Johanna Schuller (geb. Löchner* 1985 in Bamberg) ist eine deutsche Professorin für Klinische Psychologie und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter und forscht an der Schnittstelle von Psychologie, Digitalisierung und Allgemeinmedizin.

Leben Johanna Schuller studierte nach dem Abitur in Bamberg von 2006 bis 2012 Diplom-Psychologie an der Philipps-Universität Marburg mit einem Zwischenstopp an der Universidad de Monterrey, Mexiko von 2009 bis 2010.

Von 2012 bis 2019 ließ sie sich zur psychologischen Psychotherapeutin (mit Approbation 2019) und kognitiven Verhaltenstherapeutin in München am AVM (= Arbeitsgemeinschaft für Verhaltensmodifikation) ausbilden. Sie schrieb die Dissertation Transmission and Prevention of Depression in the Offspring of Parents with Depression – Differences and changes in psychopathology, emotion regulation and attributional style (= Die Übertragung und Prävention von Depressionen bei Kindern mit depressiven Eltern – Unterschiede und Veränderungen in der Psychopathologie, der Emotionsregulation und dem Attributionsstil. Die Arbeit ist auf Englisch einsehbar.) bis 2018. Ab 2013 arbeitete sie neben den anderen Tätigkeiten an verschiedenen Kliniken in München bis 2020, wobei sie gleichzeitig ab 2018 post-doc Fellow an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) war.

Von 2020 bis 2022 leitete sie das Nationale Zentrum Frühe Hilfen in München und ab 2021 lehrte sie gleichzeitig Psychotherapie bei der AVM. Am AVM erhielt sie 2024 in einer Zusatzqualifikation das Diplom für Kinder- und Jugendpsychotherapie.

Nach einer Zeit als Juniorprofessorin von 2022 bis 2024 am Universitätsklinikum Tübingen wechselte sie 2024 für zwei Jahre als Professorin für Klinische Psychologie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters an die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), schloss 2018 die Promotion an der Ludwig-Maximilians Universität München ab und nahm die Stelle der Professorin für Mentale Gesundheit in der Primärversorgung an der LMU München an. Johanna Löchner ist Mitglied in zahlreichen Vereinigungen wie z. B. der Bundespsychotherapeutenkammer, der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs), der AVM oder der Kassenärztlichen Vereinigung.

Sie editiert bei Plos one, PEERJ, Frontiers und Kindheit und Entwicklung mit und berät in verschiedenen Gremien wie Mental Health Crowd und E-Health der DGPs, für die sie auch im EU-Projekt Emotional Competence and Well-Being (ECoWeB, Emotionale Kompetenz und Wohlbefinden) eine E-Health-App zur Verbesserung der emotionalen Kompetenzen entwickelte und in Deutschland koordinierte.

Forschungsschwerpunkte Johanna Schuller arbeitet im Bereich der Früherkennung, Prävention psychischer Erkrankungen sowie dem Aufbau von Resilienz, auch gegenüber von Stressfaktoren – sie sieht den Wunsch nach Perfektion als einen starken Stresstreiber, mit Hilfe digitaler Technologien vor dem Erwachsenenalter. Sie entwickelt zusammen mit Fachleuten aus anderen Disziplinen, als menschliche Schnittstelle zwischen Psychologie, Digitalisierung und Allgemeinmedizin, digitale Anwendungen wie z. B. Apps, um die Erfassung von Symptomen und Präventionsmöglichkeiten im Alltag zu erleichtern. So sollen Betroffene schneller passende Angebote finden oder Werkzeuge zur eigenständigen Bewältigung von individuellen Belastungen erhalten.

Dabei soll die digitale Prävention psychischer Erkrankungen verantwortungsvoll und wirksam für alle verfügbar gemacht werden, damit die psychische Gesundheit in Deutschland dauerhaft verbessert werden kann. Untersucht werden alle denkbaren Arten von digitalen Werkzeugen bis hin zu KI- und LLM-basierten (= large language model) Ansätzen für alle Teile der Behandlung einer psychischen Gesundheitsversorgung.

