Anzenberg ist ein Gemeindeteil der Stadt Kemnath im Landkreis Tirschenreuth in der Oberpfalz. Der Weiler liegt am Anzenberg.

Geografie Anzenberg liegt etwa zwei Kilometer östlich von Kemnath an der Bundesstraße 22 zwischen Kemnath und Schönreuth am Anzenberg, einem Basaltkegel, dessen Felsengipfel als Anzenstein bezeichnet wird. Die Einwohnerzahl bewegte sich seit 1871 zwischen elf und zwanzig; 1987 wurden 18 Einwohner gezählt.

Geschichte Adelssitz und Landsassengut An diesem Ort bestand das Landsassengut Oberanzenberg, ein leuchtenbergisches Ritterlehen. Es erscheint seit dem späten 14. Jahrhundert urkundlich, unter anderem in den Formen Manczenperg, Anczenperg und Enczenperg; 1417 als „das gut zu dem Antzenberg, gelegen ob Schönreuth“ und 1501 als „der große Anzenberg, bey Kembnath gelegen“. Der Lehenbrief von 1639 führt als Bestand des Guts zwei Höfe, ein Gütlein, sechs Weiher sowie Wald- und Wiesenbesitz auf. Um 1785 umfasste es rund 169 Tagwerk. Zum Gut gehörte auch ein Steinbruch, der den sogenannten Anzenstein lieferte. Seine Lage galt als „rauh und winterlich“. Da es kein eigenes Wasser hatte, war es auf aufgefangenes Regen- und Zisternenwasser angewiesen. Als Landsassengut unterstand es der niederen Gerichtsbarkeit seines adeligen Besitzers, während die hohe Gerichtsbarkeit dem Landesherrn vorbehalten blieb. Die Oberpfalz zählte zu den Kerngebieten dieser landsässigen Verfassung.Landsassen. In: Johann Heinrich Zedler: Grosses vollständiges Universal-Lexicon aller Wissenschafften und Künste. Band 16, Halle/Leipzig 1737, Sp. 447–454.

Als Lehensinhaber sind nacheinander Fritz Hund (bis 1417), die von Hirschberg auf Ebnath (ab 1417) und die Löneiß (ab 1501) belegt. Ursprünglich gehörte das Gut zum benachbarten Berndorf. Die Löneiß besaßen zunächst beide Güter und verlegten ihren Sitz erst nach dem Verkauf Berndorfs ganz nach Oberanzenberg. Ob Oberanzenberg ein vollwertiges Landsassengut mit Edelmannsfreiheit war, war um 1600 umstritten: 1592 wurde der Kemnather Landrichter angewiesen, es nicht als Landsassengut passieren zu lassen, und noch 1613 bezweifelte das kurfürstliche Amt Waldeck-Kemnath, ob der Gutsinhaber Veit Christoph Löneiß rechtens ein Landsasse sei.

1617 wurde das Gut in ein Beutellehen umgewandelt. 1618 kaufte es Wolf Erasmus von Sparnberg, der mit dem Landsassenabtrag auch die gutsherrliche Gerichtsbarkeit erwarb. Sparnberg musste 1629 als Protestant im Zuge der Gegenreformation emigrieren; das Gut fiel daraufhin an die Lehensherrschaft heim und lag zeitweise wüst.

1639 wurde Oberanzenberg an Wilhelm Poschinger verliehen (Lehenbrief des Landgrafen Maximilian Adam zu Leuchtenberg vom 22. September 1639). Rund vier Jahre nach der Belehnung wurde er am 18. Dezember 1643 durch Privilegierung mit der Landsassenfreiheit unter die oberpfälzischen Landsassen aufgenommen; den Landsasseneid leistete er 1644. Mit dem Erwerb des Guts und des Landsassiats galt die Familie Poschinger in der Oberpfalz fortan als adelig und leitete davon ihren Namenszusatz „auf Oberanzenberg“ ab, den die Familie bereits im 17. Jahrhundert führte und der im Reichsadelsdiplom von 1790 erscheint. In späterer Zeit wurde dieser Zusatz nicht mehr geführt.

