Das Große Haus Glückert oder Große Glückert-Haus ist ein denkmalgeschütztes Gebäude auf der Mathildenhöhe in der südhessischen Großstadt Darmstadt. Es wurde von dem Architekten Joseph Maria Olbrich als repräsentatives Wohnhaus und als das größte von acht Künstlerhäusern für die erste Ausstellung der Künstlerkolonie Darmstadt im Jahr 1901 errichtet. Noch im Jahr der Fertigstellung wurde es von dem Darmstädter Möbelfabrikanten Julius Glückert erworben, der es fortan für die Präsentation seiner Produkte nutzte. Im Zweiten Weltkrieg blieb das Gebäude im Gegensatz zu anderen Häusern auf der Mathildenhöhe weitgehend verschont und konnte auch seine opulente Innenausstattung bewahren. Seit 2021 steht das Große Haus Glückert als ein hervorragendes Beispiel des Jugendstils und der frühen Moderne zusammen mit den übrigen Gebäuden der Mathildenhöhe auf der Welterbe-Liste der UNESCO. Das Große Haus Glückert ist neben dem Haus Olbrich Sitz der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtungdeutscheakademie.de.

Geschichte und Architektur

Vorgeschichte mini|Joseph Maria Olbrich Im Jahre 1899 gründete der kunstsinnige Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein auf Initiative des Darmstädter Verlegers und Herausgebers von Kunstzeitschriften Alexander Koch und inspiriert von der Arts-and-Crafts-Bewegung in Großbritannien sowie der im selben Jahr gegründeten Wiener Secession die Darmstädter Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe, einem Hügel am Ostrand der Stadt, auf dem sich bisher ein auch für die Öffentlichkeit zugänglicher Englischer Landschaftspark befand. Ziel war, verschiedene junge Künstler nach Darmstadt einzuladen, die sich gegenseitig inspirieren sollten, um durch herausragende Leistungen und entsprechende Ausstellungen die Stadt und ganz Hessen bekannter zu machen und zu einer wirtschaftlichen Entwicklung beizutragen. Man erhoffte sich so beispielsweise Aufträge für die hessische Bau- und Möbelindustrie.

Zu diesem Zweck ließ der Landesherr 1897 zunächst einen Bebauungsplan durch den Architekten Karl Hofmann für die Mathildenhöhe konzipieren, der um eine zentrale Grünanlage um den Platanenhain und die sich gerade im Bau befindliche Russische Kapelle Straßenzüge für großbürgerliche Villen vorsah. Dabei reservierte er einige Grundstücke für die Mitglieder der Künstlerkolonie, die die Möglichkeit erhalten sollen, sich hier eigene Häuser zu bauen.

Zu den sieben Eingeladenen gehörte der junge, 31-jährige Architekt Joseph Maria Olbrich, Mitbegründer der Wiener Secession, der gerade mit seinem Erstlingsentwurf für das Wiener Secessionsgebäude weltweit für Aufsehen gesorgt hatte. Der ein Jahr jüngere Ernst Ludwig konnte ihn überzeugen, in seine hessische Landeshauptstand zu kommen, wo er fortan zum Spiritus rector der Darmstädter Künstlerkolonie werden sollte. Aus Paris holte der Landesherr zudem den Bildhauer und Medailleur Rudolf Bosselt, aus München den Maler Peter Behrens, der sich in Darmstadt erstmals mit Architektur beschäftigen sollte, und ebenfalls aus Paris den Maler Hans Christiansen. Hinzu kamen Ludwig Habich (Bildhauer), Patriz Huber (Architekt) und Paul Bürck (Maler, Grafiker).

Olbrich, der der einzige ausgebildete Architekt unter den Sieben war, errichtete für die Erste Ausstellung der Darmstädter Künstlerkolonie im Jahre 1901 mit dem Titel "Ein Dokument deutscher Kunst" zunächst das zentrale Ateliergebäude, das Ernst-Ludwig-Haus, sowie sieben der acht Künstlerhäuser, nur Peter Behrens baute sein eigenes. Die Häuser waren als Gesamtkunstwerk konzipiert, einschließlich der kompletten Inneneinrichtung und Gebrauchsgegenstände, und standen dem interessierten Publikum für die Dauer der Ausstellung, die von Mai bis Oktober währte, offen.

Das Große Haus Glückert (1900 bis 1901) mini|Der seitlich gelegene Haupteingang des Großen Glückert-Hauses mit dem Omega-Bogen und den Goldverzierungen mini|hochkant|Die große Halle, Mittelpunkt des Großen Glückert-Hauses Neben seinem eigenen Wohnhaus, dem Haus Olbrich, und dem seines Künstlerkollegen Christiansen, die beide prominent direkt unterhalb des Ernst-Ludwig-Hauses gebaut wurden, plante Olbrich auch fünf der anderen sechs Künstlerhäuser auf der Südseite des Alexandraweges, darunter auch das größte von ihnen, das Große Haus Glückert. Noch im Jahr der Fertigstellung erwarb es der Möbelfabrikant Julius Glückert, der auch schon das benachbarte Kleine Haus Glückert gekauft hatte, welches er als eigenes Wohnhaus nutzte. Julius Glückert war ein wichtiger Förderer der Künstlerkolonie. Er hatte das Haus als schlüsselfertiges Verkaufsobjekt vorgesehen, entschloss sich aber kurz vor der Fertigstellung, es für eine ständige Einrichtungsschau der Erzeugnisse seiner Fabrik zu nutzen. Das Haus erhielt 1901 seine erste Ausstattung nach Entwürfen von Olbrich. 1908 gestaltete Olbrich das Erdgeschoss mit der großen Halle, Albin Müller die Räume des ersten Obergeschosses und der niederländische Architekt Johann Christoph Gewin das Mansardgeschoss um. Das Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg beschädigt. 1961 erwarb die Stadt das Gebäude und ließ es in den 1960er Jahren wiederherstellen, wobei es im Erdgeschoss auf die Fassung von 1901 zurück restauriert wurde. Bei einer erneuten Restaurierung von 2021 bis 2023 wurde teilweise die Fassung von 1908 wiederhergestellt. Das Objekt erhielt 2023 den Hessischen Denkmalschutzpreis.

Seit 1971 ist das Große Haus Glückert Sitz der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, welche seit 2021 zusätzlich das schräg gegenüberliegende Haus Olbrich nutzt.

Literatur Günter Fries et al.: Stadt Darmstadt. (Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Hessen.) Vieweg Verlag, Braunschweig 1994, ISBN 3-528-06249-5, S. 345. Alexander Koch (Hrsg.): Die Ausstellung der Darmstädter Künstlerkolonie, Darmstadt 1901, S. 80 ff.

Weblinks

mathildenhoehe.de deutscheakademie.de darmstadt.de denkxweb.denkmalpflege-hessen.de Uni Heidelberg: Die Restaurierung am Großen Haus Glückert Gottstein John Architekten: Haus Glückert Darmstadt

Einzelnachweise

Grosses Haus Gluckert Kategorie:Bauwerk des Jugendstils in Darmstadt Olbrich Gluck Kategorie:Erbaut 1901