Bennet Bronson Murdock (* 18. Oktober 1925 in New Haven; † 26. März 2022 in Toronto) war ein US-amerikanisch-kanadischer Kognitions- und Gedächtnispsychologe sowie emeritierter Professor an der University of Toronto.Bill Hockley: Bennet Bronson Murdock Jr. (1925-2022) auf psychonomic.org, abgerufen am 10. August 2026.Michael Jacob Kahana: Psychologist Bennet Murdock pioneered mathematical models of human memory auf University of Toronto vom 7. April 2022, abgerufen am 10. August 2026.

Leben Er war das einzige Kind des Yale-Mathematikers Bennet Bronson Murdock Sr. und der Pianistin Ruth Dewsbury. Er absolvierte sein Bachelor-Studium 1947 an der Yale University. 1951 promovierte er an der Yale University zum Ph.D. Der Titel seiner Dissertation, die unter der Supervision von Leonard W. Doob verfasst wurde, lautete The Effects of Failure and Retroactive Inhibition on Mediated Generalization. In seiner Zeit in Yale stand er auch in Kontakt mit Clark L. Hull.

Seine berufliche Laufbahn begann als Dozent am Institut für Psychologie der University of Vermont in Burlington, wo er bis 1964 tätig war. Während dieser Zeit stieg er zum Assistant Professor auf und leistete grundlegende experimentelle Arbeit im Bereich der Lernprozesse. Noch während seiner Zeit in Vermont veröffentlichte er seine Studie zur Kurve der seriellen Position beim freien Abruf; darin wies er Primacy- und Recency-Effekte nach, die zu einem Eckpfeiler der Gedächtnisforschung wurden. 1964 war Murdock kurzzeitig als Gastprofessor an der University of Missouri in Columbia tätig, bevor er 1965 eine Stelle an der University of Toronto annahm, wo er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1991 tätig blieb. Auch danach blieb er forschend tätig und publizierend tätig.

Werk mini|Demonstration des Primacy-Recency-Effekts In seiner bahnbrechenden Studie The Serial Position Effect of Free Recall ließ er Probanden Listen von Wörtern hören, die im Abstand von einer Sekunde vorgelesen wurden. Bei der anschließenden freien Wiedergabe (Free Recall) zeigte sich eine charakteristische U-förmige Kurve: Die ersten Wörter einer Liste werden besonders gut gemerkt (Primacy-Effekt), da sie bereits im Langzeitgedächtnis verarbeitet werden können. Die letzten Wörter bleiben ebenfalls stark im Gedächtnis, da sie sich im Moment der Abfrage noch im Kurzzeitgedächtnis befinden (Recency-Effekt). Die Wörter in der Mitte werden am häufigsten vergessen. Diese U-förmige Gedächtniskurve tritt unabhängig von der Listenlänge auf.

Er leistete auch bedeutende Beiträge zur mathematischen Modellierung des menschlichen Gedächtnisses, insbesondere durch die Entwicklung von Puffermodellen, die das Kurzzeitgedächtnis als ein temporäres Speichersystem konzipieren, welches mit dem Langzeitgedächtnis interagiert. Seine „Theory of Distributed Associative Memory“ (TODAM) sowie die Erweiterung TODAM2 lieferte den quantitativen Rahmen für das Verständnis der Enkodierung und des Abrufs von Informationen über einzelne Elemente, Assoziationen und die serielle Reihenfolge im menschlichen Gedächtnis. In diesem mathematischen Gedächtnismodell werden Gedächtnisinhalte als Vektoren gespeichert und Abrufprozesse durch Konvolution (beim Speichern) und Korrelation (beim Abruf) erklärt. Es gehört zu den globalen Matching‑Modellen des Gedächtnisses. Seine Modelle beeinflussten das Drei-Speicher-Modell von Richard C. Atkinson und Richard M. Shiffrin maßgeblich, indem sie eine mathematische Fundierung für pufferartige Kurzzeitspeicher und Wiederholungsprozesse lieferten.

