mini|Matteo da Gualdo: Das Letzte Abendmahl, 1471, mittlere Tafel der Predella eines Triptychons aus dem ehemaligen Kloster San Niccolò, Museo Civico Rocca Flea, Gualdo Tadino Matteo da Gualdo, mit vollem Namen Matteo di Pietro di Giovanni di Ser Bernardo (* um 1430/1435 in Gualdo Tadino, Umbrien; † zwischen dem 21. und 29. Januar 1507 ebenda) war ein italienischer Maler und Notar.
Leben Matteo da Gualdo war der Sohn des Notars Pietro. Dieser bestimmte ihn ursprünglich für den juristischen Beruf. Diesen Beruf übte Matteo jedoch nur sporadisch aus. Über seine künstlerische Ausbildung ist nichts überliefert. Urkundlich nachweisbar ist er zwischen dem 29. Mai 1463 (Ehevertrag) und dem 21. Januar 1507 (Testament) in Gualdo Tadino, seinem Geburtsort. Das Testament wurde am 29. Januar 1507 durch seinen Sohn Francesco vollstreckt. Zwei seiner weiteren Söhne, Girolamo da Gualdo und Bernardo da Gualdo, wurden ebenfalls Maler. Die stilistische Nähe des Spätwerks Matteos zur Malweise Girolamos erschwert in einzelnen Fällen die eindeutige Zuordnung von Werken. Matteo da Gualdo war in Umbrien und den Marken tätig, vor allem in Gualdo Tadino und Assisi.
Werk mini|Matteo da Gualdo: Verkündigung an Maria (Annunciazione), Museo Civico Rocca Flea, Gualdo Tadino Da für seine Ausbildung und sein Frühwerk keine Quellen vorliegen, werden ihm Fresken zugeschrieben, die er in den 1450er Jahren in Gualdo Tadino und Umgebung ausgeführt haben soll. Im signierten Fresko einer Anna selbdritt in der Kirche S. Francesco in Gualdo Tadino verbindet sich die feine, grafische Linienführung spätgotischer Tradition mit einer bereits eigenständigen, originellen Malweise. Sein erstes sicher datiertes Werk ist die signierte Tafel Thronende Jungfrau mit Kind und Engeln zwischen Heiligen, die ursprünglich im Kloster S. Margherita in Gualdo Tadino hing und heute im dortigen Museo Civico zu sehen ist. Das Werk wurde um zwei heilige Figuren in Tondos des spätgotischen Triptychons ergänzt. Im Gegensatz zum traditionellen, symmetrischen Bildaufbau fallen unnatürliche Verzerrungen auf, wie die Längung der Hände, ausdrucksvolle, kantige Gesichter, kontrastreiche Farben sowie eine fantasievolle, detailreiche Gestaltung der ornamentalen Partien.
Im Jahr 1468 schuf Matteo die signierten und datierten Fresken an der Altarwand des Oratorio dei Pellegrini in Assisi. Die ausgewogene, in zwei Registern angelegte Komposition ist streng symmetrisch in Zentralperspektive gestaltet. Leuchtende Farben und detailreiche Verzierungen zeigen die Nähe zu Marco Zoppo, Nicolò di Liberatore und Giovanni Boccati. Zwei Rechnungen vom 19. Oktober 1471 belegen eine heute nicht mehr vorhandene Folge von Wappen an der Fassade des Palazzo dei Priori, des Palazzo Nuovo sowie der Porta San Pietro und der Porta Nuova in Assisi. In Gualdo Tadino entstand 1471 das signierte und datierte Triptychon Thronende Madonna mit Kind und Heiligen, 1477 folgte ein Triptychon für S. Maria in Pastina. mini|Matteo da Gualdo: Triptychon von Nasciano, 1480, Tempera auf Pappelholz, 200 × 152 cm, Santa Maria dei Raccomandati, Gualdo Tadino – Im Zentrum Madonna mit Kind und Engeln, seitlich die Heiligen Sebastian und Rochus; darüber Darbringung Jesu im Tempel und Verkündigung. Zu den Werken auf dem Höhepunkt seines Schaffens zählen eine Verkündigung für SS. Annunziata sowie eine Wurzel Jesse für S. Maria dei Raccomandati in Gualdo Tadino. Letztere befindet sich heute im dortigen Museo Civico. Deren komplexe Ikonografie verweist auf nördliche Vorbilder. Die für den Dom von Nocera Umbra geschaffene und sich heute in der dortigen Pinacoteca Comunale befindende ungewöhnliche Darstellung der Begegnung von Joachim und Anna an der Goldenen Pforte sowie der Unbefleckten Empfängnis verbindet zwei Bildthemen. Einerseits greift sie die damals aktuelle Diskussion um die Unbefleckte Empfängnis auf, die von den Franziskanern unterstützt und von Papst Sixtus IV. legitimiert wurde. Andererseits verknüpft sie diese Diskussion mit einer erzählerischen Darstellung aus der Geschichte von Joachim und Anna.
