mini|Porträt von Corneille van Clève (1701) von Pierre Gobert. Louvre, Paris
Corneille van Clève (getauft 10. Juni 1646 in Paris; † 30. Dezember 1732 ebenda) war ein französischer Bildhauer flämischer Herkunft. Er zählte zu den bedeutenden Bildhauern am Hof Ludwigs XIV. und arbeitete vor allem für die königlichen Schlösser Versailles, Schloss Marly, Trianon und Meudon sowie für den Invalidendom in Paris. Innerhalb der Académie royale de peinture et de sculpture bekleidete er zahlreiche hohe Ämter und stieg zuletzt zu deren Kanzler auf. Corneille van Clève wird in der kunsthistorischen Literatur als ein Hauptvertreter des Übergangs zum Rokoko beschrieben.
Leben Corneille van Clève entstammte einer Goldschmiedefamilie flämischer Herkunft. Sein Vater Josse van Clève war Goldschmied und Goldschmiedehändler und mit Madeleine Greslé verheiratet, der Witwe eines Goldschmieds. Auch die Brüder Josse van Clève und Marin van Clève übten den Beruf des Goldschmieds aus. Die handwerkliche Ausbildung in der Familie befähigte Corneille van Clève später dazu, neben monumentaler Bildhauerei auch kleinformatige Objekte und Bronzeskulpturen selbst zu gießen und zu vertreiben. Corneille van Clève wurde vermutlich von François Anguier oder Michel Anguier ausgebildet. Im Anschluss soll er sich sechs Jahre in Rom aufgehalten haben, um dort die Werke Gian Lorenzo Berninis zu studieren, gefolgt von einem dreijährigen Aufenthalt in Venedig. Im Herbst 1678 kehrte er nach Paris zurück.
Ab 1679 war van Clève in Versailles beschäftigt. 1680 wurde er der Académie royale de peinture et de sculpture vorgestellt, 1681 mit einer Marmorstatuette des Polyphem in die Akademie aufgenommen; das Werk befindet sich heute im Louvre, ein Terrakottamodell im Musée Fabre in Montpellier. Innerhalb der Akademie durchlief van Clève eine erfolgreiche Laufbahn: 1691 wurde er außerordentlicher Professor (ass. prof.), 1693 Professor, 1706 stellvertretender Rektor, 1711 Direktor, 1715 Rektor und 1720 Kanzler. Zunächst wohnte er in der Rue Montmartre; 1703 gewährte ihm der König eine Wohnung im Louvre, in der er bis zu seinem Tod lebte. Am 31. Januar 1682 heiratete er Marie-Antoinette de Meaux de Vallières, die Halbschwester des Goldschmieds und Medailleurs Nicolas de Launay. Sie starb 1683 kurz nach der Geburt des gemeinsamen Sohnes Josse van Clève (* 29. April 1683), der bis zu seinem Tod am 4. Juni 1711 als Bildhauer in der väterlichen Werkstatt tätig war und 1700 einen zweiten Akademiepreis errang.
Werk mini|Corneille van Clève – La Loire et le Loiret (1699/1707). Jardin des Tuileries, Paris Neben Aufträgen des Königs erhielt van Clève auch Aufträge angesehener Familien und religiöser Gemeinschaften. In Versailles war er 1682–1684 an den Arbeiten am Bassin sous le Dragon, dem späteren Bassin de Neptune, sowie an Modellen für das Bassin de Thétis beteiligt. 1684–1686 fertigte er eine Marmorkopie der antiken Kleopatra beziehungsweise der Schlummernden Ariadne für das Parterre du Midi. 1685–1687 arbeitete er an der Colonnade; für das Parterre d’Eau entstand eine erhaltene Gruppe von drei Kindern, für die Fontaine de Diane ein Löwe, der einen Wolf zerreißt, in Bronzeguss, außerdem eine Marmorherme des Merkur. 1687/88 fertigte er Kapitelle für das Grand Trianon.
Ende des 17. Jahrhunderts war Corneille van Clève in der Ménagerie von Versailles tätig, vor allem jedoch in Marly, wo er im Salon octogone des heute nicht mehr erhaltenen Pavillon royal arbeitete und ein Modell einer Gruppe mit Bacchus und Ariadne für einen Brunnen schuf. Für die Schlosskapelle von Versailles fertigte van Clève 1708 die Statuen der Vier Evangelisten für die äußere Balustrade sowie 1709/10 weitere Skulpturen im Sanktuarium und am Hochaltar; dieses Ensemble gilt als sein Hauptwerk. Für die Schlosskapelle von Meudon entstanden 1702–1707 vier Engel.
