mini|Bedingungen am 24. Juni 2026 gemäß ERCC
Die Dürre und Hitze in Europa 2026 ist eine bedingt durch den Klimawandel auftretende Wetterlage. Mit Blick auf die Vergangenheit stellt dies eine Wetteranomalie mit unterdurchschnittlichen Regenmengen, überdurchschnittlichen Temperaturen und mehreren Hitzewellen dar, die in diversen Regionen zahlreiche Allzeit- bzw. Monatsrekorde brachen. Insbesondere in Westeuropa waren die Hitzewellen von einer außergewöhnlichen Intensität und Dauer gekennzeichnet. Begleitet wurden die Hitzewellen in weiten Teilen Europas durch Dürren, teils schwere Waldbrände, insbesondere in Südwesteuropa, Niedrigwasser in Flüssen und Seen und eine Energiekrise in Südosteuropa durch wegbrechende Stromerzeugung. Bis September 2026 starben einer Schätzung zufolge rund 35.000 Menschen in Zusammenhang mit der Hitze, die EU rechnete zu dem Zeitpunkt mit finanziellen Schäden in Höhe von etwa 180 Mrd. Euro.
Meteorologischer Verlauf Die ausgeprägten Hitze- und Trockenphasen des Sommers 2026 standen wiederholt mit beständigen Hochdruckgebieten über West-, Mittel- und Südeuropa in Verbindung. Diese blockierenden Wetterlagen lenkten den Westwindgürtel und den Jetstream zeitweise nach Norden, sodass atlantische Tiefdruckgebiete vor allem über Nordeuropa hinwegzogen. Dadurch hielten sich Hitze und Trockenheit in weiten Teilen des Kontinents über längere Zeit, während weiter nördlich häufiger wechselhafteres und niederschlagsreicheres Wetter auftrat.
Hitze Verlauf Die erste Hitzewelle trat bereits im Mai auf. In Portugal wurde mit 40,3 °C in Mora ein neuer Landesrekord für den Mai verzeichnet. Auch in Frankreich, wo die Hitzewelle vom 21. bis zum 30. Mai dauerte, wurde mit 37,8 °C in Angoulême-La Couronne am 28. Mai ein neuer nationaler Höchstwert für den Mai registriert. Von Météo-France, dem staatlichen Wetterdienst, wurde diese Hitze als „beispiellos, historisch, außergewöhnlich“ für den Monat Mai eingestuft. In Großbritannien wurden 34,8 Grad gemessen, womit der bisherige Mairekord von 32,8 Grad Celsius, der 1922 und 1944 erreicht wurde, um 2 °C übertroffen wurde. In der Schweiz dauerte die Hitzewelle in Visp mit zehn Tagen (22.–31. Mai) am längsten. Die höchste Temperatur in der Schweiz während dieser Hitzewelle wurde am 28. Mai mit 34,8 °C in Biasca verzeichnet, der höchste Wert der jemals in einem Mai auf der Alpensüdseite der Schweiz gemessen wurde. Er lag nur 0,3 °C unter dem nationalen Mai-Rekordwert der Schweiz (35,1 °C in Sion am 25. Mai 2009). In Österreich begann diese Hitzewelle am 24. Mai und dauerte fünf bis neun Tage. An 46 Messstationen der GeoSphere Austria wurden jeweils so viele Hitzetage wie noch nie in einem Mai verzeichnet.
Beginnend um den 18. Juni kam es zu einer langanhaltenden Hitzewelle in Europa, die weite Teile des Kontinents betraf. Die Temperaturen stiegen infolge einer Omegalage stark an und führten in zahlreichen Staaten zu neuen Temperaturhöchstwerten, tropischen Nächten und zahlreichen hitzebedingten Todesfällen. In Frankreich dauerte die erste Hitzewelle vom 17. bis zum 30. Juni. In Deutschland erstreckte sich die Hitzewelle vom 18. bis 28. Juni; der Deutsche Wetterdienst gab zwölf Tage in Folge Hitzewarnungen heraus, so lange wie nie zuvor. An 467 von 488 Messstationen wurden neue Allzeit- oder Monatsrekorde der Höchsttemperatur und an 339 Stationen Rekorde der wärmsten Nachttemperatur registriert. Am 27. Juni wurde in Möckern-Drewitz mit 41,8 °C der bisherige deutsche Allzeitrekord von 41,2 °C aus dem Jahr 2019 übertroffen; im Deutschlandmittel lagen die über sieben Tage gemittelte Tageshöchsttemperatur bei 33,0 °C und die entsprechende nächtliche Tiefsttemperatur bei 17,5 °C. In Österreich dauerte die Hitzewelle in den Niederungen 18 bis 35 Tage. In der Schweiz wurde am 27. Juni in Lugano mit 25,3 °C das bisher höchste landesweite Tagesminimum seit Messbeginn vom 19. Juni 2013 in Meiringen egalisiert. Am 30. Juni wurde in Ungarn mit 42 °C in Szécsény ein neuer Landesrekord verzeichnet. Die extreme Hitze entstand unter einer ungewöhnlich stabilen Omega-Wetterlage; die Hochdruckgebiete Gorgias und Hartmut, der Zustrom sehr warmer Luft aus Nordafrika, großräumig absinkende Luft und nahezu ungestörte Sonneneinstrahlung zur Zeit der maximalen Tageslänge wirkten dabei zusammen.
