miniatur|Palazzi Bernini in Rom: Inschrift an dem Palast in der Via della Mercede, 12 Der Palazzo Bernini, oder richtiger die Palazzi Bernini, sind zwei barocke Paläste aus dem 17. Jahrhundert in Rom in der italienischen Region Latium. Sie liegen im Viertel Colonna in der Via della Mercede, 11 und 12. Sie gehörten dem berühmten Architekten und Bildhauer Gian Lorenzo Bernini.

Geschichte Pietro Bernini, der Vater von Gian Lorenzo Bernini, zog 1606 nach Rom und nahm seine Wohnstatt in einem Haus gegenüber der Basilika Santa Maria Maggiore, wo er uns sein Sohn viele Jahre lang lebten, auch wenn der Ort als abgelegen galt. Dank Papst Urban VIII., der Gian Lorenzo Bernini mit der Schaffung vieler Paläste, Kirchen und Grabmäler beauftragte, wurde dieser ein reicher Mann, was ihm ermöglichte, in eine zentralere Wohnstatt umzuziehen (und auch an einen Ort, dessen städtebauliche Entwicklung den Barberinis zu verdanken war): 1642 kaufte er zwei nebeneinander liegende Paläste in der Via della Mercede.

miniatur|Gedenktafel Im ersten, auf Hausnummer 11, lebte Bernini, der sein Atelier im Erdgeschoss hatte und dort 1680 starb. In diesem Gebäude, das die Markgräfin Fulvia Naro 1641 an Gian Lorenzo Bernini verkauft hatte, sind im ersten Obergeschoss zwei Lünetten erhalten, auf denen an Episoden aus dem Leben von Bernini erinnert wird: Auf einer ist der Besuch von Papst Urban VIII. bei dem Künstler abgebildet, auf der anderen die Übergabe der Schlüssel der Leoninischen Stadt an Bernini als Anerkennung seines künstlerischen Schaffens anlässlich seines Besuches im Mai 1665.

Auf der Fassade des Palastes befindet sich der Markuslöwe, angebracht von den Assicurazioni Generali, die das Gebäude Ende des 19. Jahrhunderts gekauft haben. Der Palast ist in dieser Zeit einer bedeutenden Restaurierung unterzogen worden, hat aber sein ursprüngliches Aussehen behalten, darunter auch das große, rustikale Portal mit radial angeordneten Quadersteinen, die zwischen den Bogentüren eingefügt sind. Neben dem Erdgeschoss gibt es weitere zwei Stockwerke mit Fenstern mit Architraven. Ganz oben, über der Dachtraufe, liegt das Dachgeschoss. Neben dem Portal gibt es eine 1882 angebrachte Steintafel, auf der geschrieben steht: "L’ANNO MDCCCXXXII VLTIMO DI SVA VITA QVESTA CASA ABITÒ L’ILLVSTRE ROMANZIERE SCOZZESE WALTER SCOTT DA EDIMBVRGO"(dt.: Im Jahre 1832, dem letzten seines Lebens, wohnte in diesem Haus der berühmte schottische Romanautor Walter Scott aus Edinburgh)

Auch das Gebäude auf Hausnummer 12 kaufte Bernini von der Markgräfin Naro: Anfangs waren die dortigen Wohnungen vermietet. Im 19. Jahrhundert wurde der Palast verkauft und die Fassade im Stile der Neurenaissance umgestaltet. Die Fassade hat drei Stockwerke, die durch breite Geschossgesimse getrennt sind. In jedem Stockwerk sind sieben Fenster, die in den ersten beiden Stockwerken mit Architraven versehen sind und im obersten Stockwerk einfache Rahmen besitzen. Oben befindet sich ein Traufgesims, gestützt von Konsolen. Zur Straße hin öffnet sich ein rustikales Portal mit einem Balkon darüber und flankiert von Fenstern mit Architraven, unterhalb denen die kleinen Fenster des Tiefparterres sind, verschlossen mit Gittern aus Schmiedeeisen.

