Franz Josef Schicht (* 8. September 1911 in Fiume (Königreich Ungarn); † 11. Mai 1970 in Mödling (Niederösterreich)) war ein österreichischer Schriftsteller und Verlagslektor.
Leben Schicht besuchte die Volksschule in Braunau/Inn und das Realgymnasium in Mödling und studierte sodann Germanistik an der Universität Wien, wo er 1940 bei Josef Nadler mit der Dissertation Der Aufbau in Rainer Maria Rilkes Gedichtbüchern promovierte. Schicht war Mitglied des deutschnationalen Akademischen Vereins der Germanisten in Wien.Vgl. Baur, Uwe/Gradwohl-Schlacher, Karin: Literatur in Österreich 1938–1945. Zensur und Förderung – Literarische Vereine – Anthologien. Bd. 5: Literarisches System in Österreich 1933/1938–1945. Wien etc.: Böhlau 2021, S. 124. 1928 erschien sein erster Gedichtband Präludium. In den 1930er-Jahren wurden zahlreiche seiner Gedichte in Zeitungen, vorwiegend im Neuen Wiener Tagblatt abgedruckt. Schicht arbeitete zeitweise als Verlagslektor und gehörte zum Gründungskomitee der 1934 ins Leben gerufenen Literarischen Gesellschaft Mödling, als deren Leiter er für deren Ausrichtung mitverantwortlich zeichnete. Der Verein konnte auch nach 1938 operierenVgl. Baur/Gradwohl-Schlacher, Böhlau 2021, S. 200. und zahlreiche Lesungen regimetreuer Autoren verzeichnen, darunter Maria Grengg, Karl Pschorn, Josef Weinheber und zahlreiche andere.
Schicht war laut eigenen Angaben bereits ab 1932 Mitglied der NSDAP und von 1933 bis 1934 Mitglied der SA.Vgl. Bundesarchiv, BArch R 9361-V/10683. Wie aus seinem Reichsschrifttumskammer-Akt hervorgeht, erfuhr Schicht erst im Jahr 1934 von seiner jüdischen Abstammung mütterlicherseits, die ihm eine Parteimitgliedschaft und die Mitgliedschaft bei anderen (nationalsozialistischen) Verbänden als sogenannter ‚Mischling ersten Grades‘ fortan verunmöglichte. 1938 bemühte er sich trotzdem um die Aufnahme in die Reichsschrifttumskammer, wofür er auf namhafte Unterstützung zahlreicher Proponenten des NS-Systems zählen konnte, die sich für ihn einsetzten und sein Engagement in nationalsozialistischen Angelegenheiten bekräftigten. Nach jahrelanger Verschleppung erfolgte im Juni 1944 schließlich die endgültige Ablehnung des Aufnahmegesuchs Schichts bzw. einer Sondergenehmigung, was ein Berufsverbot als Schriftsteller bedeutete. Es lässt sich indes nachzeichnen, dass Schicht in jener Zeitspanne des ausständigen endgültigen Bescheids durchaus Publikationsmöglichkeiten finden konnte.Vgl. etwa Schicht, Franz Josef: Erinnern. In: Völkischer Beobachter 07.10.1943, S. 3. Des Weiteren zeigt sich – nicht zuletzt in den ‚Empfehlungs- bzw. Entlastungsschreiben‘ – seine Bekanntschaft und Vernetzung mit NS-nahen Autoren sowie mit namhaften Fürsprechern des politischen Systems.Vgl. etwa die Empfehlungsschreiben des SA-Truppführers Berthold Costa vom 08.07.1938, BArch R 9361-V/10683, oder Franz Karl Ginzkeys vom 06.09.1938, ebd.
Ab 1949 erschienen weiterhin vereinzelte literarische Abdrucke in Zeitungen, v. a. in der Weltpresse. Für Radio Wien gestaltete Franz Josef Schicht immer wieder Sendungen. 1966 erschien sein Gedichtband Trauer um nichts im Wiener Bergland Verlag. Bis 1950 hatte Schicht die Leitung der Literarischen Gesellschaft Mödling inne, bevor er diese an seine Frau Elisabeth Schicht, die als Lektorin der ARGE Schrifttum des Nö. Bildungs- und Heimatwerks tätig war, übergab. In dieser Funktion konzipierte Franz Josef Schicht zahlreiche Lesungen und sprach begleitende Einführungsworte, u. a. zu den Autorenkollegen Wilhelm Franke, Hans Lebert, Rudolf Henz und Werner Riemerschmid.Vgl. Schicht, Elisabeth/Sprongl, Norbert: Wer im Werk den Lohn gefunden. Niederösterreichische Dichter und Komponisten der Gegenwart. St. Pölten: Niederösterreichisches Pressehaus 1976.
1967 wurde Schicht mit dem Anerkennungspreis der Landeskulturpreise Niederösterreich ausgezeichnet.
Einzelnachweise
Kategorie:Autor Kategorie:Literatur (Österreich) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Person (Hörfunk) Kategorie:Person (Cisleithanien) Kategorie:Absolvent der Universität Wien Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1911 Kategorie:Gestorben 1970 Kategorie:Mann