Das Gut wurde zeitweise von mehreren Poschingern gemeinsam gehalten. Bereits Franz Poschinger (1637–1701) besaß es zusammen mit zwei Brüdern. Das Gut verödete weitgehend. Für 1783 sind nur noch ein Haus und zehn Einwohner verzeichnet, um 1808 bestand der Gutsbezirk lediglich aus der Einöde Oberanzenberg mit dem Ökonomiepächter und zwei Taglöhnern. Mangels Hintersassen wurde nach 1818 kein Patrimonialgericht gebildet. 1821 verkauften die Poschinger das Gut an Elisabeth Louise von Cammerloher, die im selben Jahr den Gutsbesitzer Leonhard Weber heiratete.

Schloss An der Stelle bestanden nacheinander ein spätmittelalterlicher Adelssitz und ein frühneuzeitliches Schloss. Die Poschinger, deren Stammsitz in Frauenau im Bayerischen Wald liegt, ließen das Gut durch Beamte verwalten; für Aufenthalte in der Gegend nutzten sie „ein stattliches Haus in Kemnath“. Das schlossähnliche Herrenhaus galt schon vor dem Dreißigjährigen Krieg als unbewohnt und baufällig. 1641 wurde es von schwedischen Truppen unter dem Obristen Joachim Ludwig von Seckendorf niedergebrannt; der Schaden am adeligen Sitz „samt noch 5 Zimmern“ wurde auf mindestens 1500 Gulden beziffert. Karl Ritter von Poschinger beschrieb es als „ein Steinhaufen“, ein Wiederaufbau unterblieb. In den Trümmern richtete Ferdinand Karl Nikolaus – der einzige Poschinger, der je dauerhaft in Oberanzenberg wohnte – eine notdürftige Wohnung ein; um 1800 waren davon nur wenige Räume übrig, und 1820 stellte der Landrichter fest, ein „castrum“ sei nicht mehr vorhanden.

Eingemeindung Im 19. Jahrhundert gehörte Anzenberg zum Landgericht Kemnath, später zum Bezirksamt beziehungsweise Landkreis Kemnath und schließlich zum Landkreis Tirschenreuth. Bis zur Gebietsreform bildete Anzenberg zusammen mit Schönreuth und Neusteinreuth die Gemeinde Schönreuth; am 1. Januar 1972 wurden diese Orte nach Kemnath eingemeindet.

Bodendenkmal Die untertägigen Reste des Adelssitzes und Schlosses sind als Bodendenkmal in die Bayerische Denkmalliste eingetragen (Aktennummer D-3-6137-0099): „Untertägige Befunde des spätmittelalterlichen Adelssitzes und frühneuzeitlichen Schlosses Anzenberg“. Obertägig ist von der Anlage nichts erhalten.

Literatur Heribert Sturm: Kemnath. Landrichteramt Waldeck-Kemnath mit Unteramt Pressath. (= Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 40). Michael Laßleben, Kallmünz 1975, ISBN 3-7696-9902-5.

Weblinks Denkmalliste für Kemnath (PDF; 0,2 MB) beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege Anzenberg in der Ortsdatenbank Bayern (bavarikon)

Einzelnachweise Bayerisches Landesamt für Umwelt: Basalthärtling Anzenstein. In: Geotop-Kataster Bayern. Heribert Sturm: Kemnath. (= Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern. Heft 40). Kallmünz 1975, S. 56–59 (Ortsartikel „Anzenberg“) sowie Abschnitt „Die adeligen Gutsherrschaften“, Stichwort Anzenberg. Karl Ritter von Poschinger: Geschichte der Poschinger und ihrer Güter. Pullach bei Aibling 1908, S. 47–49 und 159–177 (zu Oberanzenberg). August Sieghardt: Die Poschinger in der Oberpfalz. Beziehungen zum Landkreis Kemnath und Cham. In: Die Oberpfalz. 43. Jahrgang, 1955, S. 107–108. Hermann Wagner: Die Aufschreibungen des Franz Poschinger (1637–1701) vom Glashüttengut Frauenau (= Historische Forschungshefte. Heft 2). Häupler, Sauerlach 1985, S. 6. Genealogisches Handbuch des in Bayern immatrikulierten Adels. Band XXX. Hrsg. Vereinigung des Adels in Bayern / Bayerisches Adelsarchiv. Wissenschaftlicher Kommissionsverlag, Stegaurach 2014, Artikel „Poschinger“. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 494. Denkmalliste für Kemnath (PDF). Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Bodendenkmal Aktennummer D-3-6137-0099. (Einwohnerzahlen nach Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern bzw. Gemeindeteiledatei)

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