Der Tempel der Flora war ein der Göttin Flora gewidmeter Tempel im antiken Rom, gelegen direkt neben dem Circus Maximus. Neben dem Tempel der Flora am Quirinal war er das wichtigste Heiligtum der Flora in Rom.

mini|400px|Umgebung des Circus Maximus, südlich davon der Tempel der Flora (T. Florae), westlich das Forum Boarium, aus Gustav Droysens Allgemeinem Historischen Handatlas (1886). Der Circus Maximus lag in einem Tal zwischen dem Aventin im Süden und dem Palatin im Norden.

Republik und Kaiserzeit

Der Tempel ist bisher nicht durch archäologische Funde bezeugt, wird aber in antiken literarischen Zeugnissen erwähnt. Laut Tacitus erbauten die Brüder und Ädilen Lucius und Marcus Poblicius Malleolus einen Tempel der Flora am Circus Maximus.Tacitus, annales 2,49. Ovid erwähnt in seinen fasti, einem Lehrgedicht zum römischen Festkalender aus augusteischer Zeit, dass die Gebrüder Publicius als Ädilen die Floralia, die Spiele der Flora, eingerichtet und die Straße Clivus Publicius (noch heute Clivo dei Publicii) erbaut hätten.Ovid, fasti 5,287f. Die Ereignisse gehören zeitlich und räumlich zusammen: In ihrem Ädilatsjahr (um 240 v. Chr.) erbauten die Publicii mit aus Strafgeldern gewonnenem Geld den Clivus Publicius und an dessen Ende, direkt an der südöstlichen Ecke des Circus Maximus, zu Füßen des Aventin, den Tempel der Flora, von dem die Floralia seither ihren Ausgang nahmen. Mit beidem machten sich die Brüder, die aus der plebejischen Familie der Publicii stammten, beim Volk beliebt, auch weil der Clivus Publicius das plebejische Gebiet des Aventins mit dem Forum Boarium verband.So bereits Ihm folgt u. a. Michael Mulryan: The Temple of Flora or Venus by the Circus Maximus and the New Christian Topography: The ‘Pagan Revival’ in Action? In: Late Antique Archaeology. Band 7, Nr. 1, 2011, S. 209–227 (Digitalisat (PDF)), hier S. 213. Zum politischen Hintergrund

Die Einrichtung der Spiele der Flora und damit auch die Weihe des Tempels fand entweder 240 v. Chr. (so Velleius Paterculus) oder 238 v. Chr. (Plinius der Ältere) statt.Velleius Paterculus 1,14,8; Plinius der Ältere, naturalis historia 18,286. Unter Augustus wurde eine Wiederherstellung des Tempels begonnen, die erst unter Tiberius im Jahr 17 n. Chr. abgeschlossen werden konnte.Cassius Dio 50,10,3; Tacitus, annales 2,49. Der jährliche Anfangstag der Floralia, der 28. April, wurde gleichzeitig als dies natalis, Tag der „Geburt“ bzw. Stiftung, des Tempels angesehen.Fasten von Praeneste zum 28. April (Inscriptiones Italiae XIII,2, 133 und 452): eodem die aedis Florae, quae rebus florescendis praeest, dedicata est propter sterilitatem fru[g]um. Die Fasti Allifani erwähnen jedoch zum 13. August den Stiftungstag des Tempels Florae ad c[ir(cum)] maximum, was Georg Wissowa: Flora 1. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band VI,2, Stuttgart 1909, Sp. 2747–2749, hier Sp. 2748, damit erklärt, dass es sich hier wohl um einen der Einweihungstage nach Wiederherstellung gehandelt habe. Damit erschöpfen sich zunächst die Nachrichten über den Tempel, auch wenn man aus dem Zusammenhang mit dem beliebten Fest der Floralia weitere Schlüsse ziehen kann. Dieses Frühlingsfest wurde jährlich zwischen dem 28. April und 3. Mai ausgerichtet und entwickelte sich aufgrund der damit verbundenen Spiele (ludi Florales), insbesondere frivolen Mimen und nackte Prostituierte, zu einem auch sexuellen Spektakel.

