Der Zigöllerkogel (auch der Zigöller) ist ein hoher Berg des westlichen Grazer Berglands in der Steiermark in Österreich.
Der Berg gehört zur Stadtgemeinde Köflach und erhebt sich am nördlichen Rand von deren Stadtzentrum. Er ist von altpaläozoischem Bänderkalk geprägt und umfasst eine Lagerstätte für Eisen, Mangan und Lithiummetall. An seinen felsigen Hängen im Westen und Südwesten befinden sich über 80 Höhlen, darunter die Bärenhöhle, das Dachsloch, die Fleischhackerhöhle, der Heidentempel und das Ochsenloch. In den Höhlen wurden bedeutende prähistorische Funde gemacht, die bis in die Altsteinzeit zurückreichen. Die letzte Kaltzeit hinterließ Spuren in Form von Knochen von zum Teil ausgestorbenen Tierarten. Der Heidentempel diente in römischer Zeit wahrscheinlich als verborgene Grab- oder Kultstätte und ist seit 1931 als Naturdenkmal ausgewiesen. Seinen Namen hat der Zigöllerkogel von einem nicht mehr bestehenden Bauernhof, dessen erster namentlich bekannter Besitzer Peter Zyköller 1493 urkundlich genannt wurde. Ab 1950 gab es eine permanente Schisprungschanze am Nordosthang, die 1963 aufgegeben wurde. Im Jahr 1986 wurde das rund 30 ha große Naturschutzgebiet Zigöllerkogel gegründet. Der Berg ist ein Refugialraum für seltene Tier- und Pflanzenarten. Er ist großteils bewaldet, ergänzt durch Felsfluren und Trockenrasen.
Lage und Umgebung Der Berg erhebt sich im Gemeindegebiet von Köflach im Bezirk Voitsberg. Nahe Gipfel bilden der hohe Franziskanerkogel im Südwesten und der hohe Krugkogel im Südosten. Der Zigöllerkogel gehört zum Einzugsgebiet des Gradnerbachs. Richtung Süden fällt sein steiler Bergkegel fast 250 m zum Stadtzentrum von Köflach ab. Er nimmt eine Länge von etwa 1200 m und eine Breite von etwa 700 m ein. Seine Kammlinie verläuft von Nordnordwest nach Südsüdost. Im Westen und Südwesten weist er steile felsige Hänge auf.
Das gleichnamige Naturschutzgebiet Zigöllerkogel erstreckt sich über den Gipfelbereich und die westlichen Hänge. Es ist 30,193 ha groß. Der Zigöllerkogel-Rundweg ist ein Wanderweg am Fuß des Bergs.
Geologie In geologischer Hinsicht befindet sich der Berg überwiegend in einem von altpaläozoischem Bänderkalk geprägten Gebiet. Dieses ist Teil des schwachmetamorphen Grundgebirges des oberostalpinen Decken-Stockwerks. Der Gipfelbereich besteht aus feinkristallinem und deutlich gebänderten Schöcklkalk. An der Südflanke finden sich unter anderem Phyllitschiefer, karbonatführender Sandstein, feinkörniger Quarzit, dunkler Kalkstein und zuckerkörniger Dolomit aus dem Mesozoikum. Die Lagerstätte Zigöllerkogel (Köflach) umfasst die Rohstoffe Eisen, Mangan und Lithiummetall.
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Es gibt mindestens 80 Höhlen im Zigöllerkogel, von denen fast alle an der felsigen Südwest- und Westseite des Bergs zu finden sind. Zu den bedeutendsten zählen die Bärenhöhle, das Dachsloch, die Fleischhackerhöhle, der Heidentempel und das Ochsenloch. Bei vielen weiteren handelt es sich um Kleinhöhlen. Die Höhlendichte ist jener des mittelsteirischen Tannebenstocks vergleichbar.
