Mutamaṣṣirūn (arabisch: متمصرون; Singular: Mutamaṣṣir, متمصر; wörtlich: „ägyptisiert“)Dictionary of Modern Written Arabic, S. 1070. sind Ausländer, die sich dauerhaft in Ägypten aufhalten,Rami Ginat: Jewish Identities in the Arab Middle East: The Case of Egypt in Retrospect. In: International Journal of Middle East Studies, Band 46, Ausgabe 3, August 2014, Cambridge University Press, 18. Juli 2014, S. 593–596. Über The Wikipedia Library kostenlos aufrufbar. und insbesondere solche, die von den Ägyptern im 19. und 20. Jahrhundert als Ausländer in Ägypten angesehen wurden. Während viele Ägypter die Mutamaṣṣirūn als in Ägypten lebende bzw. eingebürgerte Europäer betrachteten, setzte sich die Gemeinschaft aus Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammen, darunter Griechen, Italiener, Armenier und Malteser. Auch Personen jüdischer Abstammung wurden so bezeichnet.

Die Mutamassirun-Gemeinschaft bildete sich erstmals im frühen 19. Jahrhundert in Ägypten, im Anschluss an die Ägyptische Expedition und die Machtübernahme durch Muhammad Ali Pascha. Ab dem frühen 20. Jahrhundert wurden sie zu einem wichtigen Bestandteil der ägyptischen Gesellschaft und wurden trotz ihrer Vielfalt von ägyptischen Nationalisten meist als homogene Gruppe angesehen. Ein wichtiger Unterschied bestand zwischen den Staatsangehörigen westlicher Kolonialmächte und anderen in Ägypten ansässigen Ausländern. Die Bevölkerungsgruppen mit britischer oder französischer Staatsangehörigkeit wurden in den 1950er Jahren als Vergeltungsmaßnahme für die Suezkrise ausgewiesen. Einige von ausländischen Geschäftsführern geführte oder von ausländischen Investoren finanzierte Aktiengesellschaften, wie die Société Générale des Sucreries et de la Raffinerie d’Egypte, wurden verstaatlicht.

Nach Ägypten eingewanderte Juden betonten in der Regel ihre ägyptische Identität, während die einheimischen ägyptischen Juden die ägyptisch-arabische Vermischung in ihrer Identität hervorhoben. Zur ersten Gruppe gehörten Persönlichkeiten wie der italienisch-stämmige kommunistische Schriftsteller Marcel Israel (Marcel Shirizi), zur letzteren der Anwalt Yusuf Darwish (Karait) sowie der Gründer und der Leiter der marxistischen Zeitschrift al-Fajr al-Jadid Ahmad Saʿd Sadiq und Raymond Duwayk, die in ihren ideologischen Schriften sowie in ihrem politischen und sozialen Engagement gemäßigte panarabisch-nationalistische Tendenzen betonten.

Die Zahl der in Ägypten lebenden Ausländer belief sich zum Ende des Ersten Weltkriegs auf rund 200.000. Ihre Abwanderung wurde durch politische Instabilität, die Suez-Krise, die Abschaffung des osmanischen Kapitulationssystems und den Aufstieg des ägyptischen Nationalismus unter Gamal Abdel Nasser beschleunigt. Im Jahr 1956 erklärte der ägyptische Innenminister Zakaria Mohieddin, dass von den 18.000 britischen und französischen Staatsbürgern in Ägypten 12.000 ausgewiesen werden sollten; ihr Eigentum wurde von der ägyptischen Regierung beschlagnahmt. Als direkte Nachkommen ihrer Mutamassirun-Vorfahren leben heute noch mehr als 6.000 ethnische Griechen und 3.000 ethnische Italiener in Ägypten, und haben meist die ägyptische Staatsangehörigkeit angenommen.

Siehe auch Muhādschirūn, mekkanische Muslime, die im frühen Islam entweder vor Mohammed oder mit ihm aus Mekka nach Medina/Yathrib ausgewandert sind Pieds-noirs, Algerienfranzosen Ägyptischer Nationalismus

Einzelnachweise

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