätze in den Vordergrund zu rücken, verdeckte Sermei den franziskanischen Teil des Stadtpanoramas im Hintergrund kompositorisch. Die heute auf der Tafel lesbare Datierung 1626 gilt laut Mercurelli Salari als eine ungeschickte, spätere Überarbeitung mit stärker franziskanischer Ausrichtung der Ikonografie, die vermutlich im Zuge der Feierlichkeiten von 1926 vorgenommen wurde. Das tatsächliche Entstehungsjahr ist jedoch 1616.
Cesare Sermei hinterließ somit zwei dokumentierte Selbstbildnisse: eines auf der bereits erwähnten Tafel Der sterbende, Assisi segnende Franziskus (1616, Pinacoteca Comunale di Assisi) und ein weiteres auf dem Werk Jüngstes Gericht in der Unterkirche von San Francesco (1623), das bei der Restaurierung im Jahr 2009 freigelegt wurde.
Nach dem Tod des Malers Dono Doni im Jahr 1575 war Assisi trotz der durch das Tridentinische Konzil ausgelösten starken Nachfrage nach Bildausstattungen zunächst ohne ansässigen Maler von Rang. Diese Lücke wurde durch auswärtige Künstler geschlossen, bis Cesare Sermei sich dauerhaft niederließ und so eine Art lokale Schule begründete. Sermei arbeitete mit Cesare Giorgetti, Giacomo Giorgetti, Girolamo Martelli und Girolamo Marinelli zusammen, die untereinander durch Verwandtschaft oder Schülerschaft verbunden waren. Über das gesamte 17. Jahrhundert hinweg bestimmten sie die Aufträge in der Stadt nahezu monopolartig. Für seine Verdienste erhielt Sermei am 28. November 1635 durch ein Breve von Papst Urban VIII. den Titel eines Ritters.
Cesare Sermei starb in Assisi und wurde auf dem Friedhof der Pfarrei S. Rufino bestattet.
Werk Assisi, Unterkirche von S. Francesco Im August 1609 hatten die Franziskaner des Sacro Convento zunächst den sienesischen Maler Marcantonio Grecchi mit der Neuausstattung der Kapelle S. Antonio da Padova in der Unterkirche der Basilika San Francesco beauftragt; aus ungeklärten Gründen ging der Auftrag jedoch an Sermei über, der am 5. Dezember 1610 dem Guardian Ignazio Vanzini den Erhalt der Restzahlung quittierte.
1623 malte Cesare Sermei in der Apsiskalotte der Unterkirche, hinter dem Grab des Heiligen, ein großes Jüngstes Gericht – als Ersatz für ein von Giorgio Vasari gerühmtes Fresko Giottos. Bei der 2009 unter Leitung von Sergio Fusetti (gefördert durch die Fondazione Monte dei Paschi di Siena) abgeschlossenen Restaurierung wurde festgestellt, dass Sermei sich selbst in die Komposition integriert hatte; zugleich wurde die ursprüngliche Farbigkeit freigelegt und der zuvor für verloren gehaltene untere Bildbereich wiederhergestellt.
Zwischen 1630 und 1634 führte Cesare Sermei zusammen mit Giacomo Giorgetti die Gloria di Francesco in den Gewölben der unteren Sakristei aus; der Auftrag war ursprünglich von Bischof Marcello Crescenzi dem Pisaner Orazio Riminaldi angeboten worden. Zwischen 1645 und 1647 malte Sermei gemeinsam mit Girolamo Martelli Gewölbe und Wände des Eingangsnartex. Damit erreichte Sermeis Anteil an der Ausstattung der Grabkirche des Heiligen Franziskus in seiner Ausdehnung nahezu den Umfang der Werke Giottos.
Weitere Werke in Assisi Kapelle Johannes des Täufers und Kapelle des Dritten Ordens in S. Maria degli Angeli, letztere gemeinsam mit Giacomo Giorgetti (1630–1640) Um 1660 entstandene späte Tafelbilder für S. Maria degli Angeli: Heimsuchung, Traum Josephs, Ruhe auf der Flucht Chiesa Nuova (errichtet über dem angeblichen Elternhaus des hl. Franziskus): Altarbild und Wandmalereien im Presbyterium mit Darstellungen franziskanischer Märtyrer Marokkos und Flanderns (um 1628); die Ausführung teilte sich Sermei mit Vincenzo Giorgetti (Märtyrer Japans und Ceutas) und dessen Sohn Giacomo Giorgetti (Verdammung der Stammeltern, Geburt Mariens) Kirche S. Antonio di Padova (Terzo Ordine Regolare): Gewölbe des Presbyteriums mit Szenen aus dem Leben des Heiligen (um 1640) Kirche S. Maria di Rivotorto: Zyklus von Tafelbildern mit Szenen aus dem Leben des Franziskus, 1653 Kathedrale S. Rufino: zahlreiche Tafelbilder, heute im angeschlossenen Museum (Museo Diocesano e Cripta di San Rufino) Weitere, nicht im Einzelnen benannte Werke für Bruderschaftsoratorien und mehrere Frauenklöster in Assisi
Literatur Elvio Lunghi: Sermei, Cesare. In: Dizionario Biografico degli Italiani. Bd. 92, Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 2018. Online: Treccani
Elvio Lunghi, Paola Mercurelli Salari: Cesare Sermei. Pittore devoto nell’Umbria del Seicento. Edizioni Orfini Numeister, Foligno 2015. Giovanna Sapori: Una fatica di Cesare Sermei. In: Prospettiva. Nr. 33/36, 1983/84, S. 194–201. Laura Teza: La pittura a Perugia nel primo Seicento: note sul Roncalli e sul Sermei. In: Esercizi. VI, 1983, S. 48–61. Giovanna Sapori (Hrsg.): Raccolte Comunali di Assisi. Disegni. Bd. I. Perugia 2001. Silvestro Nessi: La Basilica di San Francesco in Assisi e la sua documentazione storica. 2. Aufl. Casa Editrice Francescana, Assisi 1994. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 12: Rouco – Sommer. Paris 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online (AKL) / Artists of the World Online. De Gruyter, 2009.
Weblinks
Paola Mercurelli Salari: Sermei Cesare. In: Assisi Mia, 19. September 2020 Key to Umbria: Assisi Sermei Cesare, Trinità in gloria, Battesimo di Cristo, Carnefice presenta a Salome la testa di san Giovanni Battista
Einzelnachweise
Kategorie:Maler (Italien) Kategorie:Maler des Barock Kategorie:Historische Person (Italien) Kategorie:Geboren 1581 Kategorie:Gestorben 1668 Kategorie:Mann