Złotniki (deutsch Goldschmieden) ist ein Stadtteil im Westen der Stadt Wrocław (Breslau). Administrativ gehört er zur Osiedle Leśnica (Deutsch Lissa) und liegt im Tal der Bystrzyca (Weistritz).

Geographie Złotniki liegt westlich des historischen Stadtzentrums von Breslau und grenzt unter anderem an die Stadtteile Leśnica, Maślice (Masselwitz) und Jerzmanowo (Herrmannsdorf). Die Nähe zur Bystrzyca prägt die Landschaft mit Auen und Grünflächen.

Geschichte mini|Ein langsam fließender Teil der Bystrzyca im Park Złotniki (2026)

Die Ursprünge des Ortes reichen bis in das Frühmittelalter zurück. In der Umgebung haben sich die Überreste einer Wallanlage erhalten, die in die Zeit vom 9. bis zum 12. Jahrhundert datiert wird.Trzy grody z Goldsmeden. Czy Złotniki są starsze od Wrocławia? Araw Gmina Wrocław, abgerufen am 30. Juli 2026. Die älteste bekannte urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1288 und bezieht sich auf das Allodium eines Goldschmieds namens Hermann aus Breslau, von dem sich vermutlich auch der Ortsname ableitet. Im Laufe des 14. Jahrhunderts erscheinen in den Quellen die Bezeichnungen Goltsmed, Goldsmeden beziehungsweise Goldschmieden.Historia Założenie Narodowy Instytut Dziedzictwa, abgerufen am 30. Juli 2026.

Während des Mittelalters gehörte Goldschmieden zum Herzogtum Breslau und als Heimfall ab 1335 zur Krone Böhmen. Nach dem Ersten Schlesischen Krieg fiel der Ort 1742 zusammen mit dem größten Teil Schlesiens an Preußen. Seit 1871 war Goldschmieden Teil des Deutschen Reiches und eine selbständige Landgemeinde im Landkreis Breslau der Provinz Schlesien.Paul Hefftner: Ursprung und Bedeutung der Ortsnamen im Stadt- und Landkreise Breslau. Ferdinand Hirt, 1910, S. 72–73.

Über viele Jahrhunderte lebten die Bewohner Goldschmiedens von Landwirtschaft und Viehzucht. Die Einwohnerzahl nahm im 19. und frühen 20. Jahrhundert stark zu. Zählte der Ort 1845 noch rund 600 Einwohner, lebten dort 1871 bereits über 1000, 1885 etwa 1400 und 1905 mehr als 2200 Einwohner. Ausschlaggebend für dieses Wachstum waren die Ansiedlung einer Gerberei, die Gründung der Chemischen Fabrik Goldschmieden sowie die Nähe zur expandierenden Stadt Breslau.Königlich Preußisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Heft VI. Provinz Schlesien. Verlag des Königlich Statistischen Landesamts, Berlin, 1908, S. 22.

Unter Leitung des Stadtarchitekten Ernst May entstanden in den 1920er Jahren neue Wohnsiedlungen (Goldschmieden–Neukirch), ohne dass der Ort seinen ländlichen Charakter verlor. Der bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von einer Gutsbesitzerfamilie im Stil eines Englischen Landschaftsgartens angelegte Privatpark wurde unter Einbeziehung der natürlichen Auenlandschaft der Weistritz zu einem Volkspark umgestaltet.Park Złotnicki Zarząd Zieleni Miejskiej we Wrocławiu, abgerufen am 30. Juli 2026.

Ein entscheidender Einschnitt war die Eingemeindung von Goldschmieden nach Breslau am 1. April 1928 im Zuge des Groß-Breslau-Gesetzes. Damit verlor der Ort seine kommunale Selbstständigkeit und wurde Teil der schnell gewachsenen Großstadt. Während der städtebaulichen Weiterentwicklung in der NS-Zeit erhielt der Park zahlreiche Freizeit- und Sporteinrichtungen. Zudem entstanden in Goldschmieden weitere kleine Siedlungen nach überarbeiteten Typenentwürfen der gemeinnützigen Schlesischen Heimstätte im damals bevorzugten Heimatschutzstil.Goldschmieden (Wrocław-Złotniki) Szukaj w Archiwach, abgerufen am 30. Juli 2026.

Während der Schlacht um Breslau im Jahr 1945 blieb auch Goldschmieden von Zerstörungen nicht verschont. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs fiel Breslau an Polen. Die deutsche Bevölkerung wurde vertrieben und größtenteils durch polnische Zwangsumgesiedelte aus den annektierten und der Westukraine zugeordneten ehemaligen polnischen Ostgebieten ersetzt.Gregor Thum: Die fremde Stadt. Breslau 1945. Siedler Verlag, 2003, 117–170. Mit der Eingliederung in die polnische Verwaltung erhielt der Stadtteil den Namen Złotniki, eine direkte Übersetzung von Goldschmieden (: Einzahl für „Goldschmied“).Margarete Kaemmerer: Ortsnamenverzeichnis der Ortschaften jenseits von Oder und Neiße. Rautenberg, 1988, S. 300.

