mini|hochkant|Claus-Christian Hilgetag im Jahr 2025 Claus-Christian Hilgetag (* 1969 in Berlin) ist ein deutscher Neurowissenschaftler. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Computational Neuroscience, Konnektomik und Netzwerk-Neurowissenschaften. Seine Arbeiten haben zur Entstehung der Netzwerk-Neurowissenschaften als interdisziplinäres Forschungsfeld beigetragen, das Graphentheorie, Neuroanatomie und computergestützte Modellierung verbindet. Er ist Professor für Computational Neuroscience und Direktor des Instituts für Computational Neuroscience am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.
Leben und Ausbildung Claus C. Hilgetag studierte Biophysik an der Humboldt-Universität zu Berlin, wo er 1994 sein Diplom erwarb. Seine frühen Arbeiten trugen zur Entwicklung der Elementar-Flussmoden-Analyse für biochemische Reaktionssysteme bei.
Anschließend absolvierte er ein Promotionsstudium in den Computerneurowissenschaften an der Newcastle University, das er 1999 mit der Promotion zum Ph.D. abschloss. Seine Doktorarbeit beschäftigte sich mit mathematischen Ansätzen zur Gehirnkonnektivität und der Organisation kortikaler Systeme.
Karriere Im Anschluss an seine Promotion war Hilgetag als Postdoktorand und Wellcome Trust International Fellow an der Boston University tätig, wo er die kortikale Konnektivität untersuchte, einschließlich der laminären Organisation und zytarchitektonischer Einflüsse auf Gehirnnetzwerke. Seit dieser Zeit arbeitete Hilgetag intensiv mit der Neurowissenschaftlerin Helen Barbas von der Boston University zusammen, um zu erforschen, wie die kortikale Zytoarchitektur weitreichende Verbindungen im Gehirn von Primaten prägt. Ihre Arbeit trug zum „prinzipiellen architektonischen Typus“ (architectonic type principle) bei, der besagt, dass Merkmale kortiko-kortikaler Verbindungen (wie die Schichten, in denen Axone entspringen und enden) systematisch mit der laminären Struktur der beteiligten Areale variieren. Sie schlugen zudem vor, dass mechanische Zugspannungen von kortikokortikalen Fasersträngen zur Entstehung kortikaler Faltungsmuster beitragen. Ihre Zusammenarbeit gipfelte in einer Synthesearbeit mit Maria Medalla und Sarah F. Beul über die Verbindungsprinzipien des visuellen Konnektoms bei Primaten.
Im Jahr 2001 wechselte er an die Jacobs University Bremen (heute Constructor University), wo er eine Forschungsgruppe für Computational Neuroscience aufbaute. Seine Forschung dort untersuchte, wie anatomische Zwänge die Organisation und Effizienz neuronaler Systeme prägen, sowie die Beziehung zwischen anatomischer und topologischer Organisation.
Seit 2011 ist er W3-Professor für Computational Neuroscience am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, wo er das Institut für Computational Neuroscience leitet. Seine Forschung befasst sich mit der Organisation, Entwicklung und Funktion großflächiger Gehirnnetzwerke, einschließlich hierarchischer Organisation, Struktur-Funktions-Beziehungen und computergestützter Modelle der neuronalen Dynamik.
Forschung Seine Forschung konzentriert sich auf die Organisation, Entwicklung und Funktion von Gehirnnetzwerken, insbesondere auf die strukturelle Architektur des zerebralen Konnektoms. Ein Großteil seiner Arbeiten befasst sich mit der anatomischen Verdrahtung der Großhirnrinde im Allgemeinen sowie visueller Pfade im Speziellen unter Nutzung großflächiger Konnektivitätsdatensätze. Seine Forschung hat zum Verständnis der kortikalen Organisation, der Netzwerktopologie und der Prinzipien der Gehirnkonnektivität beigetragen. Zudem hat er zu Diskussionen über einflussreiche Konzepte der Netzwerk-Neurowissenschaften beigetragen, darunter die Small-World-Organisation und die kortikale Hierarchie, für die er differenziertere und biologisch begründete Interpretationen vorschlug.
Wissenschaftlicher Einfluss Hilgetags Forschung hat zu Fortschritten in der Konnektomik und den Netzwerk-Neurowissenschaften beigetragen, insbesondere in den Bereichen der kortikalen Architektur, der hierarchischen Organisation sowie der Beziehung zwischen anatomischer Struktur und funktioneller Dynamik.
Funktionen und Mitgliedschaften Hilgetag war in den Herausgebergremien (Editorial Boards) mehrerer wissenschaftlicher Fachzeitschriften tätig, darunter Philosophical Transactions of the Royal Society B, PLOS Computational Biology und Network Neuroscience.
Er ist Teilprojektleiter und Vorstandsmitglied des Schwerpunktprogramms der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) Computational Connectomics (SPP 2041).
Zudem gehört er über den Bernstein Knoten Hamburg dem Bernstein Netzwerk Computational Neuroscience an.
Auszeichnungen und Ehrungen Hilgetag wurde 2015 zum ordentlichen Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Hamburg gewählt.
Veröffentlichungen (Auswahl)
Weblinks
Wissenschaftlerprofil am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf Mitgliedsprofil bei der Akademie der Wissenschaften in Hamburg ORCID-Profil Claus C Hilgetag bei researchgate Claus C Hilgetag bei pubmed Claus C. Hilgetag bei goggle.scholar
Einzelnachweise
Kategorie:Neurowissenschaftler Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1969 Kategorie:Mann