Spätantike

Das spätantike Carmen contra paganos, ein anonymes christliches Schmähgedicht vom Ende des 4. Jahrhunderts, erwähnt zudem, dass ein Tempel der Flora oder einer der Venus (der grammatische Bezug ist nicht ganz klarMichael Mulryan: The Temple of Flora or Venus by the Circus Maximus and the New Christian Topography: The ‘Pagan Revival’ in Action? In: Late Antique Archaeology. Band 7, Nr. 1, 2011, S. 209–227 (Digitalisat (PDF)), hier S. 212.) von einem Symmachus wiederhergestellt worden sei.Carmen contra paganos, Verse 112–114. Hierbei handelte es sich entweder um den Tempel der Venus Verticordia oder um unseren Tempel der Flora, beide direkt am Circus Maximus gelegen.Michael Mulryan: The Temple of Flora or Venus by the Circus Maximus and the New Christian Topography: The ‘Pagan Revival’ in Action? In: Late Antique Archaeology. Band 7, Nr. 1, 2011, S. 209–227 (Digitalisat (PDF)), hier S. 212 f. Dies ist insofern bemerkenswert, als Kaiser Gratian seit 382 im Zuge der Christianisierung des Römischen Reiches keine finanziellen Mittel zur Wiederherstellung der heidnischen Tempel mehr zur Verfügung stellte. Symmachus musste für die Kosten deshalb selbst aufkommen.

Unklar sind jedoch das konkrete Jahr der Wiederherstellung des Tempels sowie die genaue Identität dieses Symmachus, gehörten doch die Symmachi Ende des 4. Jahrhunderts zu den angesehensten heidnischen Familien der Stadt Rom. Im Hintergrund steht die Frage, gegen wen das Carmen contra paganos gerichtet ist. Der im Gedicht geschmähte, gerade verstorbene Adressat wird dort nur als Präfekt angesprochen, nicht mit Namen genannt. Die moderne Forschung hält ihn mehrheitlich entweder für Vettius Agorius Praetextatus (dann wäre das Gedicht 384 entstanden) oder für Virius Nicomachus Flavianus (dann 394), wobei die neuere Forschung eher zu Praetextatus tendiert. Wenn Praetextatus gemeint ist, war der Wiederhersteller des Flora- oder Venustempels kein Geringerer als Quintus Aurelius Symmachus, im Jahr 384 Stadtpräfekt Roms.Alan Cameron: The Last Pagans of Rome. Oxford University Press, Oxford 2011, S. 296–298.

Die Wiederherstellung des Tempels wird von manchen Forschern als Teil einer heidnischen Wiederherstellungsbewegung (pagan revival) Ende des 4. Jahrhunderts gedeutet. Andere sehen hierin eher eine Handlung, die Ende des 4. Jahrhunderts, als noch zahlreiche heidnische Tempel und Bauten sowie Feste in Rom bestanden, relativ normal war.So Michael Mulryan: The Temple of Flora or Venus by the Circus Maximus and the New Christian Topography: The ‘Pagan Revival’ in Action? In: Late Antique Archaeology. Band 7, Nr. 1, 2011, S. 209–227 (Digitalisat (PDF)).

Literatur

Michael Mulryan: The Temple of Flora or Venus by the Circus Maximus and the New Christian Topography: The ‘Pagan Revival’ in Action? In: Late Antique Archaeology. Band 7, Nr. 1, 2011, S. 209–227 (Digitalisat (PDF)). Emanuele Papi: Flora, Aedes. In: Eva Margareta Steinby (Hrsg.): Lexicon Topographicum Urbis Romae. Band 2. Quasar, Rom 1995, S. 253 f. (italienisch; Digitalisat).

Weblinks

Dorian Borbonus: Flora, Aedes (Aventinus). In: Digital Augustan Rome, Map Entry Nr. 253.

Anmerkungen

Flora Flora Kategorie:Flora (Mythologie) Kategorie:Erbaut im 3. Jahrhundert v. Chr.