Joseph Hagen, auch in der Schreibweise Josef Hagen, mit vollem Namen Joseph Johann Gregor Christian Hagen, (* 20. November 1877 in Köln; † 5. März 1938 in Bonn) war ein deutscher Provinzialrömischer Archäologe und Numismatiker. Seine Tochter war die Provinzialrömische Archäologin und Numismatikerin Wilhelmine Hagen (1910–1996).

Jugend und Bildung mini|hochkant|Seite aus dem Skript der geplanten Dissertation (um 1910) Josef Hanel wurde als Sohn des Kommunalbeamten Adolf Ambrosius Hagen (1834–1907) und der Sophia Josepha Hartmann (1836–1882) geboren. Er besuchte das Königliche Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Köln, wo 1895 oder 1896 sein Abitur erlangte. Anschließend studierte er zunächst Katholische Theologie an der Universität Bonn. Im Jahr 1899 wechselte er an die Universität Freiburg, wo er von da ab Klassische Altertumswissenschaften studierte und insbesondere Vorlesungen von Ernst Fabricius und Otto Puchstein besuchte. Nach seiner Rückkehr ins Rheinland im Jahr 1901 war er bis 1903 als Volontär an der römisch-germanischen Abteilung des Wallraf-Richartz-Museums in Köln beschäftigt und immatrikulierte sich zeitgleich erneut an der Universität Bonn, wo er auch numismatische Vorlesungen bei Heinrich Willers (1870–1915) belegte. Eine geplante Dissertation über römische Ziegelstempel aus der Provinz Germania inferior wurde jedoch, vermutlich infolge beruflicher Überlastung und des Todes seines Doktorvaters Heinrich Nissen (1839–1912), nie fertiggestellt und liegt heute nur noch in Teilen in Form eines 177-seitigen handschriftlichen Manuskriptes vor. Als Student war er Mitglied der nichtschlagenden, katholischen Verbindungen KDStV Novesia Bonn und KDStV Arminia Freiburg im Breisgau.Norbert Hanel: Joseph Hagen. Ein Bonner Archäologe und Numismatiker. In: Bonner Jahrbücher 209, 2009, S. 3–32 (Digitalisat).Hagen, Josef (1877-1938) auf Propylaeum Vitae der Universität Heidelberg, abgerufen am 13. August 2026.

Leben und Wirken Im Frühjahr 1903 begann Hagen am Provinzialmuseum Bonn zu arbeiten, zunächst als wissenschaftliche Hilfskraft, bis er 1911 zum technischen Assistenten befördert und verbeamtet wurde. Diese Funktion übte er bis 1920 aus und vertrat 1918/1919 kommissarisch den Museumsdirektor Hans Lehner. Im Jahr 1920 wurde er zum Kustos befördert und 1923 erschien der erste Band seiner Römerstraßen der Rheinprovinz, gefolgt von einem Ergänzungsband 1926. Die Schrift erlebte 1931 eine zweite, erweiterte Auflage und gilt bis heute als unverzichtbares Standardwerk zur provinzialrömisches Altstraßenforschung im westlichen Deutschland. Im Jahr 1930 übernahm er die Leitung der numismatischen Abteilung des Museums.

