Esin Engin (* 17. Mai 1945 in Sivas; † 4. Mai 1997 in Istanbul) war ein türkischer Komponist, Arrangeur, Sänger und Orchesterleiter. Bekannt wurde er durch orchestrale Bearbeitungen traditioneller türkischer Tanz- und Kunstmusik, durch Neueinspielungen türkischer Tangos sowie durch zahlreiche Film-, Fernseh- und Bühnenmusiken.

Leben Esin Engin wurde als Sohn einer Familie krimtatarischer Herkunft geboren. Im Alter von fünf Jahren begann er zu musizieren und erhielt zunächst eine Ausbildung in klassischer türkischer Musik auf Ud und Kanun. Seine schulische Ausbildung erhielt er in den Vereinigten Staaten und schloss sie 1963 an der North Collins High School im Bundesstaat New York ab. Dort erhielt er neben Klavierunterricht auch Unterweisung in Harmonielehre und Komposition. 1968 beendete er die Journalistenhochschule in Istanbul und studierte in denselben Jahren Gesang am Istanbuler Konservatorium.

Karriere Seine professionelle Laufbahn begann Mitte der 1960er Jahre als Musiker und Solist in Tanz- und Unterhaltungsorchestern, unter anderem im Orchester von Ferdi Özbeğen. Daneben sang er Titel für Kinofilme ein. Den Durchbruch brachten ihm 1972 die Singles Dök Zülfünü Meydane Gel und Tango. Bei Dök Zülfünü Meydane Gel übertrug er klassische türkische Musik in einen mehrstimmigen Satz, ohne Melodik und Rhythmik zu verändern.

Engin arbeitete fortan in großem Umfang als Arrangeur und Orchesterleiter für Interpreten der türkischen Pop- und Kunstmusik. Kompositionen und Arrangements schrieb er unter anderem für Sezen Aksu, Nilüfer, Nükhet Duru, Erol Evgin, Zerrin Özer, Tülay Özer, İlhan İrem, Tanju Okan, Esmeray, Ayla Algan, Erol Büyükburç, Gönül Akkor, Yıldırım Gürses, Semiramis Pekkan und Füsun Önal.

1973 erschien mit Modern Oyun Havaları sein erstes Langspielalbum, auf dem er mit dem von ihm gegründeten Esin Engin Orkestrası volkstümliche Tanzweisen aus verschiedenen Regionen der Türkei instrumental arrangierte. Nach demselben Prinzip folgten Anadolu (1974), weitere Folgen der Oyun Havaları-Reihe sowie Modern Fasıl (1978) und Nostaljik Fasıl (1992). Insgesamt war Engin zu Lebzeiten an der Produktion von etwa 40 Schallplatten, fünf CDs und 30 Musikkassetten beteiligt.mini|Grabstätte Esin Engin (2022)Für die Bühne übernahm er 1980 die musikalische Leitung des Musicals Hisseli Harikalar Kumpanyası und komponierte ab den 1980er Jahren zahlreiche Musicals und Musik für den Film.

Im Bereich der Filmmusik arbeitete Engin mit Regisseuren wie Osman F. Seden und Atıf Yılmaz zusammen. Größte Bekanntheit erlangte seine Musik zur Fernsehserie Çalıkuşu (1986). Vereinzelt trat er auch als Schauspieler auf, etwa in Seven Ne Yapmaz (1970) und Dert Bende (1973). Zuletzt war er Musikberater der Istanbuler Stadttheater.

Krankheit und Tod Engin erkrankte in den 1990er Jahren an Leukämie. Einen großen Teil seiner späten Arbeiten schrieb er im Krankenbett. Als letzte Arbeit entstand 1997 die Musik zu Dinçer Sümers Film Maviydi Bisikletim. Esin Engin starb am 4. Mai 1997 in der Istanbuler Universitätsklinik Çapa. Er wurde auf dem Friedhof Zincirlikuyu beigesetzt.

Diskografie (Auswahl) Modern Oyun Havaları (1973) Anadolu (1974) Tangolar (1974) Dünden Bugüne (1974) Modern Oyun Havaları 2 (1975/1976) Modern Fasıl (1978) Nostalgic Russian Tzigane (1990) Gypsy Fire (1990) Nostaljik Fasıl (1992) Film Müzikleri, Vol. 1 (1995) Son Tango (1998, postum) Film Müzikleri, Vol. 2 und Vol. 3 (2000, postum)

Filmografie (Auswahl, als Komponist) 1980: Zübük 1981: Kanlı Nigar 1983: Adile Teyze 1986: Çalıkuşu (Fernsehserie) 1987: Yeniden Doğmak (Fernsehserie) 1987: Hayallerim, Aşkım ve Sen 1988: Tek Başına Bir Kadın 1991: Yol Palas Cinayeti (Fernsehfilm) 1992: Sürgün 1993: Tatlı Betüş (Fernsehserie)

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