mini|hochkant|Domenico Cucci – Pariser Kabinett, um 1675, Ebenholz, Veilchenholz, Intarsien aus Halbedelsteinen Domenico Cucci (* um 1635 in Todi; † 1705 in Paris) war ein italienischer Kunsttischler, Intarsiator, Goldschmied und Bronzegießer. Ab den 1660er Jahren war er am Hof Ludwigs XIV. in Frankreich tätig.

Leben

Domenico Cucci wurde um 1635 in Todi geboren und in Italien ausgebildet. Über den genauen Zeitpunkt seiner Übersiedlung nach Frankreich gibt es unterschiedliche Angaben. Er ist 1664 erstmals in Paris urkundlich nachweisbar. In diesem Jahr heiratete er die Tochter des Malers Paul Gougeon, wurde eingebürgert und erhielt seinen ersten königlichen Auftrag: die Ausführung zweier großer Kabinettschränke mit Darstellungen des Apoll und der Diana. Dieser bedeutende Auftrag, der mit erheblichem Materialaufwand und dem Einsatz edler Hölzer realisiert wurde, sowie die Wertschätzung, die sich in den Einbürgerungspapieren ausdrückt, belegen, dass Cucci zu diesem Zeitpunkt bereits als anerkannter Experte für Intarsienarbeiten galt. Arbeiten dieser Art entstanden insbesondere am Hof der Medici in Florenz, beispielsweise im Opificio delle Pietre Dure. Nach diesem Vorbild ließ Ludwig XIV. in der Gobelin-Manufaktur im Faubourg Saint-Marcel eine Werkstatt für Pietra-dura-Arbeiten einrichten, deren Leitung Cucci übertragen wurde. In der im Jahr 1667 gegründeten Manufacture royale des meubles de la couronne, die die königlichen Residenzen mit Möbeln aus verschiedenen kunsthandwerklichen Sparten beliefern sollte, konnte Domenico Cucci eine Vielzahl von Techniken und Materialien für seine Möbel miteinander verbinden. Dazu gehörten Schnitzarbeiten, Marketerie, vergoldetes Metall und Pietra dura. Damit begann eine für die Zeit außergewöhnliche Durchdringung verschiedener Berufe und Techniken, die sich in Möbeln von hohem künstlerischem Niveau manifestierte und die Hauptwerke der Möbelkunst des 18. Jahrhunderts bereits vorwegnahm.

Den Dokumenten zufolge waren Arbeiten in vergoldeter Bronze eine besondere Spezialität Cuccis. In den Rechnungsbüchern der Krone wird er sowohl als Ebenist als auch als Gießer bezeichnet. Die an ihn geleisteten Zahlungen für Bronzearbeiten waren beträchtlich und umfassten auch Lieferungen für die Innenausstattung der königlichen Residenzen, darunter die bronzenen Zierrahmen und Profile für den Spiegelsaal von Versailles (1682). Eine zeitgenössische Darstellung von Cuccis Werkstatt ist auf einer Tapisserie zu sehen, die den Besuch Ludwigs XIV. in der Manufacture des Gobelins (1673, Schloss Versailles) zeigt. Darauf sind Cucci und Pierre Gole zwischen Kabinettschränken und Tischen zu sehen. Im Jahr 1683 lieferte Domenico Cucci zwei große Kabinettschränke mit Pietra dura und Bronze für Versailles, an denen er seit 1679 gearbeitet hatte. Diese befinden sich heute in der Sammlung des Duke of Northumberland auf Alnwick Castle. mini|hochkant|Domenico Cucci – Wandleuchte (1693). Getty Museum Ab 1685 arbeitete Domenico Cucci an seinem größten Auftrag: der Wandverkleidung der Petite Galerie du Roi in Versailles mit Schildpatt und Lapislazuli, ebenfalls eine seiner Spezialtechniken. Der Auftrag wurde jedoch nicht vollendet, vermutlich auch wegen der sehr hohen Kosten. Im Jahr 1692 ließ der König die unfertige Verkleidung in die Tuilerien bringen – es war die letzte Arbeit Cuccis für den Hof. Ab 1699 erhielt er eine jährliche Pension vom König. Zu seinen Mitarbeitern zählten Orazio und Ferdinando Megliorini, Filippo Branchi, Gian Ambrogio Giachetti sowie der Franzose Latellier.

Literatur

Jacques Vial: Les artistes décorateurs du bois. Dictionnaire des ébénistes et des menuisiers, Bd. 1, Paris 1912. François de Salverte: Les ébénistes du XVIIIe siècle. Leurs œuvres et leurs marques, Paris 1923 (Nachdruck Paris 1985). Jules Guiffrey: Inventaire général du mobilier de la Couronne sous Louis XIV, Bd. 2, Paris 1886. Alfred de Champeaux: Le meuble, Paris 1885. Pierre Verlet: French Royal Furniture, London 1963. Storia dell'arte italiana, Bd. 11, Turin (Einaudi) 1982. Hans Ottomeyer, Peter Pröschel: Vergoldete Bronzen. Die Bronzearbeiten des Spätbarock und Klassizismus, 2 Bände, München 1986. Alvar González-Palacios: Il mobile francese. Da Luigi XIV alla Rivoluzione, Mailand 1989; deutsche Ausgabe: Die Kunst des französischen Möbels, München 1990. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 4: Cossintino – Dyck. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online, De Gruyter 2009.

Weblinks

Focus oeuvre – Le Cabinet de Strasbourg A magnificent Louis XIV gilt-bronze and pietra dura-mounted brown tortoiseshell, ash, ebonised and parcel-gilt cabinet-on-stand

Einzelnachweise

Kategorie:Kunstschreiner Kategorie:Goldschmied Kategorie:Historische Person (Italien) Kategorie:Geboren im 17. Jahrhundert Kategorie:Gestorben 1705 Kategorie:Mann