Das steile und brüchige Terrain macht manche der Höhleneingänge nur schwer erreichbar. Erste bedeutende speläologische Untersuchungen erfolgten 1906 durch Hermann Bock, der den Berg erneut 1930 in Begleitung von Georg Kyrle aufsuchte, um Höhleneingänge im Katastralplan der Gemeinde einzutragen. Zu weiteren systematischen Forschungsarbeiten kam es in den frühen 1950er Jahren durch Karl Murban und Maria Mottl. Bei einer Höhlenbestandsaufnahme im Frühjahr 1969 wurden 53 Höhlen erfasst und 24 vermessen, darunter acht mit einer Länge von über 50 m.
Bärenhöhle Die Bärenhöhle wird auch als Bärenloch und als Rinneloch bezeichnet. Ihr Eingang ist gegen Westen gerichtet und befindet sich etwa 85 m oberhalb des Gradnerbachs. Die Ganglänge beläuft sich insgesamt auf 123 m. Die ersten 20 m hinter dem Eingang bildet ein gewundener, aber gut passierbarer Erosionsgang. In den engen hinteren Teilen der Höhle entstanden viele Tropfsteine und Sinterbecken. In der Bärenhöhle wurden einige wenige Knochen des ausgestorbenen Höhlenbären (Ursus spelaeus) gefunden.
Dachsloch Das Dachsloch liegt im selben Höhlenniveau wie die Bärenhöhle. Sein Eingang befindet sich 105 m über dem Talborden und öffnet sich Richtung Süden. Seine Ganglänge beträgt 53 m. Die enge Höhle verläuft gewunden nordwärts und ist hoch mit Sedimenten angefüllt. Mehrere Sickerwasser-Röhren münden im Dachsloch. Diese sorgten gemeinsam mit der Außenverwitterung für eine nischenförmige Erweiterung im Eingangsbereich. Die Höhle ist mit der etwas höher gelegenen kleinen Falken- oder Geierhöhle verbunden. In mit Frostschutt durchsetztem Lehm im Dachsloch wurden in geringem Maß die Reste von Tieren gefunden, etwa vom Elch (Alces alces), vom Rentier (Rangifer tarandus) und vom Höhlenbären (Ursus spelaeus).
Fleischhackerhöhle mini|links|Der verschlossene Zugang zur Fleischhackerhöhle
Der Zugang zur Fleischhackerhöhle – auch Drachenhöhle, Fleischerhöhle und Zigöllerhöhle genannt – liegt am Fuß des Zigöllerkogels im Gradnerbachtal. Er ist durch eine Metalltüre verschlossen. Mit einer Ganglänge von alles in allem 432 m handelt es sich um die längste, zudem um die einzige wasseraktive Höhle im Berg. Im Inneren befinden sich stehende und fließende Gewässer, die in trockenen Sommern versiegen, sowie kleine Grotten und tropfsteinreiche Gänge. Der Name der Höhle bezieht sich auf den Fleischhackerbauern, der in der Nähe eine Keusche bewohnte und dessen Sohn sich im 19. Jahrhundert mit einer Grubenlampe als Höhlenführer betätigte. Der Fleischhackerbauer soll später Fleischreste in der Höhle entsorgt haben, weshalb aus dem Höhleneingang ein starker Gestank aufstieg.
Einer Sage nach lebt ein Lindwurm in einem See im Inneren des Zigöllerkogels. Wenn es dem Lindwurm gelänge, sich vollständig durch den Fels zu beißen, soll sich der See entleeren und das Tal überschwemmen. Der Höhlenforscher Hermann Bock stieß 1906 auf einen See in der Fleischhackerhöhle und brachte ihn mit der Sage in Verbindung. Weitere bedeutende Erkundungen der Höhle erfolgten in den 1980er Jahren durch Anton Schildberger.
Heidentempel mini|hochkant|Eingang zum Heidentempel
Der Eingang des als Naturdenkmal ausgewiesenen Heidentempels befindet sich ungefähr 50 m über dem Talboden am Fuß einer monumentalen Felswand, etwa auf demselben Niveau wie jener des Ochsenlochs. Er ist stark zerklüftet. Der Heidentempel weist eine Gesamtlänge von 215 m auf. Der Hauptgang ist durchschnittlich 2 m hoch und 1,5 m breit. Er wird von kluftartigen Quergängen gekreuzt.
