Johann Gottfried Borgehl (* 18. Januar 1672 in Lübeck; † 12. April 1720 ebenda) war ein deutscher Mediziner und Stadtphysikus von Lübeck.

Leben Johann Gottfried Borgehl war ein Sohn des Lübecker Arztes Johannes Borgehl (1640–1681)Zu ihm siehe Johann Henrich von Seelen: Athenae Lubencenses. Band 3, Lübeck 1721, S. 193f und dessen Frau Anna Elisabeth, geb. Acidalius († 1681), einer Tochter von Gottfried Acidalius. Er besuchte das Katharineum zu Lübeck, das er 1692 mit einer lateinischen Rede abschloss.Lebensstationen im Wesentlichen nach Ioannes Godofredus Borgehlius, in: Johann Henrich von Seelen: Athenae Lubencenses. Band 3, Lübeck 1721 (Digitalisat), S. 194–197 Am 22. April 1692 immatrikulierte er sich an der Universität JenaDie Matrikel der Universität Jena: 1652-1723., S. 73 und studierte zunächst Philosophie, wandte sich dann aber der Medizin zu. 1694 war er Respondent einer Dispuation unter Vorsitz von Georg Wolfgang Wedel.Digitalisat der Ankündigung Im November 1695 kehrte er nach einer Reise durch deutsche Städte kurzzeitig nach Lübeck zurück. Im folgenden Jahr war er kurz an der Universität Kiel und ging dann an die Universität Leiden. Hier erfolgte am 1. Oktober 1696 mit einer Disputation De Sterilitate seine Promotion zum Dr. med. Anschließend reiste er durch Belgien und die Niederlande, dann über Venedig und Padua 1697 nach Italien. In Rom besuchte er die Vatikanische Bibliothek und erlebte päpstlichen Pomp (pompam Pontificam); von Neapel aus erkundete er den Vesuv. Über Wien reiste er heim.

1698 begann er seine Praxis in Lübeck. Aus dem Jahr 1700 ist ein lateinisches Glückwunschgedicht von ihm zu einer juristischen Disputation an der Universität Erfurt überliefert.Johann Ernst Günther: Dubia Juridica. Erfurt 1700, S. 21; Johann Ernst Günther aus Schönheide/Erzgebirge hatte ab 1694 an der Universität Wittenberg studiert. (Eintrag auf FactGrid)

Borgehl erwarb sich in seiner Lübecker Praxis großes Ansehen, das den Rat dazu bewog, ihn 1718 als Nachfolger des verstorbenen Johann Jacob Stolterfoht zum Stadtphysikus zu ernennen. Damit hatte er die Aufsicht über das gesamte Gesundheitswesen der Freien Reichsstadt. Er starb jedoch schon 1720, im Alter von 49 Jahren. Bei seiner Beerdigung am 23. April 1720 hielt ihm Johann Henrich von Seelen die Gedächtnisrede.

Johann Gottfried Borgehl war in kinderloser EheJohann Moller: Cimbria Literata …, S. 59 nicht ohne Ironie in coniugo sterili verheirat mit Elsabe Maria, geb. Tiedemann.

Stammbücher Von Johann Gottfried Borgehl hat sich ein umfangreiches studentisches Stammbuch/Freundschaftsalbum sowie ein Fragment (eines zweiten?) erhalten.

Das Stammbuch enthält 310 Seiten mit Einträgen aus den Jahren 1692 bis 1697 aus Jena, Wittenberg, Leipzig, Lübeck, Kiel, Leiden, Utrecht, Nürnberg und Padua. Es befindet sich in Privatbesitz, ist aber in der Datenbank Repertorium Alborum Amicorum vollständig ausgewertet.Liste der Einträge im Repertorium Alborum Amicorum, abgerufen am 24. August 2026

Das Fragment besteht aus 57 Einträgen der Jahre 1695 bis 1698 sowie einem Titelblatt mit Wappen. Die Blätter haben sich als Teil der Autographensammlung erhalten, die von Zacharias Conrad von Uffenbach (1683–1734) angelegt, von den Brüdern Johann Christoph Wolf (1683–1739) und Johann Christian Wolf (1689–1770) fortgeführt wurde und sich seit 1767 im Besitz der Hamburgischen Stadtbibliothek und heute der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg befindet.Einzelblätter in Cod. in Scrin. 69, Titelblatt mit Wappen separat Cod. in scrin. 222a Tilo Brandis: Die Codices in scrinio der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg 1–100 (= Katalog der Handschriften der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, Bd. 7). Hauswedell, Hamburg 1972, ISBN 3-7762-0097-9 (Digitalisat), S. 201Eintrag im Repertorium Alborum Amicorum, abgerufen am 24. August 2026

Werke Dissertatio medica inauguralis de sterilitate. Elzevier, Leiden 1696

Literatur Ioannes Godofredus Borgehlius, in: Johann Henrich von Seelen: Athenae Lubencenses. Band 3, Lübeck 1721 (Digitalisat), S. 194–197 Borgehlius (Io. Godfr.), in: Johann Heinrich Zedler: Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste., Band 4, Halle/Leipzig 1733, Sp. 732 Verzeichnis von Lübeckischen Ärzten der Vorzeit, in Neue Lübeckische Blätter 8 (1842), S. 348

Weblinks

Eintrag im Repertorium Alborum Amicorum

Einzelnachweise

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