In Frankreich dauerte die zweite Hitzewelle vom 4. bis am 19. Juli. Auch in Spanien kam es Anfang Juli zu einer Hitzewelle, bei der u. a. Barcelona an der Messstation des Fabra-Observatoriums am 8. Juli mit 40,9 °C die höchste Temperatur seit Messbeginn 1914 verzeichnete, 0,9 °C mehr als der bisherige Rekord vom 30. Juli 2024.Antonio Cerrillo: Lo de Barcelona, con 40,9 °C, no fue un hecho aislado: catarata de récords de temperatura en Catalunya. In: lavanguardia.com, 8. Juli 2026 (aktualisiert am 9. Juli 2026). Abgerufen am 8. September 2026 (spanisch). Unter den Hauptmessstationen des katalanischen Wetterdienstes Meteocat wurde die höchste Temperatur im Juli 2026 am 23. mit 44,2 °C in Murcia gemessen, sieben Hauptmessstationen in Katalonien verzeichneten an diesem Tag ein neuer Juli-Rekord bei der Tageshöchsttemperatur.
In Frankreich begann am 28. Juli eine neue Hitzewelle, die auch Deutschland erfasste.Neue Hitzewelle hat Deutschland im Griff. In: Tagesschau.de, 29. Juli 2026. Abgerufen am 30. Juli 2026. In Bernburg wurden 40,5 °C erreicht – die bisher höchste Temperatur, die in einem Juli in Sachsen-Anhalt gemessen wurde. Auch an weiteren Orten wurde die 40-Grad-Marke erreicht bzw. überschritten. Die Schweiz wurde um den 29. Juli von der Hitzewelle erfasst. An diesem Tag wurden an mehreren Messstationen im Land neue Juli-Rekorde bei der Tageshöchsttemperatur erreicht. Am 30. Juli wurden an mehreren Messstationen neue Allzeitrekorde verzeichnet, so z. B. in Basel/Binningen mit 39,7 °C, womit zudem der bisherige Rekord für die Alpennordseite der Schweiz vom 7. Juli 2015 aus Genf egalisiert wurde. Auch Österreich war wieder betroffen, wo am 31. Juli in Wieselburg mit 40,3 °C der langjährige Österreich-Julirekord (39,7 °C in Dellach im Drautal am 27. Juli 1983) übertroffen wurde. Am gleichen Tag verzeichnete Österreich an weiteren Messstationen neue Juli- bzw. Allzeitrekorde. Wie bei der Hitzewelle im Juni wurde wieder heiße Luft aus Nordwestafrika über die Iberische Halbinsel nach Europa geführt. Wiederum wurde diese nach Norden bis Nordosten fließende Strömung zwischen einem Tiefdruckgebiet im Westen (mit Stand 29. Juli lag es östlich der Azoren über dem Atlantik) und einem Hoch im Osten (dessen Kern, langsam ostwärts ziehend, lag an jenem Tag über Korsika und Sardinien) gebildet.
In Österreich wurden im Zeitraum zwischen dem 3. und 6. August unzählige Temperaturrekorde gebrochen. 63 Messstationen verzeichneten ein neuer Stationsrekord in Bezug auf die Maximaltemperatur. Am 4. August wurden in Wien-Stammersdorf 41,0 °C gemessen und der langjährige Österreich-Allzeitrekord vom 8. August 2013 (40,5 °C in Bad Deutsch-Altenburg) übertroffen. Sieben weitere amtliche Wetterstationen registrierten an diesem Tag Höchstwerte zwischen 40,0 und 40,7 °C. Schon einen Tag später wurde der gerade erst aufgestellte, neue Hitzerekord noch einmal überboten: 41,2 °C waren es in Bad Deutsch-Altenburg. Mit Ausnahme jenes 8. August 2013 lagen die Temperaturen in Österreich vor den Hitzewellen des Jahres 2026 stets unter 40 °C; 2026 wurde diese Temperaturmarke jedoch mit Stand 5. August an gleich sechs Tagen erreicht oder überschritten, darunter an drei Tagen hintereinander. In der Stadt Bludenz, in der in durchschnittlichen Sommern ein „sehr heißer Tag“ auftritt, gab es im Sommer 2026 bis zum 15. August schon 13 davon. Am 6. August wurde in der Slowakei mit 42,2 °C in Dolné Plachtince ein neuer Allzeit-Hitzerekord verzeichnet. Der bisherige Landesrekord wurde erst am Vortag in Kamenica nad Hronom mit 41,4 °C registriert. Am 13. August wurde in Großbritannien mit 38,1 °C in Kew Gardens der bis dahin heißeste Tag des Jahres und der fünftheißeste Tag seit Beginn der Aufzeichnungen registriert. In der Schweiz wurden am 13. und 14. August an mehreren Messstationen neue August-Rekorde verzeichnet.