In der Höhle finden sich Relikte aus der römischen Antike. Damals wurde die Höhle abschnittsweise künstlich erweitert. Es sind die Reste eines römischen Wandreliefs vorhanden, das ursprünglich zwei bis drei Frauenfiguren zeigte und das später großteils zertrümmert wurde. Wahrscheinlich war der Heidentempel eine verborgene römische Grab- oder Kultstätte, die vielleicht von Christen zerstört wurde.
Ochsenloch Das Ochsenloch – auch Ochsenstall, Luegloch und Studentengrotte – ist eine domartige Halbhöhle mit einem großem trichterförmigen Portal. Ihr Ausgang ist nach Nordwesten ausgerichtet. Das Portal ist 8 m hoch. Es führt zu einer Halle mit einer Höhe von 9 m, einer Länge von 12 m und einer Breite von 13 m. Dahinter schließt ein enger, verstopfter Gang an. Die Gesamtlänge der Höhle beträgt 34 m.
Im Lehm und Sand des Ochsenlochs wurden die Überreste zahlreicher Tiere aus der letzten Kaltzeit gefunden, darunter die Arten Höhlenbär (Ursus spelaeus), Rentier (Rangifer tarandus) und Steppenpfeifhase (Ochotona pusilla). In den 1860er Jahren lebte eine Frau mit ihrer Tochter und deren Zwillingen in der Höhle, bis der Gemeindevorsteher sie von dort vertrieb. In jüngerer Zeit wurden im Ochsenloch Kletterrouten markiert und Klettersicherungen angebracht.
Name Der Name Zigöllerkogel ist eine Zusammensetzung aus dem Eigennamen Zigöller und dem geographischen Begriff Kogel. Der Zigöller war ein Bauernhof in Gradenberg beziehungsweise ein davon abgeleiteter Vulgoname. Als erster namentlich bekannter Besitzer wurde im Jahr 1493 Peter Zyköller genannt. Der leerstehende Bauernhof wurde Ende der 1980er Jahre abgerissen.
Geschichte Der Zigöllerkogel zählt zu den wichtigsten prähistorischen Fundplätzen in der Steiermark. Die ältesten Siedlungsspuren stammen aus der Altsteinzeit. Es handelt sich um bei Grabungen entdeckte Tierknochen in zwei Höhlen. Im Heidentempel wurden Topfscherben der Urnenfelderkultur identifiziert. Diese Höhle ist auch für ihre Funde aus der römischen Antike von Bedeutung. Neben den bereits beschriebenen Reliefs wurden hier Bronze-Fibeln, Glas- und Gefäßscherben sowie zahlreiche Ringe und Münzen entdeckt. Im Ochsenloch wurden viele gemusterte Gefäßstücke aus der Hallstattzeit gefunden.
In späteren Zeiten wurden wiederholt Tote und Verletzte durch Abstürze vom Berg dokumentiert. Am 19. April 1896 starb der siebenjährige Sohn des Grundbesitzers Anton Holzmann aus Graden, als er beim Blumensuchen über einen etwa 40 Meter hohen Abhang in die Tiefe stürzte. Am 29. März 1903 stürzte der Realschüler Engelbert Teng beim Aurikelpflücken ab. Seine Leiche wurde zwischen einem Felsblock und einer Tanne gefunden. Am 22. April 1928 unternahm der 17-jährige Handelslehrling Josef Leitinger aus Köflach mit drei weiteren Lehrlingen eine Wanderung auf den Zigöllerkogel. Beim Pflücken von Petergstamm stürzte er vor den Augen seiner Begleiter 20 Meter in den Tod. Am 8. Mai 1932 fiel die Lehramtskandidatin Friedl Haagn beim Blumenpflücken 20 Meter in die Tiefe und wurde dabei schwer verletzt.
Das Bundesdenkmalamt erklärte den Heidentempel per Bescheid vom 25. Juni 1931 zum Naturdenkmal. Während des Zweiten Weltkriegs wurden zwei große Luftschutzstollen an der Südostseite in den Berg gesprengt. Diese dienten der Belegschaft der Glasfabrik Stölzle und den Bewohnern naheliegender Häuser als Unterschlupf bei Fliegeralarm.
mini|Reste der Schisprungschanze am Zigöllerkogel