mini|Chiesa dei Santi Giusto e Clemente (San Giusto Nuovo) in Volterra, Toskana. Der Kirchenbau wurde 1628 nach einem Entwurf von Giovanni Coccapani begonnen und 1775 geweiht. Giovanni Coccapani (* 19. Mai 1582 in Florenz; † 31. Oktober 1649 ebenda) war ein italienischer Jurist, Mathematiker und Architekt. Er stammte aus einer ursprünglich aus Carpi (Modena) stammenden Familie, die im 16. Jahrhundert nach Florenz übergesiedelt war. Ihr gehörten mehrere Künstler, Architekten, Mathematiker und Goldschmiede an.
Leben Giovanni Coccapani wurde als Sohn des aus Carpi zugewanderten Goldschmieds Regolo Francesco Coccapani geboren. Er war der ältere Bruder des Malers und Architekten Sigismondo Coccapani (1583–1643) sowie zweier weiterer Brüder, Vincenzo und Giovanni Battista. Letzterer führte die väterliche Werkstatt fort. Giovanni Coccapani studierte zunächst Rechtswissenschaft und wurde am 29. Mai 1610 zum Doktor der Rechte promoviert, bevor er sich der Mathematik und der Architektur zuwandte. Er heiratete Domenica di Michele Fortunati.
Im Jahr 1620 entwarf er die aufwendige Dekoration mit Skulpturen und Malereien für die Trauerfeierlichkeiten des Großherzogs Cosimo II. de’ Medici in der Compagnia della Scala in Florenz. 1622 beteiligte er sich mit einem Projekt für den Neubau der Villa Poggio Imperiale an einem Wettbewerb, an dem auch Gherardo Silvani, Matteo Nigetti, Cosimo Lotti und Giulio Parigi teilnahmen. Den Zuschlag erhielt schließlich Giulio Parigi. Im selben Jahr eröffnete Giovanni Coccapani eine Kunstschule in Florenz, die laut Filippo Baldinucci von mehr als dreißig jungen Männern verschiedener Nationen – überwiegend Deutschen und Flamen – besucht wurde. Im Jahr 1623 wurde die Fassade der Casa Zati in der Via Ghibellina in Florenz nach Giovanni Coccapanis Entwurf errichtet.
1626/27 unternahm Coccapani eine Reise in die ursprüngliche Heimat seiner Familie in Oberitalien und nach Rom. Auf der Rückreise hielt er sich in Volterra auf, wo er Modelle für die eingestürzte Kirche bei Botro und eine Kapelle bei Poggio anfertigte. Für letztere wurde am 30. September 1627 der Grundstein gelegt. In Volterra werden ihm zudem Arbeiten an den Kirchen San Giusto und San Clemente zugeschrieben. Von 1628 bis 1630 errichtete Coccapani in Florenz das Kloster der Teresianerinnen mit einer sechseckigen Kuppelkirche.
Im Jahr 1638 wurde er als erster Lektor für Mathematik an die Florentiner Accademia delle Arti del Disegno berufen. Diese Berufung ist für die Jahre 1638–1640 belegt. Nach anderen Angaben war er bis zu seinem Tod als Professor für Mathematik und Architektur an der Akademie tätig. Daneben beschäftigte er sich mit Festungsbau und Maschinenkonstruktion und wurde zu weiteren architektonischen Projekten konsultiert, darunter für San Firenze und das Collegio dei Nobili in Modena, wo er von Herzog Alfonso III. d’Este gefördert wurde. Im Jahr 1643 lehnte er einen Ruf nach Rom ab. Damit hätte er die Nachfolge des verstorbenen Mathematikers Benedetto Castelli antreten sollen. Coccapani blieb bis zu seinem Tod künstlerisch und wissenschaftlich tätig.
Giovanni Coccapani starb am 31. Oktober 1649 in Florenz und wurde in der Kirche Santa Maria Maggiore beigesetzt. Er hinterließ einen minderjährigen Sohn, der 1719 starb und dem Orden der Piaristen (Scolopi) angehörte. Dieser veröffentlichte 1683 ein Elogium auf seinen Vater.
Werke Florenz, Compagnia della Scala: Trauerdekoration für Großherzog Cosimo II. de’ Medici (1620, nicht erhalten) Florenz, Casa Zati (Via Ghibellina): Fassade (1623, nach Coccapanis Entwurf) Volterra: Modell für eine Kapelle bei Poggio, Grundsteinlegung am 30. September 1627; Zuschreibung von Arbeiten an San Giusto und San Clemente Florenz, Teresianerinnenkloster: Klosterbau mit sechseckiger Kuppelkirche (1628–1630) Florenz, San Michele Visdomini: Grabmal für einen deutschen Adligen aus seinem Schülerkreis (Innenfassade) Reggio Emilia, Palazzo Vescovile: Cappella Coccapani, nach Coccapanis Entwurf für seinen Onkel, Bischof Paolo Coccapani, errichtet
Literatur Filippo Baldinucci: Notizie de’ professori del disegno da Cimabue in qua. Bd. IV, Florenz 1845. Giovanni Battista Clemente Nelli: Vita e commercio letterario di Galileo Galilei. Losanna 1793, S. 804. Sigismondo Coccapani: Prolusioni poetiche. Florenz 1683, S. 78. Fiorella Sricchia Santoro: Coccapani, Giovanni. In: Dizionario Biografico degli Italiani. Bd. 26, 1982. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 3: Bülow – Cossin. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online (AKL) / Artists of the World Online. De Gruyter, 2009.
Weblinks
COCCAPANI, Giovanni di Fiorella Sricchia Santoro Dizionario Biografico degli Italiani – Volume 26 (1982)
Einzelnachweise
Kategorie:Jurist in der Frühen Neuzeit Kategorie:Mathematiker (17. Jahrhundert) Kategorie:Architekt (Italien) Kategorie:Historische Person (Italien) Kategorie:Geboren 1582 Kategorie:Gestorben 1649 Kategorie:Mann