mini|James May Ford, Portrait of a Boy with Gold-Mining Toys, kolorierte Daguerreotypie, Halbplatte, um 1854 (heute J. Paul Getty Museum) James May Ford (* 1. Februar 1827 in Rowe, Massachusetts; † 21. Februar 1879 in Rosewood, Florida) war ein amerikanischer Daguerreotypist, Ambrotypist, Fotograf und Händler für fotografischen Bedarf. Laut den Fotohistorikern Peter E. Palmquist und Thomas R. Kailbourn gehörte Ford zu den führenden frühen Fotografen Kaliforniens.Palmquist / Kailbourn, Pioneer Photographers of the Far West, S. 242.

Leben und Werk Frühe Jahre James May Ford wurde 1827 als viertes Kind von James Ford und Elizabeth Wells Ford in Rowe, einer kleinen, rund 200 Kilometer westlich von Boston gelegenen Siedlung in Massachusetts geboren. Sein jüngerer Bruder Franklin (1832–1897) ist als langjähriger Fotograf in Ravenna, Ohio, nachgewiesen.Palmquist / Kailbourn, Pioneer Photographers of the Far West, S. 242.

Erste Jahre in Sacramento und San Francisco Anfang Oktober 1849 erreichte Ford auf dem Segelschiff Selma von New York kommend die Golden Gate. Laut Palmquist und Kailbourn liegen Fords erste Jahre in Kalifornien im Dunkeln.„Ford’s first several years in California are obscure“, Palmquist / Kailbourn, Pioneer Photographers of the Far West, S. 242. In Sacramento ist er Ende Mai 1852 als Partner von Ashburn Wheeler in der New York Daguerrean Gallery in der Fourth Street nachgewiesen. Laut Palmquist und Kailbourn deutet der Name des Fotostudios darauf hin, dass zumindest einer der Partner das Handwerk des Fotografen in New York gelernt haben musste.Palmquist / Kailbourn, Pioneer Photographers of the Far West, S. 242. Im großen Feuer vom 2. November 1852 brannte Wheelers und Fords Studio ab, woraufhin Ford nach San Francisco übersiedelte. Dort eröffnete er am 25. Dezember 1852 ein eigenes Fotostudio in der 202 und 203 Clay Street.Palmquist / Kailbourn, Pioneer Photographers of the Far West, S. 242.

Im März 1854 eröffnete Ford in Sacramento in der 66 J Street ein zweites Fotostudio. Sowohl dort als auch in San Francisco bot er neben Porträts auch Außenaufnahmen an, darunter Panoramen von Sacramento. In seinem Studio in San Francisco stellte er Porträts prominenter Persönlichkeiten aus, darunter des Bürgermeisters Cornelius K. Garrison (1809–1885), der Gouverneure John Bigler (1805–1871) und Henry S. Foote (1804–1880) sowie des Generals John E. Wool (1784–1869).Palmquist / Kailbourn, Pioneer Photographers of the Far West, S. 242.

mini|Montgomery Street northward from California Street, June 1854, Illustration von James Duthie auf der Grundlage einer Daguerreotypie von Ford für das 1855 erschienene Buch Annals of San Francisco Im September 1854 verlegte Ford sein Studio in San Francisco an die Ecke Clay und Kearny Street, wo ihm nach eigener Aussage ein besonders großes Oberlicht zur Verfügung stand, das für die bessere Ausleuchtung von Porträts benötigt wurde. Noch im selben Jahr übernahm der Daguerreotypist George W. Watson das Studio in Sacramento. Um den 11. November übertrug Ford den Betrieb seines Studios in San Francisco an seinen Schwager Henry A. Kendrick. Palmquist und Kailbourn vermuten, dass gesundheitliche oder finanzielle Schwierigkeiten Ford zu diesem Schritt veranlasst haben könnten.„It is likely that Ford suffered ill health or financial setbacks that forced him to relinquish his business interests.“, Palmquist / Kailbourn, Pioneer Photographers of the Far West, S. 242. Das Studio behielt jedoch den Namen Ford’s Daguerrean Gallery und Kendrick bemühte sich darum, darauf hinzuweisen, dass Ford dort auch weiterhin als Fotograf arbeite.Palmquist / Kailbourn, Pioneer Photographers of the Far West, S. 242.

Die Annals of San Francisco aus dem Jahr 1855 enthalten zwei Illustrationen, die auf der Grundlage von Fords Daguerreotypien angefertigt wurden. Dabei handelt es sich um das Titelblatt Montgomery Street northward from California Street, June 1854 und ein Porträt der irisch-amerikanischen Schauspielerin und Dramatikerin Matilda Heron (1830–1877).Palmquist / Kailbourn, Pioneer Photographers of the Far West, S. 242.

Neubeginn in San José und San Francisco mini|Werbeanzeige für Fords Studio in der Zeitung Alta California vom 21. Dezember 1856 Ab August 1855 ist Ford als Inhaber eines Fotostudios in San José nachgewiesen. In Zeitungsanzeigen gab er stereoskopische Porträts und Landschaftsaufnahmen als seine Spezialitäten an. Schon einen Monat später annoncierte er allerdings, dass er sein Studio in San José wegen der großen Auftragslage in San Francisco schließen müsse. Zurück in San Francisco, versprach er seinen Kunden in San Francisco im Oktober 1855, seine „wiederhergestellte Gesundheit“ würde es ihm nun ermöglichen, „bessere und günstigere Bilder“ als seine Konkurrenten herzustellen.Palmquist / Kailbourn, Pioneer Photographers of the Far West, S. 242–243.

