mini|Seidenspinnerraupen Beim Schmuggel von Seidenraupeneiern ins Byzantinische Reich handelt es sich um eine Expedition im mittleren 6. Jahrhundert, bei der zwei Mönche mit Unterstützung des Oströmischen Kaisers Justinian I. lebende Entwicklungsstadien des Seidenspinners aus dem Kaiserreich China in das Byzantinische Reich schmuggelten. Dieses begründete die Einführung einer eigenen oströmischen Seidenproduktion mit Monopolstellung.
Der Vorgang wird in der Forschung teilweise als Meilenstein der Wirtschaftsgeschichte sowie als frühe Industrie- bzw. Wirtschaftsspionage bezeichnet.
Hintergrund mini|Ausdehnung des Oströmischen Reichs unter Justinian I. mini|Sogdien in Zentralasien nördlich der Sassanidischen Staaten; Seide wurde zu dieser Zeit auch im Süden Sogdiens im Königreich von Hotan sowie auf dem indischen Subkontinent produziert Seide wurde das erste Mal im 3. Jahrhundert v. Chr. in China produziert. Im 1. Jahrhundert v. Chr. gab es bereits ein einen stetigen Import von Seide in das Byzantinische Reich. Aufgrund des Aufstiegs des Sassanidenreiches und der anschließenden Römisch-Persischen Kriege wurde die Einfuhr von Seide nach Europa deutlich schwieriger und teurer. Die Perser kontrollierten den Handel innerhalb ihres Herrschaftsgebiets und stellten ihn in Kriegszeiten vollständig ein. Als Konsequenz versuchte der byzantinische Kaiser Justinian I. alternative Handelsrouten nach Sogdien zu etablieren, welches zur damaligen Zeit ein großes Seidenproduktionszentrum geworden war: eine Route im Norden über die Krim und eine im Süden über Äthiopien. Nachdem diese Versuche erfolglos geblieben waren, musste Justinian I. sich woanders umsehen, da die Nachfrage nach diesem Luxusgut, auch in seinem engeren Umfeld, hoch war.
Expedition mini|Regionen mit Seidenproduktion in Ostasien im Jahr 560 n. Chr., zur Zeit der Nördlichen und Südlichen Dynastien bzw. der Sechs-Dynastien-Periode Zwei unbekannte Mönche – höchstwahrscheinlich Angehörige der nestorianischen Kirche –, die in Indien das Christentum gepredigt hatten (Kirche des Ostens), gelangten bis zum Jahr 551 n. Chr. nach China. Während ihres dortigen Aufenthalts beobachteten sie die aufwendigen Verfahren der Seidenraupenzucht und der Seidenherstellung. Dies war eine entscheidende Erkenntnis, da die Oströmer zuvor angenommen hatten, Seide werde in Indien hergestellt. Dem spätantiken Historiker Prokopios von Caesarea nach suchten die Mönche im Jahr 552 n. Chr. Justinian I. auf. Als Gegenleistung für seine großzügigen, aber unbekannten Versprechen erklärten sich die Mönche bereit, Seidenraupen aus China zu beschaffen. Sie reisten wohl auf einer nördlichen Route entlang des Schwarzen Meeres, die sie durch den Transkaukasus und am Kaspischen Meer vorbeiführte.
Da ältere Seidenraupen recht empfindlich sind und ständig bei einer idealen Temperatur gehalten werden müssen, damit sie nicht zugrunde gehen, nutzten die Mönche ihre Kontakte in Sogdiana, um stattdessen Seidenraupeneier oder sehr junge Larven herauszuschmuggeln, die sie in ihren Bambusrohren versteckten. Maulbeersträucher, die für Seidenraupen benötigt werden, wurden entweder den Mönchen geschenkt oder waren bereits ins Oströmische Reich importiert worden. Es wird geschätzt, dass die gesamte Expedition ca. zwei Jahre dauerte.
Auswirkungen mini|Byzantinische Seide Kurz nach der Expedition gab es Seidenmanufakturen in Konstantinopel, Beirut, Antiochia, Tyrus und Theben. Die erworbenen Seidenraupen ermöglichten es dem Oströmischen Reich, ein Seidenmonopol in Europa zu errichten. Der Erwerb durchbrach zudem die chinesischen und persischen Seidenmonopole. Das daraus resultierende Monopol bildete für die nächsten 650 Jahre bis zu seinem Untergang im Jahr 1204 die Grundlage für die Wirtschaft des Oströmischen Reiches. Seidenkleidung, insbesondere solche, die in kaiserlichem Purpur gefärbt war, war in Byzanz fast ausschließlich der Elite vorbehalten, und ihr Tragen war in Luxusgesetzen geregelt. Die Seidenproduktion in der Region um Konstantinopel, insbesondere in Thrakien in Nordgriechenland, besteht bis heute fort (siehe: Seidenmuseen von Soufli).
Einzelnachweise
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