Werke (Auswahl) Assisi, Museo Capitolare, Pinacoteca Comunale, Rocca Minore Assisi, S. Paolo: Madonna mit Kind und Heiligen, Fresko, dat. 10. November 1475 Assisi, S. Pietro: Triptychon Baltimore, Walters Art Museum: Standarte Boston, Museum of Fine Arts, Boston Casa Castalda/Valfabbrica, S. Maria Assunta; Santuario della Madonna dell’Olmo Coldellanoce/Sassoferrato, S. Lorenzo: signiertes Triptychon Gualdo Tadino, Museo Civico: Prozessionstafel, dat. 1486; Triptychon, dat. 1480 (S. Maria dei Raccomandati) Nocera Umbra, S. Francesco; Pinacoteca Comunale Perugia, Galleria Nazionale dell’Umbria; Sammlung der Fondazione Cassa di Risparmio di Perugia Rocca Sant’Angelo/Assisi, S. Maria in Arce Rom, Sammlung Federico Zeri Scirca, S. Maria: Fresken, sign., dat. 1484
Literatur Umberto Gnoli: Pittori e miniatori nell’Umbria. Spoleto, C. Argentieri, 1923. Dizionario enciclopedico Bolaffi dei pittori e degli incisori italiani dall’XI al XX secolo. Bd. VII, Turin, Giulio Bolaffi, 1975. Maria Rita Silvestrelli: Matteo di Pietro da Gualdo. In: La pittura italiana. Il Quattrocento. Bd. II, hrsg. von Federico Zeri, Mailand, Electa, 1987, S. 707. Luca Bortolotti: Matteo da Gualdo. In: Dizionario Biografico degli Italiani. Bd. LXXII, Rom, Istituto della Enciclopedia Italiana, 2008. Pietro Scarpellini: Un paliotto di Matteo da Gualdo. In: Paragone. XXVII, 1976, Nr. 313, S. 54–61. Filippo Todini: La pittura umbra dal Duecento al primo Cinquecento. 2 Bde., Mailand, Longanesi, 1989. Francesco Federico Mancini (Hrsg.): Pinacoteca Comunale di Nocera Umbra. Città di Castello, 1996. Sara Giuliani Spurny: Matteo da Gualdo. Ellera Umbra, Era Nuova, 1999. Andrea De Marchi, Maria Giannatiempo López (Hrsg.): Il Quattrocento a Camerino. Luce e prospettiva nel cuore della Marca. Mailand, 2002. Andrea De Marchi, Pier Luigi Falaschi (Hrsg.): I Da Varano e le arti. 2 Bde., Ripatransone, 2003. Eleonora Bairati, Patrizia Dragoni (Hrsg.): Matteo da Gualdo. Rinascimento eccentrico tra Umbria e Marche. Ausstellungskatalog, Gualdo Tadino, Museo Civico Rocca Flea, 21. März–27. Juni 2004, Mailand, Mondadori Electa, 2004. Giampiero Donnini: Appunti d’arte tra Marche e Umbria. Fermignano (Pesaro e Urbino), Centro Studi G. Mazzini, 2005. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 6: Gémignani – Herring. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online (AKL) / Artists of the World Online. De Gruyter, 2009.
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Einzelnachweise
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