Positionen Die Wissenschaftlerin beschäftigt sich laut Eigenaussage damit, wie digitale neue Möglichkeiten helfen können, psychologische Veränderungen im Alltag zu verstehen und diese anschließend für die Medizin nutzbar zu machen. Ihr Anliegen ist, Psychotherapie von statischen Ergebnissen hin zu einer dynamischen Prozesswissenschaft zu entwickeln und die moderne Welt im Bereich der Gesundheitsversorgung aktiv mitzugestalten.

Sie würde sich regelmäßige Untersuchungen der psychischen Gesundheit im jungen Alter wünschen, da 75 Prozent dieser Erkrankungen vor dem 25. Lebensjahr auftreten. Außerdem sollten alle digitalen Möglichkeiten nach eindeutigen ethischen und rechtlichen Rahmenbedingungen erfolgen und vor jeglichem Einsatz auf ihre Sicherheit für die Patienten erprobt sein, da KI-Modelle bei komplexen Themen Fehler machen. Large Language Models können die Nuancen von Gesprächen nicht verstehen und reagieren nicht unbedingt korrekt, sodass sie eine Therapie nicht ersetzen, aber möglicherweise Wartezeiten überbrücken oder als zusätzliche Unterstützung nützlich sein können, was durch erste Studienergebnisse von Metastudien aus dem Jahr 2023 belegt werde.

Schriften (Auswahl) Bücher Geschlechterunterschiede in der Mathematik – Computational Fluency als inkrementeller Prädiktor in der Mathematikkompetenz. AV Akademikerverlag 2014. ISBN 978-3-639-48700-8 (Überarbeitete Diplomarbeit, Print on Demand).

Transmission and Prevention of Depression in the Offspring of Parents with Depression - Differences and changes in psychopathology, emotion regulation and attributional style. München 2018, doi:10.5282/edoc.22614 (Dissertation).

Zeitschriftenartikel (Zusammen mit K. Starman, K. Galuschka et al.:) Preventing depression in the offspring of parents with depression: A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. In: Clin Psychol Rev., 2018, doi:10.1016/j.cpr.2017.11.009. (Zusammen mit C. Seiferth, L. Vogel et al.:) How to e-mental Health? A Guideline for Researchers and Practitioners using Digital Technology in the Context of Mental Health. In: Nature Mental Health 1, 2023, S. 542–554. doi:10.1038/s44220-023-00085-1. (Zusammen mit I. Moshe, G. Schiepek et al.:) Tracking health-related quality of life dynamics: Advances in ambulatory assessment methods. In: Brain Behavior and Immunity Integrative, 6, 2024, doi:10.1016/j.bbii.2024.100061. (Zusammen mit M. Bolivar, L. Booth et al.:) Multidisciplinary perspectives on personalised prevention in youth mental health. In: Front Digit Health, 2025, doi:10.3389/fdgth.2025.1568472. (Zusammen mit P. Carlbring, B. Schuller et al.:) Digital interventions in mental health: An overview and future perspectives. In: Internet Interventions, 2025, doi:10.1016/j.invent.2025.100824. (Zusammen mit I. Moshe, G. Schiepek et al.:) Tracking health-related quality of life dynamics: Advances in ambulatory assessment methods. In: Brain Behavior and Immunity Integrative, 6, 2024, doi:10.1016/j.bbii.2024.100061.

(Zusammen mit B. Schwartz, G. W. Alpers et al.:) Potenziale und Grenzen Künstlicher Intelligenz in der klinisch-psychologischen Forschung, Lehre und Praxis. In: Psychologische Rundschau, 2026.

Weblinks Homepage des LMU Klinikums zu Johanna Löchner Publikationen der National Library of Medicine Publikationen auf Google Scholar Berufliche Homepage von Johanna Löchner

Einzelnachweise

Kategorie:Psychotherapeut Kategorie:Hochschullehrer (Ludwig-Maximilians-Universität München) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1985 Kategorie:Frau