mini|Gutshaus Mahlsdorf um 1920. Das Gutshaus Mahlsdorf ist ein denkmalgeschütztes Herrenhaus in Mahlsdorf, einem Ortsteil der Gemeinde Wiesenburg/Mark im Landkreis Potsdam-Mittelmark in Brandenburg.
Lage Das Bauwerk befindet sich östlich der Mahlsdorfer Straße, die von Reetz aus in nördlicher Richtung führt.
Geschichte Mahlsdorf wurde 1388 erstmals urkundlich erwähnt, fiel aber kurz darauf bereits wüst. Es gelangte vor 1487 in den Besitz der uradeligen Brandt von Lindau; dort erschien es erneut im Jahr 1554 als wüste Dorfstätte und bestand vor 1575 aus einem Vorwerk mit einer Schäferei. rahmenlos|rechts|hochkant=0.3|Brand von Lindau. Während und nach dem Dreißigjährigen Krieg war das Rittergut Mahlsdorf zeitweilig der Wohnsitz der Brandt von Lindau. In der Mitte des 17. Jahrhunderts lebte Wolf Dietrich Brandt von Lindau in eher bescheidenen Verhältnissen: Ein Inventar aus dem Jahr 1651 listete lediglich ein Wohnhaus mit einer Stube, zwei Kammern und einer Küche auf. Zum Haus gehörte nach wie vor ein Schafstall, eine Scheune, ein Teich, ein Hopfengarten sowie zwei Heideländer, die mit Buschwerk bewachsen waren. Auf dem Rittergut wurden dennoch wichtige Beschlüsse gefasst, darunter der Kauf Wiesenburgs zwischen Adam Friedrich von Brandt und seinem Bruder Benno Friedrich im Jahr 1725. Das Wohnhaus hingegen drohte 1755 einzustürzen, nachdem es ohne Fundament errichtet worden war. Die Fertigstellung des Neubaus erlebte Adam Friedrich jedoch nicht mehr; er starb 1756.Ursula Focke: Das Schloss und der Park Mahlsdorf, In: Gemeinde Wiesenburg/Mark (Hrsg.): 3 Dörfer in der Brandtsheide, inmitten des „Hohen Flämings“: Festschrift zum Jubiläum. Erfassung BLHA, Wiesenburg [um 2011], S. 26–27. Das Rittergut mit dem 1762 noch nicht fertiggestellten Gutshaus ging an die Schwiegersöhne Adam Friedrichs über, die den Familien von Watzdorf und von Trotta genannt Treyden angehörten. Letzte zogen im Jahr 1765 nach Mahlsdorf. Für 1777 sind keine Einwohner verzeichnet; die Trotta genannt Treyden waren nicht häufig vor Ort, so dass das Rittergut von Inspektoren verwaltet wurde. Im Jahr 1830 werden folgende Besitzer genannt: Fräulein Henriette Friederike Wilhelmine von Trotta genannt Treyden, Frau Geheimrätin von Bünau, Henriette Auguste Ernestine geborene von Trotta genannt Treyden und die verwitweten Frau Stallmeister Friederike Louise Amalie von Goldacker geborene von Trotta genannt Treyden.Amtsblatt der Königlichen Regierung Regierung zu Potsdam und der Stadt Berlin. 1830. Potsdam 1830, S. 236. rahmenlos|rechts|hochkant=0.3|Wappen Fam. v. Goldacker. Das Gutshaus wurde um 1840 erneuert. Kurz darauf übernahm im Jahr 1846 das Adelsgeschlecht von Goldacker das Rittergut und Dorf, es waren Nachfahren des Generalmajors Christian Willibald von Goldacker vom Gut Weberstedt. Auch für seine Familie war es nur ein Zweitwohnsitz, da sie ihr Hauptgut mit Uf(f)hoven in Thüringen hatten. Unter dem preußischen Kammerherr Ernst Willibald von GoldackerHandbuch über den Königlich Preußischen Hof und Staat für das Jahr 1881/82. In Kommission R. (L). v. Decker`s Verlag Marquardt 6 Schenck, Berlin 2. August 1881, S. 16. wurde der Zweitwohnsitz in der Mitte des 19. Jahrhunderts ausgebaut und in Richtung Osten durch eine Loggia ergänzt. Er und seine Gattin gestalteten es zu einem repräsentativen Wohnsitz um und statteten es mit zahlreichen Kunstgegenständen aus. Nach der Auflösung der Landwirtschaft im Jahr 1864 wurden die südlich vor dem Herrenhaus befindlichen Wirtschaftsgebäude abgerissen und teilweise an der Nordseite neu aufgebaut. An der südlich gelegenen Stelle entstand ein Park mit einer Gärtnerei. Um 1880 ist der Besitz des Kammerherrn von Goldacker mit 1849 ha ausgewiesen, davon 1561 ha Wald. Reprint: ISBN 3-226-00787-4.