In den folgenden Jahrzehnten entstanden verschiedene Neubauten, während der historische Dorfkern mit Kirche, Gutshof und Teilen der alten Bebauung erhalten blieb. Spätestens ab Beginn des 21. Jahrhunderts entwickelte sich Złotniki zu einem beliebten Wohngebiet mit Einfamilienhäusern und guter Anbindung an das Stadtzentrum.Złotniki ARAW, Gmina Wrocław, abgerufen am 30. Juli 2026.

Administrativ gehörte Złotniki von 1952 bis 1990 zum Stadtbezirk Fabryczna. Nachdem Breslau 1991 die vormals fünf Stadtbezirke als Verwaltungseinheiten abgeschafft hat, wurden 48 Osiedle geschaffen (vergleichbar mit Bezirksvertretungen in Deutschland). Złotniki zählt seitdem zur Osiedle Leśnica.Wrocław: Dzielnice i osiedla Wrocławia. Podział administracyjny Onet.pl vom 8. Mai 2020, abgerufen am 31. Juli 2026.

Gewerbe Złotniki verfügt über einige wenige Gewerbebetriebe. Größter Arbeitgeber ist die Zakłady Chemiczne „Złotniki“ S.A. (die ehemalige Chemische Fabrik Goldschmieden), welche zu den ältesten Chemiewerken in Niederschlesien zählt. Das im Jahr 1865 gegründete Unternehmen ging 1880 in den Besitz von Heinrich Bergius über, dem Vater des Nobelpreisträgers Friedrich Bergius. In der Zwischenkriegszeit war das Unternehmen nach der CFK der zweitgrößte Hersteller von Aluminiumsulfat in Deutschland und beschäftigte über 800 Menschen. Das Werk produziert heute Nitrat, Magnesiumsulfat und andere Düngemittel für die Landwirtschaft.Suzanna Wycisk-Müller: Schöpferisches Schlesien von A bis Z. Engelsdorfer Verlag Leipzig, 2014, S. 20.Zakłady Chemiczne Złotniki Portalu Chemiczne Złotniki, abgerufen am 30. Juli 2026.

Sehenswürdigkeiten Der Naturpark Złotniki ist ein beliebtes Ausflugsziel der Breslauer und erstreckt sich über eine Fläche von rund 20 Hektar. Geprägt ist das Gebiet durch eine abwechslungsreiche Gewässerlandschaft mit Teichen, Seen und Flussläufen sowie durch ausgedehnte, naturnahe Waldflächen mit einem großen Bestand an alten Eichen. Der Park verbindet Naturerlebnis, Sport- und Freizeitmöglichkeiten mit archäologischen Schutzzonen.

Im Park sind die Überreste zweier frühmittelalterlicher Siedlungen mit Wasser- und Wallgräben erhalten, die durch Informationstafeln erläutert werden. Am westlichen Rand des Parks befindet sich ein deutsches Kriegerdenkmal, das an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten aus Goldschmieden erinnert.

Darüber hinaus bietet der Naturpark zahlreiche Freizeitangebote, darunter einen Basketballplatz, eine Rollerblade- und Rollschuhbahn in Form einer Acht, ein Outdoor-Fitnessstudio, Grillplätze, Motocross- und Rodelhügel, Spielplätze sowie eine Flussbadestelle. Auch Kanufahren und Rafting sind hier möglich.Odkryj Zielone Serce Wrocławia Złotnicki Przystań Złotniki, abgerufen am 30. Juli 2026.

Literatur Johann Georg Knie: Alphabetisch-statistisch-topographische Übersicht der Dörfer, Flecken, Städte und anderen Orte der Königlichen Preußischen Provinz Schlesien. Druck und Verlag von Graß, Barth & Comp., 1845. Erwin Hintze: Die Breslauer Goldschmiede. Eine archivalische Studie. Kommissionsverlag von Karl W. Hiersemann, 1906. Paul Hefftner: Ursprung und Bedeutung der Ortsnamen im Stadt- und Landkreise Breslau. Ferdinand Hirt, 1910. Christian Gündel: Die Goldschmiedekunst in Breslau. Geschichte der Goldschmiedeinnung und ihrer Meister. Steiniger-Verlag, 1942. Hugo Weczerka (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten. Band: Schlesien (= Kröners Taschenausgabe. Band 316). Kröner, Stuttgart 1977, ISBN 3-520-31601-3.

Weblinks

Historische Aufnahmen von Goldschmieden Złotniki im Stadtportal Wrocław

Einzelnachweise

Kategorie:Geographie (Breslau) Kategorie:Ort der Woiwodschaft Niederschlesien