Der Typ 81-572/573 ist ein U-Bahn-Wagentyp, der speziell für die Metro Warschau entwickelt wurde. Trotz der gebräuchlichen Bezeichnung „Metrowagonmasch“ für sowjetische und russische U-Bahn-Baureihen stammt dieser Typ nicht aus dem Moskauer Metrowagonmasch-Werk, sondern von Wagonmasch (frühere Jegorow-Werke) in Sankt Petersburg. Beide Werke fertigten technisch nahezu identische, aber unter eigenen Typenbezeichnungen geführte Fahrzeuge derselben Baureihenfamilie. Die Fahrzeuge basieren auf der weitverbreiteten Baureihe 81-717/714, wurden jedoch für den Export auf die in Polen übliche Normalspur von 1435 Millimetern ausgelegt.

Geschichte

Nach der Entscheidung, in Warschau eine Metro zu eröffnen, bestellte der Betreiber zunächst kleine Mengen an Wagen bei verschiedenen sowjetischen bzw. russischen Herstellern. 1989 lieferte Metrowagonmasch vier Trieb- und sechs Mittelwagen des Typs 81-717.3/714.3 aus Moskauer Produktion, mit denen zwei fünfteilige Züge gebildet wurden. Für einen regulären Fahrgastbetrieb reichte dies nicht aus. Westliche Hersteller boten deutlich teureres Wagenmaterial mit Lieferzeiten von rund zwei Jahren an, während die russischen Wagonmasch-Werke aus Sankt Petersburg zusagten, benötigte Wagen aus laufender Produktion zu einem niedrigeren Preis zu liefern.

1994 lieferte Wagonmasch daraufhin 32 Wagen des Typs 81-572/573, mit denen 14 dreiteilige Züge gebildet werden konnten; am 7. April 1995 eröffnete die Warschauer Metro mit diesem Wagenpark ihren ersten Streckenabschnitt. Wenig später wurden weitere russische Wagen nachbestellt, die im November 1997 in Warschau eintrafen und am 26. Mai 1998 zusammen mit einer Streckenverlängerung in den Fahrgastbetrieb übernommen wurden.

Im November 2006 entschied sich die Warschauer Metro erneut für zusätzliche Wagen aus russischer Fertigung, um die bestehenden Züge zu verlängern; im Dezember 2006 wurde die Lieferung ausgeschrieben, im März 2007 folgte die Angebotsöffnung und im Juli 2007 die Vertragsunterzeichnung mit dem Wagonmasch-Werk. 2009 bestellte die Warschauer Metro ohne neue Ausschreibung beim selben Hersteller zwei weitere Züge nach. Bis August 2009 wurden sieben sechsteilige Züge der weiterentwickelten Variante 81-572.2/573.2 ausgeliefert und in Betrieb genommen. Zum 31. Dezember 2012 betrieb die Warschauer Metro insgesamt 132 Wagen der Baureihe 81, zusammengestellt zu 22 sechsteiligen Zügen.

Fertigungsserien

mini|Serie 81-572/573 Nr. 005 an der Station A-15 Ratusz Arsenal

Die insgesamt 92 für Warschau gebauten Wagen der ersten beiden Serien sowie die 42 Wagen der dritten Serie verteilen sich auf drei Fertigungsserien, die sich in Details unterscheiden:

Serie Stückzahl Auslieferung Besonderheiten 81-572/81-573 32 1994 Grundausführung für Warschau, Eröffnung der Linie 1995 81-572.1/81-573.1 18 1997 Ergänzungslieferung, Einsatz ab Mai 1998 81-572.2/81-573.2 7 sechsteilige Züge 2007–2009 Weiterentwickelte Ausführung

Technik und Ausstattung

Die Wagenkästen sind geschweißte Stahlkonstruktionen, die für die maschinelle Wagenwäsche ausgelegt sind. Die Längsbestuhlung ermöglicht eine höhere Stehplatzkapazität; die für Warschau gelieferten Wagen erhielten gepolsterte, mit Stoff bezogene Sitze, die zugleich vandalismusresistent und schnittfest ausgeführt sind. Die Innenbeleuchtung erfolgt über Leuchtstofflampen, bei Stromausfall schaltet eine batteriegestützte Notbeleuchtung zu. Die Wagen sind mit halbautomatischen Kupplungen samt Feder-Zug-Stoß-Einrichtung ausgestattet, die sowohl die mechanische Verbindung als auch die Druckluft- und Bremsleitungen automatisch koppeln; die elektrische Verbindung erfolgt über einen separaten Steckkasten unterhalb der Kupplung.