Am 30. Dezember 1855 bot Ford erstmals Ambrotypien an, eine neue Form der Fotografie auf Glas, und behauptete, hierfür ein eigenes Verfahren zur Herstellung und Versiegelung der Bilder entwickelt zu haben. Anfang 1856 trat Jacob Shew als Ambrotypist in Fords Studio ein.Palmquist / Kailbourn, Pioneer Photographers of the Far West, S. 243.

Im März 1856 eröffnete Ford erneut ein Studio in San José und übertrug dessen Betrieb dem damals noch wenig bekannten Fotografen Carleton Watkins. Wie zuvor in San Francisco warb Ford dort besonders für Ambrotypien und hob deren kurze Belichtungszeiten hervor, die sich nach seiner Darstellung insbesondere für Kinderporträts und natürliche Gesichtsausdrücke eigneten. In seinen Anzeigen griff er zugleich konkurrierende Fotografen scharf an und bezeichnete deren Arbeiten als „miserable Machwerke“.„The following month Ford’s advertising took aim at his competitors, whose “miserable daubs” could not compare with his “unequalled” productions, which now included plain and colored photographs.“, Palmquist / Kailbourn, Pioneer Photographers of the Far West, S. 243. Im April 1856 trat Ford Vorwürfen entgegen, sein Ambrotypieverfahren verletze das Patent von James Ambrose Cutting (1814–1867), und erklärte, sein eigenes Verfahren zur Versiegelung der Glasplatten mache Cuttings Ansprüche gegenstandslos.Palmquist / Kailbourn, Pioneer Photographers of the Far West, S. 243.

Erneuter Verkauf der Studios und Rückkehr an die Ostküste Um den 29. November 1856 übernahm James Atkins Clayton Fords Studio in San José. Für März 1857 ist Ford als Verkäufer von „Ambrotypie- und Fotomaterialien jeder Art und von bester Qualität … zu den niedrigstmöglichen Preisen“ belegt.„Ambrotype and Photographic Materials of Every Description and of the Best Quality … at the Lowest Possible Rates.“, hier zitiert nach Palmquist / Kailbourn, Pioneer Photographers of the Far West, S. 243. Im gleichen Monat verkaufte er sein Studio in San Francisco an Samuel P. Howes, wobei er noch bis mindestens zum 4. Juli 1857 für Howes arbeitete. Nach seiner Heirat mit Mary Jane Ford zogen die Eheleute zurück in Fords Geburtsort Rowe in Massachusetts, wo Ford Landwirtschaft betrieb.Palmquist / Kailbourn, Pioneer Photographers of the Far West, S. 243.

Zwischenzeitlicher Neuanfang in San Francisco und letzte Jahre Im Juni 1861 kehrte Ford kurzzeitig nach San Francisco zurück, wo er gemeinsam mit Carleton Watkins als angestellter Fotograf in einem Studio in der 425 Montgomery Street arbeitete. Ein Jahr später arbeitete er für Silas Selleck in dessen Studio in der 413½ und 415 Montgomery Street.Palmquist / Kailbourn, Pioneer Photographers of the Far West, S. 243–244.

Zwischen 1863 und 1866 ist Ford als Stadtschreiber von Rowe nachgewiesen. Danach scheint er die Fotografie endgültig aufgegeben zu haben. Bei der Volkszählung von 1870 wurde er als Farmer geführt. 1875 und 1876 lebte er mit seiner Frau in Amherst, bevor das Ehepaar nach Rosewood in Florida übersiedelte. Dort setzte Ford am 6. Juni 1877 sein Testament auf, in dem er sein gesamtes Vermögen seiner Frau vermachte. Er starb am 21. Februar 1879 im Alter von 52 Jahren. Das Testament wurde am 24. März 1879 eröffnet.Palmquist / Kailbourn, Pioneer Photographers of the Far West, S. 244.

Verbleib der Werke mini|Porträt eines Mannes mit einem Mädchen, Daguerreotypie, um 1850 (heute San Francisco Museum of Modern Art) Laut dem Standardwerk Pioneer Photographers of the Far West befindet sich in der Bancroft Library der University of California, Berkeley eine um 1853 entstandene stereoskopische Daguerreotypie im Viertelplattenformat mit einem Porträt von George Hobe, einem aus Deutschland eingewanderten Geschäftsmann und frühen Bewohner San Franciscos. Das J. Paul Getty Museum besitzt mit Portrait of a Boy with Gold-Mining Toys eine Daguerreotypie im Halbplattenformat (oberste Abbildung). Eine weitere Daguerreotypie im Halbplattenformat mit der Aufschrift „Grave of Robert Barnard, Died 1856“ befindet sich in der Sammlung der New-York Historical Society. Vier seltene Salzdrucke, die Ford 1857 in San José aufnahm, werden im San Jose Historical Museum aufbewahrt.Palmquist / Kailbourn, Pioneer Photographers of the Far West, S. 244.

In der von Palmquist aufgebauten und seit 2002 in der Beinecke Rare Book and Manuscript Library der Yale University verwahrten Sammlung befinden sich zwei Reproduktionsfotografien von Fords Studio in San Francisco sowie drei von Ford angefertigte Daguerreotypien, darunter zwei im Sechstelplattenformat und ein Viertelplattenporträt von Matilda Heron.Palmquist / Kailbourn, Pioneer Photographers of the Far West, S. 244.

Eine von Palmquist und Kailbourn nicht erwähnte Daguerreotypie befindet sich in der Sammlung des San Francisco Museum of Modern Art (siehe nebenstehende Abbildung).

Literatur „Ford, James May“, in: Peter E. Palmquist / Thomas R. Kailbourn, Pioneer Photographers of the Far West: a Biographical Dictionary, 1840–1865, Stanford 2000, ISBN 0-8047-3883-1, S. 242–244.

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Anmerkungen

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