Am 12. Juli 1892 starb Ernst Willibald von Goldacker und wurde in der Mahlsdorfer Familiengruft beigesetzt. Er war mit Emilie geb. von Bünau verheiratet. Ihre früh verstorbene Tochter Editha heiratete Alexander Graf von Wartensleben und war aktiv in der Diakonie in Berlin tätig, stiftete ein Editha-Haus in Berlin-Neukölln als Teil des dortigen Evangelischen Johannis-Stiftes.Vgl. C. Herrlich: Wochenblatt der Johanniter-Ordens-Balley Brandenburg. Jahrgang 32, Nr. 33, Julius Sittenfeld-Carl Heymanns Verlag, Berlin den 19. August 1891, S. 198. Graf Wartensleben wiederum gab damals 2500 Mark.Johann Hinrich Wichern: Fliegende Blätter aus dem Rauhen Hause zu Horn bei Hamburg. Organ des Central-Ausschusses für die Innere Mission der deutschen evangelischen Kirche. Achtundzwanzigste Serie, Verlag der Agentur des Rauhen Hauses, Hamburg 1871, S. 173.
In der Nacht vom 6. auf den 7. Februar 1899 brach in den oberen Räumen des linken Flügels ein Feuer aus. Dieser ältere Teil des Gebäudes war mit viel Holzwerk errichtet worden, so dass sich der Brand schnell ausbreiten konnte. Dem Forstverwalter Lösch aus Alte Hölle ist es zu verdanken, dass das Feuer nach rund sechs Stunden gelöscht werden konnte. Die Löscharbeiten wurden durch den Umstand begünstigt, dass nur wenige Jahre zuvor eine motorbetriebene Wasserleitung genutzt werden konnte. Im Jahr 1903 kam es erneut zu Umbauarbeiten am Gebäude. Kurz darauf starb die Eigentümerin, Constanze von Bülow geborene von Goldacker,Hans Rudolf Hiort-Lorenzen, Anders Thiset: Danmarks Adels Aarbog. Jahrgang (Aargang) 25, Verlag Vilh. Trydes Boghandel, Kopenhagen 1908, S. 100.Vgl. Ad. M. Hildebrandt: Der Deutsche Herold. Jahrgang XXXVI, Nr. 10, Hrsg. Herold (Verein), Mit: Familien-Nachrichten. Carl Heymanns Verlag, Berlin Oktober 1905, S. 168. am 5. August 1904 in Berlin, ihrem Wohnort. Auch sie wurde auf dem FamiliengrabErwähnung Grabstätte v. Goldacker, In: Emil Albrecht: Wanderbuch für die Mark Brandenburg und angrenzende Gebiete. I: Nähere Umgebung Berlins. In: Alexius Kießlings Reisebücher. Selbstverlag von Alexius Kiessling, Berlin 1901, S. 50. der von Goldacker in Mahlsdorf beigesetzt. mini|hochkant=0.3|Wappen Fam. v. Schwerin. mini|hochkant=0.4|links|Wappenfenster der Mahlsdorfer Gutsherren u. Patronats d. Dorfkirche Reetz. Nach dem Tod Constanzes fiel das Rittergut samt Herrenhaus zunächst an ihre Cousine, an Amélie von Schwerin geb. von Tschirschky und Bögendorff, verheiratet mit dem Generalleutnant und Schriftsteller Otto von Schwerin, Gutsherrin war aber Frau Generalin.Fritz Graf von Schwerin: Mitteilungen der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft. 1910. Nr. 19, L. Beissner, Bonn-Poppelsdorf/Wendisch-Wilmersdorf 1910, S. 393. Die Familie des Generals wohnte zuletzt durchweg im Herrenhaus.Red. Lindenberg: Johanniter-Ordensblatt. Amliche Monatsschrift der Balley Brandenburg des Johanniterordens. Nr. 3, Jahrgang 49, Julius Sittenfeld-Carl Heymanns Verlag, Berlin März 1908, S. 18. Später ging das Gutseigentum, welches zur Erbregelung zum Familienfideikommiss bestimmt wurde, an ihren Sohn Curt-Christoph von Schwerin; damals Rittmeister und aktiver Offizier in Potsdam.Siehe: Walter von Leers: Die Zöglinge der Ritterakademie zu Brandenburg a.H. 1705–1913. Hrsg. Verein der ehemaligen Zöglinge der Ritterakademie zu Brandenburg a. H., P. Riemann, Selbstverlag, Brandenburg a.H./ Ludwigslust 1913/1914, S. 373. Nr. 1628.Vgl. Walter von Leers: Die Zöglinge der Ritterakademie zu Brandenburg a.H. Fortsetzung und Ergänzungen. 1912–1929. Hrsg. Verein ehemaliger Zöglinge der Ritterakademie zu Brandenburg a.H., P. Riemann-Ludwigslust, Belzig/Brandenburg a.H. 1929, S. 51 f. Nr. 1628. SeinErnst Seyfert: Güter–Adreßbuch für die Provinz Brandenburg. . Verzeichnis sämtlicher Rittergüter, Güter und größeren Bauernhöfen. Handbuch der Königlichen Behörden. Nach amtlichen Quellen und auf Grund direkter Angaben bearbeitet. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band VII, 2. Auflage, Reichenbach`scher Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1914, S. 202–203. Rittergut Mahlsdorf war 1914 etwa 1923 ha umfangreich, 1929 ähnlich mit 1905 ha. Als Verwalter agierte Oberförster Breuer.Ernst Seyfert, Hans Wehner, Alexander Haußknecht, GF Ludwig Hogrefe: Landwirtschaftliches Adreßbuch der Rittergüter, Güter und Höfe der Provinz Brandenburg. . Verzeichnis sämtlicher Rittergüter, Güter und Höfe von ca. 20 ha aufwärts, Mit Unterstützung von Staats- und Kommunalbehörden, sowie des Brandenburgischen Landbundes zu Berlin, sowie der Kreislandbünde. Nach amtlichen Quellen und auf Grund direkter Angaben bearbeitet. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band VII, 4. Auflage, Band Regierungsbezirk Potsdam. Kreis Zauch-Belzig, (Letzte Ausgabe-Paul Niekammer-Reihe), Verlag Niekammer’s Adreßbüchern GmbH, Leipzig 1929, S. 175. C. C. von SchwerinGothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der Deutschen Adelsgenossenschaft (DAG). Teil A (Uradel). 1938. Jahrgang 111, Justus Perthes, Gotha November 1937, S. 225. heiratete 1936 in Baruth (Oberlausitz) die Gräfin Margarethe von Graevenitz, sie hatten keine Nachfahren.
