Die Bahnstrecke Mesdra–Widin ist eine 181,3 Kilometer lange normalspurige bulgarische Bahnstrecke zwischen der Kleinstadt Mesdra und Widin an der Donau und Grenze zu Rumänien. Die Strecke ist heute durchgehend mit 25 kV / 50 Hz Wechselspannung elektrifiziert und im Abschnitt Mesdra–Wraza auf rund 18 Streckenkilometern zweigleisig, die Strecke ist also weit überwiegend eingleisig. Mesdra–Widin wird von der Bulgarischen Eisenbahninfrastrukturgesellschaft als Hauptbahnstrecke 7 () geführt und ist die drittkürzeste aller neun Hauptbahnen.
Am Bahnhof Mesdra besteht Anschluss an die Hauptstrecke 2 von der Hauptstadt Sofia in die Hafenstadt Warna am Schwarzen Meer. Am Bahnhof Bojtschinowzi schließt die Zweigstrecke 71 nach Berkowiza an, in Brussarzi die Zweigstrecke 72 nach Lom an der Donau und an der weiterführenden Strecke zur Donaubrücke 2 die Zweigstrecke 73 nach Koschawa.
Geschichte Bereits zwischen 1895 und 1900 wurden Studien zu einer Eisenbahnverbindung zwischen den Städten Widin und Lom sowie Sofia durchgeführt. Ursprünglich war eine Bahnverbindung zwischen dem Bahnhof Mesdra und Lom geplant, die von dort entlang der Donau nach Widin führen sollte. Im Jahr 1904 wurde eine Strecke entlang des Ogostatals untersucht und 1905 folgte eine weitere Studie, die eine Route über Brussarzi vorsah. Man entschied sich für die 181 Kilometer lange Route Mesdra–Brussarzi–Widin mit den Abzweigungen Bojtschinowzi–Berkowiza über 37,6 Kilometer sowie Brussarzi–Lom über 24,4 Kilometer. Am 28. Mai 1908 wurde die Bauausführung der Bahnstrecke mit den genannten Abzweigungen ausgeschrieben und der Auftrag an die Handelsbank „Kiril Kirtschew & Co.“ (Кирил Кирчев и С-ие) aus Sofia vergeben. Die Baukosten wurden mit 22.725.000 Goldlewa veranschlagt. Anschließend übertrug die Bank das Bauvorhaben an die eigens zu diesem Zweck gegründete Aktiengesellschaft „Hauptunternehmen für den Bau der Eisenbahnlinie Mesdra–Widin“ (Главно предприятие за построяване на железопътна линия Мездра – Видин).
Die vertragliche Bauzeit für die Bahnstrecke betrug drei Jahre, die Fertigstellung war für den 28. Juli 1911 geplant. Da die vereinbarte Übergabefrist nicht eingehalten wurde, verlängerte die Regierung sie um weitere zwei Jahre. Am 17. September 1912 wurde im Zusammenhang mit dem Beginn der Balkankriege die Generalmobilmachung ausgerufen, woraufhin der Bau der Bahnstrecke eingestellt wurde. Der Bau des Abschnitts Mesdra–Brussarzi und Zweigstrecke nach Lom waren zu dem Zeitpunkt hingegen weitgehend abgeschlossen. Die Militärbehörden übernahmen den Weiterbau dieses Abschnitts und stellten ihn mithilfe von Pioniertruppen fertig. Die Strecke Mesdra–Lom wurde am 18. September 1913 in Betrieb genommen.
Am 14. September 1913 beantragte das „Hauptunternehmen für den Bau der Eisenbahnlinie Mesdra–Widin“ die Aufhebung des Vertrages und die Liquidation des Unternehmens. Die Regierung lehnte diesen Antrag ab und begann auf eigene Kosten mit dem Bau des Abschnitts Brussarzi–Widin sowie der Zweigstrecke nach Berkoviza. Letztere wurde am 17. Mai 1916 in den regulären Betrieb genommen und hat eine Länge von 37,6 Kilometern. Sie wurde mit einem minimalen Radius von 300 Metern und einer maximalen Steigung von 22 ‰ gebaut. Aufgrund die Kriege von 1912 bis 1918 verzögerte sich der Bau der Bahnstrecke nach Widin immer weiter und sie wurde erst am 1. Juli 1923 regulär in Betrieb genommen.
Die technischen Parameter der Hauptstrecke weisen einen minimalen Kurvenradius von 250 Metern und eine maximale Steigung von 25 ‰ auf.
1942 wurden die Fährverbindung Widin–Calafat und der Abzweig zum inzwischen stillgelegten Fährbahnhof Widin eröffnet. Die Fähre selbst wurde 2013 im Zuge der Eröffnung der Neuen Europabrücke über die Donau endgültig stillgelegt.
Im Zuge des Baues des Ogosta-Stausees oberhalb von Montana wurde die Zweigstrecke 71 nach Berkowiza im Jahr 1969 zwischen Montana und Borowzi auf eine neue, 11,2 Kilometer lange Trasse entlang der Republikstraße II-86 verlegt. Damit wurde die Zweigstrecke gut zwei Kilometer länger.
Modernisierung Von 1953 bis 1964 wurde der Oberbau der Bahnstrecke erstmals in Bulgarien mechanisiert erneuert und dabei mit Schienen des Typs „P 49“ mit einer Länge von 24 und 25 Metern versehen.
1983 wurde der erste Streckenabschnitt von Mesdra nach Lom elektrifiziert, 1988 die weitere Hauptstrecke 7 von Brussarzi nach Widin sowie die Zweigstrecke 71.
2012 wurde der Bahnhof Widin im Rahmen des Projekts „Donaubrücke Widin–Calafat – angrenzende Bahninfrastruktur“ (Дунав мост Видин – Калафат – прилежаща железопътна инфраструктура) grundlegend umgebaut und modernisiert. Auf Anordnung des Generaldirektors des Staatsunternehmens NRIC (НКЖИ) vom 5. November 2012 wurde der Bahnhof in „Personenbahnhof Vidin“ (Видин товарна) umbenannt. Am selben Tag wurden der Güterbahnhof Widin (Видин пътническа) in Kapitanovzi (Капитановци) eröffnet. Im darauffolgenden Jahr wurden die Donaubrücke „Neues Europa“ (Нова Европа) und die dazugehörige Bahnstrecke in Betrieb genommen. Sie ist eingleisig, elektrifiziert und für eine Höchstgeschwindigkeit von 160 Kilometer pro Stunde ausgelegt. Ihre Länge beträgt inklusive der Anschlussstrecke auf rumänischer Seite knapp 10 Kilometer, davon verlaufen fast 2,5 Kilometer auf der Brücke in Mittellage zwischen den beiden Richtungsfahrbahnen der Europastraße 79.
Bildergalerie
Literatur Начо Симеонов (Natscho Simeonow): Железопътният транспорт в България – 1866 – 1983 година (Eisenbahnwesen in Bulgarien – 1866–1983). Държавно издателство „Техника“ (Staatsverlag „Technika“), Sofia 1987 Димитър Деянов (Dimitar Dejanow): Железопътната мрежа в България – 1866 – 1975 година (Eisenbahnnetz in Bulgarien – 1866–1975). ВТУ „Т. Каблешков“ (Staatliche Technische Universität „T. Kableschkow“), Sofia 2005
Einzelnachweise
Kategorie:Bahnstrecke in Bulgarien Kategorie:Verkehr (Oblast Wraza) Kategorie:Verkehr (Oblast Montana) Kategorie:Verkehr (Oblast Widin)