Anton Fellner (* 19. März 1908 in Laakirchen; † 10. Jänner 1967 in Linz) war ein österreichischer NS-Propagandist.

Werdegang Fellner besuchte die Volksschule und das Realgymnasium in Linz. Nach dem Abitur studierte er Rechts- und Staatswissenschaften an der Universität Wien; zu seinen Kommilitonen dort gehörte Ferry Pohl. 1932 wurde er dort zum Doktor der Rechte promoviert. Von 1927 bis 1936 war er Mitglied der katholischen Studentenverbindung KaV Norica Wien.Cartellverband der Katholischen Deutschen Studentenverbindungen: Die Ehrenmitglieder, Alten Herren und Studierenden des CV, des Cartell-Verbandes der Katholischen Deutschen Studentenverbindungen. Wien 1931, S. 675.Gerhard Hartmann: Treu zu Gott und Vaterland. Die Geschichte des CV in Österreich. Lahn-Verlag, Kevelaer 2023, S. 682. Außerdem gehörte er dem Steirischen Heimatschutz und der Vaterländischen Front an. Ab 1933 war er als Rechtsanwaltsanwärter im Bezirks- und Landesgericht Linz tätig. Anschließend war er von 1934 bis 1938 Rechtsanwalt in Linz in der Kanzlei von Josef Plakolm, der von 1938 bis 1945 Polizeipräsident von Linz war.

Am 1. September 1933 trat Fellner der damals in Österreich verbotenen NSDAP und der SS bei (SS-Nummer 307.462), bei der er zum Stab Ernst Kaltenbrunners gehörte. Bereits im April 1933, also zwei Monate vor dem Parteiverbot, hatte er zwei Broschüren im NS-Gauverlag (Wie es kommen sollte. Dokumentarische Belege über den Verrat Schuschniggs. und Deutschland in uns. Bekenntnis und Aufruf aus Österreich) veröffentlicht. Von 1933 bis zu ihrem Verbot 1934 war Fellner Chefredakteur der auf Initiative von Theodor Habicht gegründeten Alpenländischen Morgenzeitung, einer Tageszeitung mit nationalsozialistischer Ausrichtung. Zudem war er 1934 für die illegale NS-Zeitung Volksstimme verantwortlich. Er war ab 1934 Mitglied der oberösterreichischen NSDAP-Gauleitung und ab 1935 Mitglied der illegalen Landesleitung der NSDAP, von 1935 bis 1936 als Propaganda- und Presseleiter. Zudem verwaltete er die Parteikasse. Von 1934 bis 1938 war er ständiger Vertrauensmann der Gestapo für Oberösterreich. Darüber hinaus war er von 1935 bis 1938 Gaupresseleiter in Oberösterreich. Ab 1936 war er Chefredakteur des Österreichischen Beobachters für Oberösterreich; ein Amt, das er de jure bis 1944 behielt. 1937 wurde er zum SS-Untersturmführer befördert.

Am 11. März 1938, dem Vorabend des Anschluss Österreichs, war Fellner sowohl bei der Besetzung der Polizeidirektion Linz durch die SS als auch an der Verhaftung zahlreicher politischer Gegner wesentlich beteiligt. Am 12. März 1938 verkündete er den „erfolgreichen Abschluss der Machtergreifung“ im Rundfunksender Linz. Dafür wurde ihm später die Medaille zur Erinnerung an den 13. März 1938 verliehen. Noch im März 1938 wurde er von Gauleiter August Eigruber zum Leiter des Gaupresseamts Oberdonau bestellt und zum Oberregierungsrat ernannt. Als solcher war er Leiter der Abteilung Kultur- und Gemeinschaftspflege beim Reichsstatthalter Oberdonau. Er wurde auch ständiger Berichterstatter für die Wiener Ausgabe des Völkischen Beobachters. Am 30. Mai 1938 beantragte er die reguläre Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 6.250.317).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/8530325 Ebenfalls 1938 wurde er zum SS-Obersturmführer befördert. Ein Verfahren gegen Fellner wegen angeblicher Unterschlagung von Parteigeldern in der Zeit der Illegalität wurde 1939 eingestellt. Im Februar 1941 wurde er zum Kulturbeauftragten des Gauleiters und Reichsstatthalters von Oberdonau ernannt.

Im Juni 1941 wurde Fellner zur Wehrmacht einberufen und kam zu einer Propagandakompanie nach Potsdam. Nach dreimonatiger Ausbildung war er bis zum Frühjahr 1942 Kriegsberichterstatter der Propagandazeitschrift Signal bei der 11. Panzerdivision an der Ostfront. Im Frühjahr 1942 kehrte er nach Linz zurück. Von Juni 1942 bis Ende 1943 war er Referent in der Abteilung Presse und Aufklärung des Reichsministeriums für die besetzten Ostgebiete in Berlin. 1943 trat er der Reichsschrifttumskammer bei. Ende 1943 wurde er in die Waffen-SS übernommen und kam als Teil der Untereinheit Südstern der SS-Standarte Kurt Eggers in die Operationszone Adriatisches Küstenland.

Im Juni 1944 wurde Fellner auf Veranlassung Ernst Kaltenbrunners von der Gestapo verhaftet und zwei Monate lang im Welser Polizeigefangenenhaus inhaftiert. Ihm wurde die Veruntreuung von Geldern vorgeworfen. Im August 1944 wurde er strafweise zu einer Kampfeinheit der Waffen-SS nach Triest versetzt. Ab Oktober 1944 war er als Jurist in der Zivilverwaltung des Obersten Kommissars für die Operationszone Adriatisches Küstenland tätig. Nach Kriegsende im Mai 1945 geriet er in britische Kriegsgefangenschaft; er wurde bis Jänner 1947 in Terni und Rimini interniert. Im Jänner 1947 wurde er den österreichischen Behörden übergeben und kam in ein Lager nach Feistritz an der Drau in der Zuständigkeit des Bezirksgerichts Villach. Er wurde schließlich im Juli 1948 aus der Untersuchungshaft entlassen und auf Grundlage des Kriegsverbrechergesetzes, des Verbotsgesetzes und wegen Veruntreuung und Betrug vor dem Volksgericht Linz angeklagt. Durch eine Amnestie von Bundespräsident Theodor Körner wurde das Verfahren 1951 eingestellt.

Ab 1951 war Fellner bei der VÖEST in Linz tätig, unter anderem als Herausgeber einer Betriebszeitung. Er starb im Jänner 1967 im Alter von 58 Jahren in Linz.

Literatur Michaela Gustenau: Mit brauner Tinte. Nationalsozialistische Presse und ihre Journalisten in Oberösterreich. (1933–1945) (= Beiträge zur Zeitgeschichte Oberösterreichs. Band 13). OÖLA, Linz 1992, ISBN 3-900313-53-9. Uwe Baur und Karin Gradwohl-Schlacher: Literatur in Österreich 1938–1945. Handbuch eines literarischen Systems. Band 3: Oberösterreich. Böhlau, Wien 2014. S. 186–191 (online als PDF bei www.vr-elibrary.de).

Weblinks Anton Fellner auf der Website des Projekts Beamte nationalsozialistischer Reichsministerien Hans Schafranek: Anton Fellner im Oberösterreichischen Landesarchiv (online) Anton Fellner im Oberösterreichischen Landesarchiv (online) Anton Fellner in der Online-Datenbank des Oberösterreichischen Landesarchivs

Einzelnachweise

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