Peter George Ingle Stovin (* 3. Dezember 1925 in Westcliff-on-Sea, Essex; † 16. Juni 2014) war ein britischer Arzt und Pathologe. Zusammen mit John Patterson Hughes beschrieb er 1959 erstmals das Krankheitsbild, das später als Hughes-Stovin-Syndrom bezeichnet wurde.

Leben und Ausbildung

Peter George Ingle Stovin wurde am 3. Dezember 1925 in Westcliff-on-Sea in Essex geboren. Er besuchte das Epsom College von 1939 bis 1944. Er war der Sohn des Arztes George Horace Tetley Stovin und Bruder des später ebenfalls als Arzt tätigen Hugh John Cornelius Stovin.

1944 begann Stovin am Jesus College der University of Cambridge ein Studium der Naturwissenschaften. Ein Jahr später folgte ihm sein Bruder Hugh Stovin an das College. Stovin schloss sein Studium 1947 mit dem Bachelor of Arts ab. Anschließend absolvierte er sein Medizinstudium und erwarb 1950 den Abschluss MB BChir. 1952 erhielt er den akademischen Grad Master of Arts.

Nach Angaben des Epsom College führte er die akademischen und beruflichen Bezeichnungen M.A., M.B., B.Ch. (Cantab.), M.R.C.P. (Lond.) und F.R.C.Path.

Medizinische Tätigkeit

In den 1950er und frühen 1960er Jahren arbeitete Stovin am The London Hospital in London. Dort beschäftigte er sich gemeinsam mit John Patterson Hughes mit einem ungewöhnlichen Krankheitsbild, bei dem venöse Thrombosen mit Aneurysmen der Lungenarterie verbunden waren.

1959 veröffentlichten Hughes und Stovin ihre gemeinsame Arbeit Segmental pulmonary artery aneurysms with peripheral venous thrombosis im British Journal of Diseases of the Chest. Die Autoren beschrieben darin zwei eigene Fälle, bei denen Lungenarterienaneurysmen und periphere Venenthrombosen gemeinsam auftraten, und diskutierten weitere bereits veröffentlichte Fälle.

Später war Stovin als Pathologe am Papworth Hospital bei Cambridge tätig. Dort arbeitete er insbesondere auf dem Gebiet der Herz- und Lungenpathologie. Nach Angaben des Jesus College war er als Consultant Pathologist tätig und an der Entwicklung eines internationalen Standards für die Beurteilung von Herz- und Lungenbiopsien beteiligt.

Auch in wissenschaftlichen Publikationen aus seiner Zeit am Papworth Hospital ist seine Tätigkeit als Pathologe dokumentiert. 1986 veröffentlichte er gemeinsam mit Stephen R. Large, John M. Shneerson und John Wallwork eine retrospektive Untersuchung zur chirurgischen Pathologie des Thymus über einen Zeitraum von 20 Jahren. Die Studie wertete 55 am Papworth Hospital operierte Patienten mit Thymuserkrankungen aus.

In dieser Untersuchung wurde die Pathologie der Thymuspräparate über den gesamten Untersuchungszeitraum von Stovin beurteilt. Die Arbeit behandelte unter anderem Thymome, Hodgkin-Lymphome, Keimzelltumoren, sekundäre Karzinome und verschiedene Formen von Thymuscysten und -hyperplasien.

Hughes-Stovin-Syndrom

Die größte wissenschaftliche Bekanntheit erlangte Stovin durch seine gemeinsame Arbeit mit John Patterson Hughes. In ihrer 1959 veröffentlichten Arbeit beschrieben sie zwei Patienten mit einer Kombination aus segmentalen Aneurysmen der Lungenarterien und peripheren Venenthrombosen. Die Autoren beschrieben außerdem den klinischen Verlauf und die pathologischen Befunde und diskutierten mögliche Ursachen der Lungenarterienaneurysmen.

Das später als Hughes-Stovin-Syndrom bezeichnete Krankheitsbild ist durch das gemeinsame Auftreten von venösen Thrombosen und Aneurysmen der Lungen- oder Bronchialarterien gekennzeichnet. Das Syndrom ist außerordentlich selten.

Neuere Untersuchungen sehen eine enge Beziehung zwischen dem Hughes-Stovin-Syndrom und der vaskulären Form des Morbus Behçet. Die genaue Ursache des Hughes-Stovin-Syndroms ist jedoch weiterhin nicht abschließend geklärt.

Eine Analyse der HSS International Study Group aus dem Jahr 2021 untersuchte 57 in der englischsprachigen medizinischen Literatur dokumentierte Fälle und bestätigte die extreme Seltenheit des Krankheitsbildes.

Die pathologischen Untersuchungen der ursprünglichen Fälle von Hughes und Stovin zeigten unter anderem entzündliche Veränderungen und eine Zerstörung von elastischen und muskulären Strukturen der Wände der betroffenen Lungenarterien. Die beiden von Hughes und Stovin beschriebenen Patienten starben an massiver Hämoptyse infolge einer Ruptur der Lungenarterienaneurysmen.

Die historische Bedeutung von Stovins Beitrag liegt daher vor allem darin, dass die von ihm gemeinsam mit Hughes beschriebene Kombination von Gefäßthrombosen und Lungenarterienaneurysmen später als eigenständiges klinisches Syndrom erkannt und nach beiden Ärzten benannt wurde.

Familie

Stovin heiratete 1951 Sybille Elsbeth Baer. Das Paar hatte zwei Söhne und eine Tochter. Nach dem Nachruf des Jesus College setzte sich die medizinische Familientradition, die bereits mehrere Generationen zurückreichte, auch in der folgenden Generation fort.

Tod

Peter George Ingle Stovin starb am 16. Juni 2014 im Alter von 88 Jahren.

Veröffentlichungen (Auswahl)

John P. Hughes, Peter G. I. Stovin: Segmental pulmonary artery aneurysms with peripheral venous thrombosis. In: British Journal of Diseases of the Chest. Band 53, Nr. 1, 1959, S. 19–27. doi:10.1016/S0007-0971(59)80106-6. PubMed Volltext Stephen R. Large, John M. Shneerson, Peter G. Stovin, John Wallwork: Surgical pathology of the thymus: 20 years' experience. In: Thorax. Band 41, Nr. 1, 1986, S. 51–54. doi:10.1136/thx.41.1.51. PubMed Volltext bei PubMed Central

Literatur

Umair Khalid, Taimur Saleem: Hughes-Stovin syndrome. In: Orphanet Journal of Rare Diseases. Band 6, 2011, Artikel 15. doi:10.1186/1750-1172-6-15. PubMed Volltext Yasser Emad et al.: A critical analysis of 57 cases of Hughes-Stovin syndrome (HSS). A report by the HSS International Study Group (HSSISG). In: International Journal of Cardiology. Band 331, 2021, S. 221–229. doi:10.1016/j.ijcard.2021.01.056. ScienceDirect Yasser Emad et al.: Pulmonary vasculitis in Hughes-Stovin syndrome (HSS): a reference atlas and computed tomography pulmonary angiography guide—a report by the HSS International Study Group. In: Clinical Rheumatology. Band 40, 2021, S. 4993–5008. doi:10.1007/s10067-021-05912-3. PubMed

Weblinks

Publikationsnachweise zu PG Stovin bei PubMed

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