Das Polytechnikum Kassel war eine der ersten technischen Lehranstalten in Deutschland. Es wurde 1832 in Kassel als „Höhere Gewerbeschule“ gegründet und bestand bis 1888.
Geschichte
Kassel war bereits ab 1633 zeitweise Hochschulstandort, als Landgraf Wilhelm V. hier die reformierte Alte Universität Kassel errichtete, nachdem sich die Universität Marburg dem Luthertum zuwandte. Diese erste Kasseler Universität bestand allerdings nur bis 1653. Es folgte 1777 die Gründung der Akademie der Künste (die heutige Kunsthochschule Kassel) durch Landgraf Friedrich II. Schließlich wurde auch die naturwissenschaftlich-technische Ausbildung junger Menschen in Kassel forciert als auf Initiative des Kasseler Oberbürgermeisters Karl Schomburg mit Erlass vom 7. August 1832 die „Höhere Gewerbeschule“ gegründet wurde, die später den Namen „Polytechnikum“ annahm. Hier konnten Jugendliche ab 14 Jahren eine naturwissenschaftlich-technische Grundbildung erwerben, die zum anschließenden Besuch einer Universität berechtigte. Als Standort wurde das frühere Gouvernementsgebäude am Martinsplatz zugewiesen.
Zu den Lehrern gehörten neben den bedeutenden Chemikern Robert Wilhelm Bunsen und Friedrich Wöhler Heinrich Buff, Rudolph Amandus Philippi, Hugo Schneider, Rudolf Kohlrausch und Karl Georg Winkelblech, die das Polytechnikum zur zentralen technisch-naturwissenschaftlichen Bildungsstätte des nordhessischen Raumes machten. Hermann Schwarzenberg, Regierungsreferendar in Kassel, bemühte sich in den 1860er Jahren, das Polytechnikum zu einer vollwertigen Technischen Hochschule aufzuwerten, zumal der Bau am Martinsplatz sehr beengt war und ein Neubau von Schomburg bereits 1834 ins Auge gefasst worden war. Tatsächlich wurde 1872 am damaligen Friedrich-Wilhelms-Platz (heute Scheidemannplatz) ein entsprechendes Gebäude vom Architekten Carl Hindorf errichtet, die Umwandlung in eine Technische Hochschule kam jedoch nie zustande. Stattdessen ging die Bedeutung des Polytechnikums zurück, bis es zu einer Handels- und Gewerbeschule herabgestuft und 1888 schließlich zu Gunsten der Zeichen- und Kunstgewerbeschule ganz aufgelöst wurde. Dennoch kann die Einrichtung als ein Verläufer der heutigen Universität Kassel angesehen werden.
Literatur Albrecht Hoffmann: Das Polytechnikum in Kassel (1832–1870). Eine Hochschule für Söhne namhafter Bürgerfamilien im frühen Industriezeitalter. In: Björn Onken und Dorothea Rhode (Hg.): in omni historia curiosus. Studien zur Geschichte von der Antike bis zur Neuzeit; Festschrift für Helmuth Schneider zum 65. Geburtstag. Philippika.47. S. 347–362.
Weblinks Das Polytechnikum auf der Website der Universität Kassel Erlass zur Gründung einer Polytechnischen Schule in Kassel auf lagis.hessen.de
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