Sakrale Bauten in Paris 1688/89 fertigte van Clève eine heute zerstörte Skulptur für das Portal der Eglise des Capucins in Paris. 1690–1693 war er an der ebenfalls nicht erhaltenen plastischen Ausstattung der Kirche St-Paul in Paris beteiligt. 1690–1696 sowie erneut zu Beginn des 18. Jahrhunderts war Corneille van Clève umfangreich am Invalidendom in Paris tätig: Er dekorierte das Portal und die Kuppel der Kapelle St-Ambroise mit Basreliefs zu Szenen aus dem Leben des heiligen Ludwig, darunter der Heilige Ludwig mit der Dornenkrone und die Letzte Ölung. Für das Portal fertigte er zwei Engel mit dem königlichen Wappen, für den Raum unter der Kuppel das noch erhaltene monumentale Relief eines Engels mit Oriflamme. Die Werke des Marienaltars und des Hochaltarbaldachins gingen während der Französischen Revolution verloren. Der letzte bedeutende königliche Auftrag van Clèves bestand aus einem Engel mit Dornenkrone und einem Engel mit Schalmei, beide in Bronze, für die Neugestaltung des Chors der Kathedrale Notre-Dame in Paris.
Grabmäler mini|Jean-Jacques Caffieri (1725–1792): Porträt von Corneille van Clève, ausgestellt auf dem Pariser Salon 1781. Musée Carnavalet, Paris 1694 schuf Corneille van Clève die Statue der Witwe Anne de Souvré für das Grabmal des Marquis de Louvois; sie befindet sich heute im Hospice von Tonnerre. Für die Kirche St-Paul-St-Louis fertigte er 1709–1711 ein inzwischen verschollenes Grabmal für das Herz des Prince de Condé. Ebenfalls verschollen ist ein von ihm geschaffener Hochaltar für die Kirche St-Germain-l’Auxerrois.
Kleinplastik Aufgrund seiner Ausbildung als Goldschmied war van Clève auch als Schöpfer von Kleinplastik tätig. In öffentlichen und privaten Sammlungen befinden sich zahlreiche Bronzestatuetten von seiner Hand, darunter Leda mit dem Schwan, Diana und Endymion, Bacchus und Ariadne sowie Venus entwaffnet Amor und Psyche entdeckt Amor. Auch mehrere Bronzeleuchter werden ihm zugeschrieben, bemerkenswerte Exemplare befinden sich in der James A. de Rothschild Collection in Waddesdon Manor sowie in der Wallace Collection in London. In der Sammlung von Madame de Caillavet befand sich eine Marmorstatue eines Neptun als Knabe mit Delfin, deren heutiger Verbleib unbekannt ist.
Porträts Mehrere Bildnisse van Clèves sind erhalten, darunter ein Gemälde von Pierre Gobert, das 1701 als Aufnahmestück in die Akademie gelangte und sich heute im Schloss Versailles befindet, sowie eine postum von Jean-Jacques Caffieri ausgeführte Büste im Louvre.
Werke (Auswahl)
Paris, Musée du Louvre: Polyphem, Marmorstatuette, 1681 Paris, Musée du Louvre: La Loire et le Loiret, 1707 vollendet Paris, Dôme des Invalides: Portaldekoration, Kuppeldekoration, Reliefs Versailles, Schlosskapelle: Statuen der vier Evangelisten, 1708; Ausstattung von Sanktuarium und Hochaltar, 1709/10 Versailles, Grand Trianon, Brunnen: Neptun, Amphitrite, zwei Löwen (Blei) Epinal, Musée départemental d'art ancien et contemporain: Christuskind auf dem Kreuz schlafend; Hl. Hieronymus (beide Marmor) Dresden, Grünes Gewölbe: Luna und Endymion (Bronze) Montpellier, Musée Fabre: Terrakottamodell des Polyphem
Literatur Étienne Charavay: Notice biographique sur le sculpteur Corneille van Clève. Documents. In: Nouvelles Archives de l’Art français, 3e série, Bd. VI, Paris 1890, S. 170–172. Louis Dimier: L’Hôtel des Invalides. Paris: H. Laurens, ca. 1909, S. 42, 44–45, 60. Jules Guiffrey: L’autel de Saint-Germain-l’Auxerrois. In: Nouvelles Archives de l’Art français, 3e série, Bd. IX, Paris 1893, S. 106–109. Stanislas Lami: Dictionnaire des sculpteurs de l’École française sous le règne de Louis XIV. Paris: Honoré Champion, 1906, S. 482–486. Revue de l’art ancien et moderne. Bd. XXX, Paris 1911, S. 244, 253, 296. François Souchal: A propos de Corneille Van Clève. In: La scultura. Studi in onore di Andrea S. Ciechanowiecki. Turin 1994, S. 77–85. François Souchal: French Sculptors of the 17th and 18th Centuries. The Reign of Louis XIV. Bd. III: M–Z. Oxford: Bruno Cassirer, 1987; Bd. IV: Supplementary Volume A–Z. London: Faber & Faber, 1993. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 14: Valverde – Zyw. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online, De Gruyter 2009.
Weblinks
A bronze figure of cupid by Corneille van Clève, 1707 AGORHA
Einzelnachweise
Kategorie:Bildhauer (Paris) Kategorie:Institut de France Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1646 Kategorie:Gestorben 1732 Kategorie:Mann