miniatur|Gedenktafel Eine Gedenktafel mit einer Büste von Gian Lorenzo Bernini, geschaffen von Ettore Ferrari im Jahre 1898, zeigt folgenden Spruch: "QUI VISSE E MORÌ GIANLORENZO BERNINI SOVRANO DELL’ARTE AL QUALE SI CHINARONO REVERENTI PAPI, PRINCIPI, POPOLI. IL COMITATO PER LE ONORANZE CENTENARIE COL CONCORSO DEL COMUNE POSE VII DIC MDCCCXCVIII"(dt.: Hier lebte und starb Gianlorenzo Bernini, Soverän der Kunst, vor dem sich ehrfurchtsvoll Papst, Fürsten und Völker verneigten. Das Komitee für die Jahrhundertfeiern mit Unterstützung der Stadt, gesetzt am 7. Dezember 1898)

Obwohl die Inschrift sehr elegant und beeindruckend ist, wurde sie am falschen Gebäude angebracht, da der Palast, in dem Bernini lebte, der benachbarte, auf Hausnummer 11, ist.

Die Inschrift gibt an, dass der Papst und der König vor Bernini niederknieten, was vermutlich eine Übertreibung ist. Bernini war eine angenehme Persönlichkeit und wusste dies zu nutzen: Er war bereit, die bedeutenden Personen, für die er arbeitete, zufriedenzustellen, ließ sie glauben, er würde ihren Vorschlägen folgen, war sich aber dennoch des Wertes seiner Kunst und seines Wertes als Künstler bewusst. Als die Königin Christina von Schweden ihn besuchte, z. B., empfing er sie in seinem Atelier noch in seiner Arbeitskleidung, um anzuzeigen, dass für ihn seine Tätigkeit als Künstler Vorrang vor den Regeln der Etikette hatte.

In seinem Atelier stand die Statue Die von der Zeit enthüllte Wahrheit, die er für sich selbst geschaffen hatte und die 1958 vom italienischen Staat angekauft und in der Galleria Borghese aufgestellt wurde, aber auch die Vier grotesken Köpfe, die der Überlieferung nach von der persönlichen Kutsche des Künstlers abgenommen wurden.

Eine kuriose Geschichte leitet sich aus der Tatsache ab, dass das Gebäude gegenüber der Südwestecke des Palazzo di Propaganda Fide liegt. Dies führte zu einer heute sehr berühmten Begegnung zwischen Bernini und Borromini, der an seinem Bau arbeitete und für die Amtsenthebung des verhassten Bernini verantwortlich war. Man erzählt sich, dass Borromini als Ausdruck seiner Zufriedenheit mit der Amtsenthebung seine Arbeiter eine ganze Nacht lang arbeiten ließ, um das Fenster an der Ecke seines Palastes mit zwei wunderschönen und auffälligen Eselsohren zu dekorieren, was ein Scherz über die künstlerische Unfähigkeit Berninis sein sollte. Dieser sann, als er am darauffolgenden Morgen das Fenster und dessen kuriose Dekoration sah, auf Rache: Als es dunkel wurde, kletterte er auch das Dach seines Gebäudes und gestaltete, dort hängend, eine der Konsolen, die das Traufgesims stützten, unverkennbar in Form eines Penis. Leider ist von dieser phallischen Skulptur nichts mehr erhalten – sie wurde von den Behörden „aus Gründen des Anstands entfernt“.

Bernini hinterließ seiner Familie ein großes Vermögen; diese wohnte weiterhin in dem Palast: Ein Zweig, der aus der zweiten Ehe von Mariano Bernini stammte, zog in einen Palast gegenüber des Palastes Ruspoli in der Via del Corso um; dieser wurde „Palazzo Manfroni Bernini“ genannt.

Nach dem Catasto gregoriano (dt.: Gregorianisches Katatster) aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gehörten die beiden Gebäude dem „Cavalier Francesco Bernini, fu Mariano“.

Einzelnachweise

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