Am 17. August beendete eine von Westen hereinziehende Kaltfront mit Regenschauern und Gewittern die Hitzewelle in Teilen Mitteleuropas. Speziell über dem Süden und Südosten Deutschlands wurden teils kräftige Schauer und Gewitter erwartet. In Österreich erfasste die Front zuerst Vorarlberg und räumte die Heißluft vor allem an der Alpennordseite sowie in Tschechien und Polen aus. Ihr folgte eine Westwetterlage, in der warme und feucht-kühle Strömungen abwechselten. So war es beispielsweise möglich, das am 20. August in Östösterreich nochmals große Hitze (z. B. Güssing 35,8 °Chttps://wetter.orf.at/burgenland/guessing/#woche) herrschen konnte. In der Schweiz wurden in der Nacht auf den 17. August verbreitet Regenschauer verzeichnet und am 19. und 20. August gab es lokale Schauer, bevor am 21. August eine deutliche Abkühlung und flächiger Regenschauer verzeichnet wurde. Seither gab es in der Schweiz vorerst nur noch in Biasca zwei weitere Hitzetage am 22. und 24. August, bevor am 27. August wieder über ein Viertel der Messstationen Hitzetage von bis zu 33 °C verzeichneten.
Die Nacht auf den 28. August war in den Alpentälern auf der Alpennordseite wegen eines starken Südföhns vielerorts außerordentlich mild. Zum Beispiel wurde in Vaduz morgens um 8 Uhr, dem offiziellen Ende der Nacht, die nächtliche Minimumtemperatur mit 28,7 °C registriert und das Tagesmaximum mit 31,3 °C bereits kurz nach Mitternacht (0:20 Uhr). In Altenrhein wurde etwas später (01:10 Uhr) mit 31,4 °C sogar ein noch höheres Tagesmaximum erreicht, es ist zudem die höchste Temperatur, die an diesem Tag in der Schweiz gemessen wurde. In Vaduz lag die Temperatur bis morgens um 7 Uhr stets über 30 °C, womit dort auch das höchste nächtliche Minimum (18–06 UTC) an den SwissMetNet-Stationen seit Messbeginn 1981 verzeichnet wurde. In Vorarlberg wurde mit 27,3 °C in Feldkirch ebenfalls ein neuer Landeshöchstwert der nächtlichen Minimumtemperatur registriert und der bisherige Rekord von 25,5 °C im Jahr 2017 in Brand deutlich übertroffen. Am Tage folgte an sechs Messstationen zwischen Salzburg und der Steiermark nochmals große Hitze von 35 °C und mehr, bis zu 37,2 °C waren es in Weyer.
Auch im September gab es vielerorts noch heiße Tage mit Temperaturen von über 30 °C oder weit darüber hinaus. Am 3. September wurde nach vorläufigen Daten des nationalen Wetterdienstes Aemet mit 45,7 °C in El Granado sogar die höchste Temperatur in Spanien seit Jahresbeginn gemessen, womit auch die höchste September-Temperatur seit Messbeginn in Montoro aus dem Jahr 2016 egalisiert wurde. In der Schweiz wurde am 4. September vielerorts ein Hitzetag verzeichnet, mit neuen September-Rekorden an insgesamt 20 Messstationen. Am heißesten wurde es an diesem Tag mit 33,3 °C in Genf/Cointrin, wobei der dortige und gleichzeitig der schweizweite Septemberrekord mit 35,0 °C vom 5. September 1906 unerreicht blieb. Am 7. September verzeichneten immer noch 21 Messstationen von MeteoSchweiz einen Hitzetag und vier Messstationen eine Tropennacht, bevor am 8. September nochmals an 60 Messstationen ein Hitzetag und an vier Messstationen eine Tropennacht registriert wurden. Am heißesten wurde es an diesem Tag mit 34,7 °C in Genf, neue September-Rekorde wurden an nicht weniger als 32 Messstationen gemessen, u. a. in Chur, Payerne und Zürich, wo die alten Rekorde alle erst am 4. September 2026 verzeichnet worden waren. Am 9. September folgte ein Temperatursturz, womit es gegenüber dem Vortag lokal um über 15 °C abkühlte. Seither wurden in der Schweiz nur noch drei Hitzetage registriert, in Biasca am 14. September mit 31,6 °C und am 21. September mit 30,3 °C, sowie am 27. September mit 30,1 °C in Basel/Binningen (Stand 28. September). Der letztgenannte ist zudem der späteste jemals auf der Alpennordseite der Schweiz verzeichnete Hitzetag.
Bilanz des Sommers 2026