Edith Rosenblüth (geb. 15. Dezember 1919 in Pforzheim; gest. 26. Oktober 1974 in Wien) war eine jüdische Widerstandskämpferin während des Zweiten Weltkriegs.

Werdegang Edith Rosenblüth wurde 1919 als Tochter von Salomon und Sophie Rosenblüth geboren und wuchs mit ihrem Bruder Leopold Wolf (1921–1999) in Pforzheim auf. Sie besuchte das Hilda-Gymnasium und verbrachte im Anschluss ein Jahr als Au-pair im französischsprachigen Teil der Schweiz. Zurück in Pforzheim arbeitete sie als Kauffrau in einem Schmuckgeschäft. In der jüdischen Gemeinde sang sie im Synagogenchor. Im Verlauf der Novemberpogrome 1938 wurde die Synagoge am 10. November 1938 schwer beschädigt.

Widerstand und Deportation Während des Zweiten Weltkrieges wurde Edith Rosenblüth mit ihren Eltern und weiteren 192 Angehörigen der jüdischen Gemeinde am 22. Oktober 1940 im Rahmen der Wagner-Bürckel-Aktion von Nationalsozialisten und deren französischen Kollaborateuren in das Camp de Gurs in Südfrankreich deportiert. Im Mai 1942 gelang Edith Rosenblüth mithilfe der Résistance mit ihrem späteren Mann Ernst Wexberg die Flucht aus dem Lager in ein von der ökumenischen Organisation „Amitié Chrétienne“ eröffnetes Heim für jüdische Jugendliche in Lastic-Rosans im Département Hautes-Alpes. Sie wurde erneut gefasst und am 26. August 1942 mit weiteren Mädchen und jungen Frauen in das Lager Les Milles bei Aix-en-Provence gebracht. Der Deportation in die Vernichtungslager im Osten konnte sie durch ihre erneute Flucht mit Hilfe rumänischer Kommunisten entgehen.

In Lyon schloss sich Edith Rosenblüth mit gefälschten Papieren und unter dem Namen „Solange Fournier“ der Résistance an. Im Rahmen ihrer Widerstandstätigkeit in der „Mädchenarbeit“ der „Travail allemand“ legte sie unauffällig Flugblätter an belebten Stellen der Stadt aus, wo sich Wehrmachtssoldaten aufhielten, und versuchte, Kontakt mit Soldaten aufzunehmen, um sie zur Desertion zu bewegen. Nach erneuter Verhaftung und Flucht gelangte Edith Rosenblüth, als Fremdarbeiterin getarnt, 1943 nach Wien und schloss sich dort einer kommunistischen Widerstandsgruppe an. Im Juli 1944 wurde sie verhaftet, von der Gestapo verhört und in das KZ Auschwitz deportiert. Ihr Schutzhaftbefehl trug den Vermerk „Rückkehr unerwünscht“.

Am 1. Dezember 1944 wurde Edith Rosenblüth mit Antonie Lehr und Gerti Schindel, zwei anderen im kommunistischen Widerstand aktiven Jüdinnen, in das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück transportiert, wo sie nur durch solidarische Frauen im Lager vor der Hinrichtung gerettet werden konnte. Sie wurden bei ihrer Ankunft von Genossinnen, die offensichtlich von der bestehenden Gefahr einer Ermordung wussten, im unübersichtlichen Lager versteckt. Zudem wurden den drei Frauen von den Häftlingsärztinnen Majda Persjic und Maria Grabska die Auschwitzer Häftlingsnummern entfernt, so dass sie die Identität von verstorbenen Französinnen annehmen konnten. Wochenlang wurden sie in immer wieder wechselnden Verstecken verborgen, bis die drei Frauen am 22. April 1945, getarnt als französische Häftlinge, in einem Evakuierungstransport des schwedischen Roten Kreuzes im Rahmen der Rettungsaktion der Weißen Busse aus dem Lager gebracht werden konnten. Über das KZ Neuengamme in Hamburg und Flensburg gelangten sie nach Schweden.

Weiteres Leben Edith Rosenblüths Bruder war 1935 nach Schweden emigriert, ihre Eltern waren im August 1942 in das KZ Auschwitz deportiert worden und wurden im Holocaust ermordet. Nach dem Krieg ging Edith Rosenblüth zunächst nach Paris und ließ sich danach in Wien nieder, wo sie Ernst Wexberg (1915–1992) heiratete.

Nach der Heirat und der Geburt von zwei Söhnen arbeitete sie als Fremdsprachenkorrespondentin und wohnte in der Phorusgasse 3/20. Sie engagierte sich langjährig in der Österreichischen Lagergemeinschaft Ravensbrück. Edith Rosenblüth starb 1974 in Wien und wurde dort auf dem der Feuerhalle Simmering angeschlossenen Friedhof beigesetzt.

Einzelnachweise Gerti Schindel: So wurde gekämpft. In: Österreichische Zeitung, Stockholm, vom 5. Juli 1945, Nr. 13, S. 6 (online bei ANNO)

Edith Rosenblüth. In: antifa-info.net: Dem Rad in die Speichen fallen vom 24. Oktober 2025. Abgerufen am 26. Juli 2026.

Ilse Korotin (Hrsg.): biografiA. Lexikon österreichischer Frauen. Band 2 I – O. Böhlau Verlag, Wien Köln Weimar 2016, S. 1948, 1529

Täterinnen und Täter. In: Broschüre des Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Abgerufen am 26. Juli 2026

Verfahren Edith Wexberg. In: Deutsche Digitale Bibliothek. Abgerufen am 26. Juli 2026

Brigitte und Gerhard Brändle, Oliver Stenzel: Dem Rad in die Speichen fallen. In: KONTEXT:Wochenzeitung vom 4. November 2020, Ausgabe 501. Abgerufen am 28. August 2026

Hans Landauer: Retour de exil pour résister. In: Les Autrichiens dans la Résistance. Études autrichiennes n° 4. Felix Kreissler, Paul Pasteur (Hrsg.), Université de Rouen 1997, S. 110

Rosenblüth, Edith (verh. Wexberg). In: Stadt Pforzheim. Abgerufen am 26. Juli 2026

Widerstand im Raum Pforzheim 1933 – 1945. In: Stadt Pforzheim. Abgerufen am 26. Juli 2026

Edith Wexberg. In: Mitteilungsblatt der Österreichischen Lagergemeinschaft Ravensbrück. 12. Jahrgang, November 1974, S. 9 (pdf)

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