Während seiner Dienstzeit nahm er (insbesondere zwischen 1905 und 1931) an zahlreichen wichtigen archäologischen Ausgrabungen teil. So hatte er die örtliche Grabungsleitung unter anderem in: Bad Münstereifel-Nöthen: Tempelbezirk Pesch; 1913, 1915 und 1916/1917, mit Hans LehnerHans Lehner: Der Tempelbezirk der Matronae Vacalinehae bei Pesch. In: Bonner Jahrbücher. Heft 125, 1919, S. 74–162 (Digitalisat). Bendorf: Kastell Bendorf, 1911 und 1928 Bonn: Legionslager Bonn; 1904, 1910, 1919 und 1922/1923, teilweise mit Hans Lehner und Franz OelmannMichael Gechter: Die Erforschung des römischen Bonn. In: Ders: Das römische Bonn. Ein historischer Überblick. In: Manfred van Rey: Geschichte der Stadt Bonn. Band 1: Bonn von der Vorgeschichte bis zum Ende der Römerzeit. Stadt Bonn, Bonn 2001, S. 35–54. Köln-Marienburg: Flottenkastell Alteburg; 1905, 1906 und 1908 Mayen: diverse Befunde der Michelsberger Kultur, der Römerzeit, der Spätantike und des Mittelalters; 1907/1908, 1919, 1921/1922 Nettersheim: Marcomagus / Matronenheiligtum Görresburg; 1909Hans Lehner: Das Heiligtum der Matronae Aufaniae bei Nettersheim. In: Bonner Jahrbücher 119, 1910, S. 301–321, Digitalisat. Remagen: Rigomagus und keltische Ringwallanlage; 1911 und 1915 bis 1919 mit Hans Lehner Sinzig: Terra-Sigillata-Töpferei und Legionsziegelei; 1912/1913Joseph Hagen: Römische Sigillatatöpferei und Ziegelei bei Sinzig. In: Bonner Jahrbücher 124, S. 170–191 (Digitalisat). Xanten-Birten: Vetera; 1905 bis 1914 und 1929Hans Lehner: Vetera. Die Ergebnisse der Ausgrabungen des Bonner Provinzialmuseums bis 1929. De Gruyter, Berlin/Leipzig 1930 (Digitalisat). Zülpich: Straße und Thermen im Vicus Tolbiacum; 1929 und 1931

Schwer erkrankt, erblindete Joseph Hagen im Sommer 1936 fast vollständig und bat im Herbst desselben Jahres um seine vorzeitige Pensionierung. Diesem Wunsch wurde Anfang 1937 entsprochen. Ein gutes Jahr später verstarb Hagen im Alter von nur 60 Jahren und wurde auf dem Bonner Nordfriedhof bestattet. Seine Arbeit am Bonner Museum wurde von seiner Tochter Wilhelmine fortgesetzt.

Mitgliedschaften und Funktionen 1921: Korrespondierendes Mitglied des Deutsches Archäologisches Institut 1922: Mitglied der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde 1930: Ehrenamtlicher Stellvertreter des Vertrauensmanns für kulturgeschichtliche Bodenaltertümer der Regierungsbezirke Aachen, Düsseldorf, Köln und Koblenz 1931: Stellvertretender Vertrauensmann für kulturgeschichtliche Bodenaltertümer der Regierungsbezirke Aachen, Düsseldorf, Köln und Koblenz 1932: Zweiter Sekretär und Schriftführer des Vereins von Altertumsfreunden im Rheinlande

Schriften (Auswahl) mit Hans Lehner und Constantin Koenen: Ausgrabungen und Fundberichte des Provinzialmuseums in Bonn vom 1. Mai 1903 bis 31. Juli 1906. In: Bonner Jahrbücher 114/115, 1906, S. 204–343 (Digitalisat) Ausgewählte römische Gräber aus Köln. In: Bonner Jahrbücher 114/115, 1906, S. 379–434 (Digitalisat) Die augusteische Töpferei auf dem Fürstenberg. In: Bonner Jahrbücher 122, 1912, S. 343–362 (Digitalisat) Provinzialmuseum in Bonn. Die mittelalterlichen und neueren Münzen. Cohen, Bonn 1916 Römische Sigillatatöpferei und Ziegelei bei Sinzig. In: Bonner Jahrbücher 124, 1917, S. 170–191 (Digitalisat) Römerstraßen der Rheinprovinz. Schröder, Bonn und Leipzig 1923; 2. Auflage 1931 (Digitalisat)

Literatur Norbert Hanel: Joseph Hagen. Ein Bonner Archäologe und Numismatiker. In: Bonner Jahrbücher Band 209, 2009, S. 3–32 (Digitalisat).

Weblinks Hagen, Josef (1877-1938) auf Propylaeum Vitae der Universität Heidelberg

Einzelnachweise

Kategorie:Provinzialrömischer Archäologe Kategorie:Numismatiker Kategorie:Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Rheinischen Landesmuseums Bonn Kategorie:Mitglied des Deutschen Archäologischen Instituts Kategorie:Person (Bonn) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1877 Kategorie:Gestorben 1938 Kategorie:Mann