mini|Matthäus SternerMatthäus Sterner (* 8. August 1844 in Schillingsfürst; † 4. März 1893 in Regensburg)Deutscher Hausschatz 19 (1892/93) S. 463, Nr. 65 (Online) war ein deutscher Mathematiker, Mathematikdidaktiker, Mathematikhistoriker und Pädagoge.
Leben und Werk Sterner wurde im mittelfränkischen Schillingsfürst römisch-katholisch getauft. Seine Eltern waren der Schneidermeister Joseph Sterner und dessen Ehefrau Eva geb. Abele,Taufbuch Schillingsfürst, Kreuzerhöhung (Online). die in bescheidenen Verhältnissen lebten.
Von einem Hauptlehrer in Schillingsfürst drei Jahre lang vorbereitet, besuchte Sterner von 1861 bis 1863 das Schullehrerseminar in Eichstätt und absolvierte es mit der Note 1. Von 1864 bis 1871 war er Hilfslehrer in Großlellenfeld bei Ansbach und in Ornbau sowie Lehrer an der Präparandenschule Pleinfeld. 1868 bestand er die Lehreranstellungsprüfung mit der Note 1.Wilhelm Schenz, Nekrolog auf Sterner, 1893, S. 50.
Aufgrund seiner Leistungen wurde er 1871 zum Seminarschullehrer am königlichen Schullehrer-Seminar in Lauingen (Donau) befördert.Wilhelm Schenz, Nekrolog auf Sterner, 1893, S. 50. König Ludwig II. von Bayern versetzte Sterner am 16. Mai 1874 von dort auf die vakante Position eines königlichen Seminarlehrers am königlichen Schullehrer-Seminar in Straubing.Straubinger Zeitung (Online), 16. Mai 1874, S. 2: „S. M. der König haben inhaltlich höchsten Rescripts des k. Staats-Ministeriums des Innern für Kirchen- und Schulangelegenheiten vom 8. Mai 1874 geruht, die erledigte Stelle eines Seminarlehrers am kgl. Schullehrer-Seminar zu Straubing dem Schullehrer am Schullehrer-Seminar zu Lauingen, Mathäus Sterner, vom 16. Mai 1874 angefangen in widerruflicher Weiſe allergnädigst zu übertragen.“ 1879 wird er dort als königlicher Seminarlehrer für Arithmetik, Mathematik und Methodik genannt.Jahresbericht der Lehrerbildungs-Anstalten von Niederbayern für das Schuljahr 1879/80. Lechner, Straubing 1980, S. 3 (Online).
Im Herbst 1884 erfolgte Sterners Ernennung zum königlichen Kreisschulinspektor in RegensburgRudolf Schuegraf, Nachruf auf Sterner, 1895; Schuegraf schreibt, dass diese Beförderung 8 ½ Jahre vor Sterners Tod geschah. und gleichzeitig zum königlich bayerischen Kreisscholarchen der Oberpfalz.Kreisschulrat; Leiter der Schulaufsichtsbehörde des damaligen Kreises (des heutigen Regierungsbezirks) Oberpfalz und Regensburg.Wilhelm Schenz, Nekrolog auf Sterner, 1893, S. 51.
Am 21. September 1875 wurde Sterner in der oberen Stadtpfarrei St. Rupert, Regensburg, getraut mit Anna Johanna Heindl, Tochter des Regensburger Postofficials Ernst Heindl und dessen Ehefrau Johanna geb. von Thon-Dittmer.Regensburger Wochenblatt (Online), 28. September 1875, S. 7, und Familienbogen der Einwohnermeldekarte von Matthäus Sterner (Stadtarchiv Regensburg).Johanna von Thon-Dittmer war eine Nichte des Regensburger Bürgermeisters und bayerischen Politikers Gottlieb von Thon-Dittmer und damit eine Urenkelin des Regensburger Kaufmanns und Bankiers Georg Friedrich von Dittmer. Dies geht hervor aus ihrem eigenen Trauungseintrag mit Ernst Heindl vom 30. September 1850 in der Stadtpfarrei St. Rupert, Regensburg (Trauungen 1846–1866, Online), in dem ihre Eltern Friedrich Karl von Thon-Dittmer, Hofmarksherr auf Regenstauf und Pettendorf, und Anna Rabl genannt sind. Deren Trauungseintrag vom 27. Dezember 1828 in Pettendorf (Mischbuch 1804–1832, Online) verweist auf die Eltern von Friedrich Karl, nämlich Carl Christian Thon und Friederike von Dittmer, die auch die Eltern von Gottlieb von Thon-Dittmer waren. Nach dem frühen Tod des dritten Sohnes erreichten zwei Söhne und eine Tochter das Erwachsenenalter.Familienbogen der Einwohnermeldekarte von Matthäus Sterner (Stadtarchiv Regensburg). Bereits 1887/88 litt Sterner mehrere Monate lang an Bluthusten. Ende 1892 erkrankte er schwer und starb wenig später im Alter von erst 48 Jahren. Als Todesursache wird in den Nachrufen die Brightsche KrankheitWilhelm Schenz, Nekrolog auf Sterner, 1893, S. 53. bzw. ein HerzleidenRudolf Schuegraf, Nachruf auf Sterner, 1895. angegeben.