Die Stromversorgung erfolgt über eine seitliche Stromschiene mit positivem Potenzial bei 750 Volt Gleichstrom. Als Fahrmotoren kommen Gleichstrom-Reihenschlussmotoren der Typen DK-117WMU2 oder TDM-1EU2 mit einer Stundenleistung von 110 bis 114 Kilowatt zum Einsatz, wobei sämtliche Achsen angetrieben sind. Betreiberseitig werden die Triebkopfwagen als Typ 81-572P und die Mittelwagen als Typ 81-573P geführt.

Einsatz in Warschau

Die Wagen der Baureihe 81-572/573 sowie ihrer Weiterentwicklungen kamen ausschließlich auf der ersten Linie (M1) der Metro Warschau zum Einsatz und prägten dort über nahezu 30 Jahre das Bild der Linie. Zwischen 2017 und 2019 wurden 64 Wagen der russischen Baureihen (darunter Triebkopfwagen der Typen 81-717.3 und 81-572 sowie Mittelwagen der Typen 81-714.3 und 81-573) im polnischen Ausbesserungswerk ZNTK Mińsk Mazowiecki einer Hauptuntersuchung der fünften Instandhaltungsstufe unterzogen.

Mit der schrittweisen Auslieferung neuer, in Tschechien gebauter Züge des Typs Škoda Varsovia begann die Warschauer Metro, die russischen Wagen der Baureihe 81 aus dem Regelbetrieb zu nehmen. Am 29. März 2023 fuhr Zug Nummer 07 seine letzte planmäßige Fahrt, gemeinsam mit ihm wurden die Züge 01, 03, 04, 05, 06, 08, 13, 14 und 15 ausgemustert und in der Folge an die Metro Kiew abgegeben. Als einziger Zug der alten Baureihe verblieb Zug Nummer 02 – zusammengestellt aus Wagen der ersten Lieferung von 1994 – im Bestand der Warschauer Metro; er wird seither noch mehrmals wöchentlich als historischer Zug eingesetzt.

Einsatz in Kiew

Im März 2023 unterzeichneten die Städte Warschau und Kiew im Zuge der polnischen Unterstützung der Ukraine infolge des russischen Angriffskriegs eine Vereinbarung zur Übergabe von insgesamt 60 ausgemusterten, technisch noch funktionstüchtigen Wagen der Baureihe 81 (zehn sechsteilige Züge) an die Metro Kiew. Der Transport aller 60 Wagen erstreckte sich über sieben Monate; der letzte traf am 24. Oktober 2023 in Kiew ein. Da die Kiewer Metro mit 1520 Millimetern eine breitere Spurweite als die Warschauer Normalspur (1435 mm) nutzt, mussten die Wagen vor ihrem Einsatz technisch angepasst werden, unter anderem durch den Austausch der Radsätze.

Am 1. November 2023 nahm der erste, aus fünf Warschauer Wagen gebildete und mit dem Namen „01“ gekennzeichnete Zug auf der grünen Linie der Kiewer Metro den Fahrgastbetrieb auf; die Fahrzeuge behielten dabei ihre Warschauer Lackierung sowie ukrainisch-polnische Erinnerungsaufkleber, mit denen sich die Kiewer Metro laut eigener Aussage für die Unterstützung bedanken wollte. Kiews Bürgermeister Witali Klitschko bezeichnete die übernommenen Wagen öffentlich als bequem und ansprechend gestaltet. Die Kiewer Metro rechnet mit einer weiteren Nutzungsdauer der umgebauten Fahrzeuge von zwölf bis vierzehn Jahren. Ein Großteil der übrigen übergebenen Wagen dient jedoch primär als Ersatzteilspender für die überwiegend noch aus sowjetischer Produktion stammende Kiewer Bestandsflotte, die wegen des Krieges unter akuter Ersatzteilknappheit leidet.

Fahrzeugbestand und Kenndaten

Merkmal Warschau Kiew (nach Umbau) Wagen pro Zug 5–6 5 Spurweite 1435 mm 1520 mm Stromsystem 750 V DC, dritte Schiene 750 V DC, dritte Schiene Lackierung Blau-Weiß (Warschauer Schema) Warschauer Lackierung beibehalten Status Nur noch historischer Zug 02 im Einsatz Seit November 2023 im Regelbetrieb

Siehe auch

Metro Warschau 81-717/714 Metro Kiew

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:U-Bahn-Fahrzeug Typ 81-572/573