Ehrungen/Positionen 2003: Norman Anderson Lifetime Achievement Award der Society of Experimental PsychologistsNorman Anderson Lifetime Achievement Award. The Society of Experimental Psychologists abgerufen am 10. August 2026. 1987: Fellow am Center for Advanced Study in the Behavioral Sciences der Stanford University 1984: Killam-Forschungsstipendium 1984: Gastwissenschaftler an der Harvard University 1970: NSF-Forschungsstipendiun für einen Aufenthalt an der University of Cambridge 1962: Forschungsstipendium der National Science Foundation (NSF) für einen Aufenthalt an der University of Cambridge 1970: Forschungsaufenthalt an der Stanford University

Privates Er war mit Anne Suttie seit 1948 verheiratet. Die Ehe hielt 35 Jahre und das Ehepaar bekam die Kinder Gregory, Katherine, Martha und Sarah Murdock. Nach der Scheidung war Jonye Feldman bis zu seinem Lebensende seine Lebenspartnerin. Er war ein passionierter Skifahrer, Radfahrer und Tennisspieler sowie ein begeisterter Wanderer, der sein Leben lang diesen Hobbys nachging. Zudem liebte er klassische Musik, insbesondere die Oper. Mit seiner Frau Anne trat er im Albacore-Segelsport an und vertrat Kanada bei drei Weltmeisterschaften.

Publikationen (Auswahl) Monografien Human Memory: Theory and Data (Experimental Psychology Series). John Wiley & Sons, Hoboken 1974, ISBN 978-0470625255.

Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge Mit Alec Solway; Michael J Kahana: Positional and temporal clustering in serial order memory. In: Memory & Cognition, 2011, 40 (2), S. 177–190. Item and Associative Interactions in Short‐term Memory: Multiple Memory Systems? In: International Journal of Psychology 2010, 34 (5-6). S. 427–433. The Terrace simultaneous chaining paradigm. In: Behavioural Processes, 2010, 83 (2), S. 176–178. Issues With the SIMPLE Model: Comment on Brown, Neath, and Chater (2007). In: Psychological Review, 2008, 115 (3), S. 779–780. Memory Models. In: Lynn Nadel (Hrsg.): Encyclopedia of Cognitive Science. Wiley, Hoboken 2006, ISBN 978-0470016190. The recall of missing items. In: Memory & Cognition, 2005, 33 (3), S. 380–388. Storage and retrieval of serial-order information. In: Memory, 2005, 13 (3-4), S. 259–266. Developing TODAM: Three models for serial-order information. In: Memory & Cognition, 1995. 23, S. 631–645. List-Strength and List-Length Effects: Reply to Shiffrin, Ratcliff, Murnane, and Nobel (1993). In: Journal of Experimental Psychology: Learning, Memory, and Cognition, 1993, 19 (6), S. 1450–1453. TODAM2: A model for the storage and retrieval of item, associative, and serial-order information. In: Psychological Review, 1993, 100(2), S. 183–203. The Past, the Present, and the Future: Comments on Section 1. In: Henry L. Roediger (Hrsg.): Varieties of Memory and Consciousness - Essays in Honour of Endel Tulving. Psychology Press, New York 1989, ISBN 978-0805805468. Mit Joan Mcdowd: Mathematical models of memory and the problem of stimulus variation: A comparison of Minerva 2 and Todam. In: Acta Psychologica, 1986, 62 (2), S. 177–188. Convolution and correlation in perception and memory. In: L.-G. Nilsson (Hrsg.): Perspectives in memory research: Essays in honor of Uppsala University’s 500th anniversary (S. 105–119). Erlbaum, Hillsdale, NJ 1979, ISBN 978-0898596281. The serial position effect of free recall. In: Journal of Experimental Psychology, 1962, 64 (5), S. 482–488. The immediate retention of unrelated words. In: Journal of Experimental Psychology, 1960, 60 (4), S. 222–234. The magical number seven, plus or minus two: Some limits on our capacity for processing information. In: Psychological Review, 1956, 63, S. 81–96.

Weblinks

Bennet B. Murdock’s research while affiliated with University of Toronto and other places auf Research Gate, abgerufen am 10. August 2026. Bennet B. Murdock auf Google Scholar, abgerufen am 10. August 2026. Serial-Position-Effekt. Utilize the beginning and the end abgerufen am 10. August 2026. DE The Serial Positioning Effect Study. Murdock (1962) auf YouTube, abgerufen am 10. August 2026.

Literatur Stephan Lewandowsky; William E. Hockley: Relating Theory and Data Essays on Human Memory in Honor of Bennet B. Murdock. Routledge, Abingdon 1992, ISBN 978-0805807325.

Einzelnachweise

Kategorie:Kognitionspsychologe Kategorie:Hochschullehrer (University of Vermont) Kategorie:Hochschullehrer (University of Missouri) Kategorie:Hochschullehrer (University of Toronto) Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Kanadier Kategorie:Geboren 1925 Kategorie:Gestorben 2022 Kategorie:Mann