Seine mathematikdidaktischen und schulmethodischen Werke waren so geschätzt, dass sie bald nach seinem Tod neu aufgelegt wurden. Seine Prinzipielle Darstellung des Rechenunterrichts auf historischer Grundlage, die er im Auftrag des R. Oldenbourg Verlags verfassteWilhelm Schenz, Nekrolog auf Sterner, 1893, S. 51. und deren zweiten Teil er nicht mehr vollenden konnte, ist noch heute ein hilfreiches Nachschlagewerk.
Publikationen (Auswahl) Rechenbuch für Landschulen, in sechs Heften mit einem Programm. Oldenbourg, München seit 1892; postum unter dem Titel Sterner-Lindners Rechenbuch von Johann Lindner bearbeitet und herausgegeben (zahlreiche Digitalisate sind über den Katalog der Bayerischen Staatsbibliothek verfügbar).
Programm zu dem Rechenbuche für Landschulen. Oldenbourg, München 1892 (Online).
Prinzipielle Darstellung des Rechenunterrichts auf historischer Grundlage. I. Teil: Geschichte der Rechenkunst. Oldenbourg, München und Leipzig 1891 (kein II. Teil erschienen) (Online).
Ergebnisse aus dem Unterricht in der biblischen Geschichte für die Schüler der unteren Kurse in Fragen und Antworten. Zwei Hefte: 1. Altes Testament, 2. Neues Testament. Coppenrath, Regensburg 1890.
Die Oberpfalz. Ein Leitfaden zum Unterricht in der Heimatkunde und zur Einführung in das Kartenverständnis. Coppenrath, Regensburg 1. Auflage 1888 (dort auch alle folgenden Auflagen); 2. Auflage 1892; 3. Auflage 1900 (postum bearbeitet von Eust. Großmann).
Andeutungen zur Anwendung der psychologischen Grundsätze im Volksschulunterrichte. Attenkofer, Straubing 1886 (Separatdruck aus der Methodik der Volksschule) (Online).
Das Wissensnötigste über das Volksschulwesen und die Dienstesverhältnisse der Schullehrer in Niederbayern: Für Seminaristen und angehende Lehrer zusammengestellt. Attenkofer, Straubing 1886 (Online).
Die Methodik der Volksschule unter Berücksichtigung der Schulhygiene und Schulzucht. Ein praktisches Lehr- und Handbuch für Schulseminaristen und Volksschullehrer. Attenkofer, Straubing 1880 (dort auch alle folgenden Auflagen) (Online). 2. Auflage 1882. Erschien ab der dritten Auflage 1886 unter dem erweiterten Titel Die Methodik der Volksschule unter Berücksichtigung der Schulerziehung, der Schulgesundheitspflege und Schulverwaltung. Ein praktisches Lehr- und Handbuch für Schulseminaristen und Volksschullehrer (Online). Postum wurde die vierte Auflage 1895 von Rudolf Schuegraf herausgebracht (Online).
Literatur Wilhelm Schenz: Nekrolog auf Matthäus Sterner. In: Oberpfälzer Schul-Anzeiger 15 (1893) S. 49–53 (Online).Zu Schenz siehe den Artikel im Literaturportal Bayern (Online).
Rudolf Schuegraf: Nachruf auf Sterner in der Vorrede zur vierten Auflage der Methodik der Volksschule. Attenkofer, Straubing 1895 (Online).
Archivalien Personalakt des Matthäus Sterner (57 Blatt) (Staatsarchiv Amberg, Bestand Regierung der Oberpfalz, Abgabe 1949 ff.; Link zum Bestand).
Pension der Johanna Sterner 1893–1898 (5 Blatt) (Staatsarchiv Amberg, Bestand Regierung, Kammer der Finanzen; Link zum Bestand).
Familienbogen der Einwohnermeldekarte von Matthäus Sterner (Stadtarchiv Regensburg).
Einzelnachweise/Anmerkungen
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