mini|Draisbrunnen, 2015 Der Draisbrunnen, auch Drüsselbrunnen oder Drusebrunnen bzw. Drususbrunnen, ist eine Brunnenanlage in Bingen am Rhein in der Mainzer Straße. Die Anlage ist Teil der Route der Industriekultur Rhein-Main Bingen am Rhein.

Namensherkunft Trotz der verschiedenen Namen, die der Brunnen über die Jahrhunderte hinweg erhielt, ist „Draisbrunnen“ die gängigste Bezeichnung.

Das althochdeutsche Wort „Drais“ bezeichnet einen Sumpf. Am heutigen Standort der Brunnenanlage befand sich vor langer Zeit ein Sumpfgebiet. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt auch Rudolph Friedrich Christian Hergt, der davon ausgeht, dass der Namensteil „Drais“ althochdeutschen bzw. keltischen Ursprungs sei und mit den Begriffen „Quelle“, „Wasser“ oder einem feuchten Ort zusammenhänge. Hergt greift hier die Beschreibung Karl Simrocks auf, der das Wort „Drais“ mit der Bedeutung „durch aussprudelnde Quellen versumpftes Land“ gleichsetzt.

Laut Hans-Jörg Koch und Rudolf Engelhardt ist der Name „Draisbrunnen“ wahrscheinlich durch eine Umformung des Wortes „Drusus“ entstanden, was sich jedoch wegen fehlender Quellen nicht als gesichert annehmen lässt. Hergt hingegen zieht eine Parallele zum Drusenloch, wobei die Bezeichnung „Drus“ in mythischen Erzählungen einen bösen Geist oder Teufel beschreibt. Im Falle des Drususbrunnens hält er diese These allerdings für unwahrscheinlich.

Den Namen „Drususbrunnen“ erhielt die Anlage aufgrund der Annahme, dass der Brunnen bereits von den Römern unter Drusus erbaut worden sei. Der Autor Hergt bezeichnet in seinem Werk Rheinischer Antiquarius aus dem Jahr 1870 diese Hypothese ausdrücklich als falsch. Die Annahme, es handle sich um einen durch die Römer erbauten Brunnen basierend auf den Namen „Fons Drusi“ (deutsch für: Quelle des Drusus) bzw. „Drususbrunnen“ reiche nicht aus, um einen römischen Ursprung zu belegen. Hergt zieht hier Parallelen zu dem Draistor in Bingen. Wie auch bei der Drususbrücke sei der Name „Drusus“ in Bingen fest verankert, obwohl die Brücke aus dem Mittelalter stammt. Vor dem 19. Jahrhundert wurde die Drususbrücke als „Nahebrücke“ bezeichnet. Wäre demnach der Name „Drais“ aus dem Wort „Drusus“ hervorgegangen, so müsste auch die Drususbrücke heute unter dem Namen „Draisbrücke“ bekannt sein.

Lage Der Brunnen befindet sich in Bingen am Rhein in der Mainzer Straße bei der Hausnummer 52 unterhalb des Amtsgerichts.

Geschichte Die Überlieferung, der Brunnen sei möglicherweise von den Römern erbaut worden, lässt sich nicht eindeutig belegen. Einzelne Quellen geben an, dass es sich beim Draisbrunnen um den Überrest einer römischen Wasserleitung handelt. Hergt zweifelt dies jedoch an und geht davon aus, dass die Annahme, es handle sich um ein römisches Bauwerk, aus seinem römischen Namen Drususbrunnen resultiere. Laut Rudolf Engelhardt handelt es sich beim Draisbrunnen um eine römische Hauptanlage mit mittelalterlichen oder nachrömischen Stollen bzw. Quellfassungen, die das Quellwasser vom Rochusberg zum Draisbrunnen führten. Diese erschlossen neues Quellwasser und sorgten für eine Optimierung der Wasserführung. Erstmals erwähnt wird der Draisbrunnen im Jahr 1158. Ab dem 16. Jahrhundert wurde Wasser des Draisbrunnens zu Brunnen in der Innenstadt, darunter zum Marktbrunnen auf dem Speisemarkt, durch unterirdische Röhren geleitet. Die teilweise aus der Römerzeit stammenden Röhren wurden in den 1830er Jahren bei Reparaturarbeiten stark beschädigt und durch neuere ersetzt. Hergt zweifelt jedoch an, dass die entfernten Röhren tatsächlich aus der Römerzeit stammten und geht davon aus, dass die Verbindung zu den Römern lediglich auf dem Namen „Drususbrunnen“ beruhe.

Baubeschreibung mini|Brunnenanlage Die Brunnenanlage wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrmals durch Kriege zerstört und musste daher mehrmals wiederaufgebaut werden. Daher wurde der Draisbrunnen immer weiter ausgebaut und gleichzeitig weitere Wasserquellen erschlossen. Sein heutiges Aussehen erhielt der Brunnen um 1800 während der Zeit unter französischer Herrschaft. Die Fassade des Brunnens ist schlicht und im Stil des Empire gehalten. Die bogenförmige Nische aus Sandstein umfasst den Ausfluss, der in Form eines Chimärenkopfes gestaltet ist. Links neben der Brunnenfassade befindet sich der Eingang zur Brunnenkammer, der ebenfalls zum dahinterliegenden begehbaren Stollen und Wasserreservoir führt. Der Stollen, der 300 bis 400 Meter lang ist, beinhaltet eine Wasserleitung aus dem Mittelalter. Der Kanal im Stollen weist eine Länge von ungefähr 150 Metern gegen den Rochusberg auf. Er ist ca. 1,25 Meter breit und über 2 Meter hoch. Die Wände sowie der Boden weisen ein Gussmauerwerk auf, die Wölbung besteht aus Backstein.

Eine Sanierung der Brunnenanlage fand im Jahr 2001 statt, bei der Kalksinter aus den Zuführungsrinnen entfernt wurde.

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Einzelnachweise

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