Herr von Schwerin war Kavallerie-Offizier und ließ nach dem Volksmund seine Pferde im Park frei umherlaufen, und unter großen Eichen beerdigen. Bereits im Zweiten Weltkrieg musste er den Besitz fast aufgeben, blieb aber Eigentümer. Denn seit 1941 war u. a. das japanische Generalkonsulat aus Berlin mit einem großen Mitarbeiterstab durch das Auswärtige Amt nach Mahlsdorf einquartiert worden. Seinen 60. Geburtstag konnte der Gutsbesitzer C. C. von Schwerin, häufig nach seinem Besitz auch von Schwerin-Mahlsdorf genannt, im August 1945 in Mahlsdorf begehen. Dann folgten Verhaftung und Kriegsgefangenschaft in der Sowjetunion, Entlassung Dezember 1949. Der Major d. R. und Rechtsritter des Johanniterordens starb 1966 in Westerham Oberbayern.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gutshaus geplündert und teilweise verwüstet. Im Jahr 1946, andere Quellen nennen das Jahr 1947, wurden in den verbliebenen Räumlichkeiten ein Kinderheim eingerichtet, das 1952 zu einem Landeskinderheim mit einer Sonderschule für schwer erziehbare Kinder umgebaut wurde. Bis zu 70 Kinder konnten in den Klassen 1 bis 4 von einem Lehrer unterrichtet werden. In den folgenden Jahrzehnten verlor das Gebäude durch nutzungsbedingte Umbauten zunehmend seinen ursprünglichen Charakter.
Baubeschreibung Das zweigeschossige Herrenhaus, in keinem bekannten Architekturführer beschrieben, besitzt zehn Achsen und wird von einem Walmdach abgeschlossen. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Bau nach Osten durch eine Loggia erweitert.
Literatur Besitz Ingrid Reisinger, Walter Reisinger: Bekannte, unbekannte und vergessene Herren- und Gutshäuser im Land Brandenburg. Berlin 2013, ISBN 978-3-87776-082-6. Beate Schubert: Reetzerhütten – ein Dorf in der Brandtsheide: Beiträge zur Geschichte. Hrsg. Gemeinde Reetzerhütten, Verlag-Komplettservice für Druckerzeugnisse Frank Schroeder, Berlin 2000, S. 45 ff. Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil V: Zauch-Belzig. In: Staatsarchiv Potsdam (Rechtsfolge BLHA) (Hrsg.): Veröffentlichungen. Band 14; Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1977.Nachdruck: Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-82-2, S. 254–255. Kgl. Preuß. Kammergericht (Hrsg.): Topographie der Untergerichte der Kurmark Brandenburg und der dazugeschlagenen Landestheile. Ludwig Oehmigke, Berlin 1837, S. 4.
Literatur Besitzer Curd Christoph von Schwerin (Hrsg.): Fünfter Nachtrag zur Geschichte des Geschlechts von Schwerin. Hrsg. v. Schwerinscher Familienverband, Mitarbeit: Annegret Gräfin von Schwerin, Hagen Volker Graf von Schwerin u. a., Verlag Degener & Co, Neustadt an der Aisch 1. Juni 2003, S. 281–282.Hagen Graf von Schwerin: Mahlsdorf. Geschichte des Geschlechts von Schwerin. In: Gerhard Geßner, Heinz F. Friederichs (Hrsg.): Deutsches Familienarchiv. Ein genealogisches Sammelwerk. Band 56, Verlag Degener & Co. Inhaber Gerhard Geßner, Neustadt an der Aisch 1973. Tafel III, u. S. 19–21.