mini|hochkant|Walter Teichert (1999)
Walter Paul Teichert (* 23. Mai 1909 in Dresden; † 1. März 2004 ebenda) war ein deutscher Maler und Grafiker.
Leben Teichert war der Sohn des Dekorationsmalers Max Paul Teichert und der Koloristin Johanna Frieda Gertrud geb. Böckelmann. Nach der Volksschule besuchte er von 1923 bis 1924 die Städtische Gewerbeschule Dresden und begann anschließend eine Lehre zum technischen Zeichner. Von 1926 bis 1930 absolvierte er eine Ausbildung zum Dekorations- und Schriftmaler und war von 1930 bis 1931 an der staatlichen Kunstgewerbeakademie Dresden bei Karl Rade eingeschrieben und legte 1936 die Meisterprüfung ab.
Ab Ende 1930 bis zu seinem Tod in Dresden war er, mit Unterbrechung durch den Kriegsdienst während des Zweiten Weltkriegs (1940–1945), als freischaffender Maler und Grafiker tätig. Zeitlebens lebte er in einfachen Verhältnissen. Walter Teichert starb am 1. März 2004 in Dresden und wurde auf dem Dresdner St.-Pauli-Friedhof bestattet.
Werk mini|Walter Teichert bei seiner letzten Ausstellung in Dresden Teichert zählt zu den Künstlern der Dresdner Moderne. Er war, wie die vom Kunsthistoriker Rainer Zimmermann (1920–2009) in seinem Buch Expressiver Realismus. Malerei der verschollenen Generation beschriebene Künstlergeneration, über Jahre nur einem kleinen Publikum vertraut.
Nach seinem Studium in Dresden arbeitete er unter anderem mit Ulrich Eisenfeld und Günther Torges am Blauen Salon des Albrechtsschlosses in Dresden und später am Prozessionsfries der Semperoper. Seit Ende der 1960er Jahre entwickelte er seine im Spätwerk immer klarerer werdende Formensprache, die durch ein nahezu skizzenhaftes Liniengewirr und das damit verbundene Sichtbarmachen des Wesens vorgestellter Szenen geprägt war. Er machte Unsichtbares sichtbar und war früh von Paul Klees psychologisierender Bilddarstellung beeinflusst. In den frühen Arbeiten gab es Anlehnungen an die genuine darstellende Kunst anderer Kontinente und Kulturen, wie sie parallel dazu in Paris durch André Derain, Maurice de Vlaminck und Pablo Picasso aufgegriffen wurde.
Mit freien bildnerischen Arbeiten beschäftigte sich Teichert ab 1927. Hier entstanden expressive Landschaften, „in denen schon die Betonung der Linie als Umriß und gleichsam Seele der Landschaft und des Gegenstandes hervortritt“.Gunter Ziller, 1994. Teichert verwendete häufig Mischtechniken und schuf eine Reihe Monotypien. In seinem neunten Lebensjahrzehnt war sein Schaffen nahezu tagebuchartig, sodass er seine Blätter fast durchgängig mit Tagesdatum signierte.
In dem 1992 erschienenen Buch von Frank Tiesler Eine verbotene Ausstellung über die 1980 geplante und vier Jahre vorbereitete Ausstellung „Außereuropäische Kunst und Dresdner Moderne“ ist Teichert mit drei Einzelarbeiten neben unter anderem Otto Dix, Hermann Glöckner, Max Uhlig, Gerda Lepke, Willy Wolff, Hernando Leon, Hartmut Bonk und Günther Hornig vertreten. Die Ausstellung, die an das 75-jährige Bestehen der Dresdner Künstlergemeinschaft Brücke erinnern sollte, wurde von der DDR-Kunstaufsicht im Frühjahr 1980 verboten. Dazu hieß es: „Modernistische Wellen oder irgendwie geartete Ismen, Aktionen....werden wir nicht mit einbeziehen, da sie ihrem Charakter nach nichts mit dem zu tun haben, was wir mit dem Begriff bildende Kunst verbinden“. Zur IV. Kunstausstellung der DDR 1982/83 in Dresden wurden seine Arbeiten abgelehnt. Auf der Rückseite seiner „Mahnung“ (Öl, 1972) dokumentierte er seinen Unmut durch das Aufkleben eines Zeitungsartikels, der am Beispiel eines Ölgemäldes eines MiG-Flugzeughangars der NVA (Rudolf Graf, Im Hangar, 1979) die eigentlichen Voraussetzungen für die Teilnahme aufzeigte.
Trotz aller Widrigkeiten wurden Teicherts Arbeiten in den Jahren vor der deutschen Wiedervereinigung mit vier großen Einzelausstellungen in Dresden gewürdigt. Heute finden sich einige der Arbeiten Teicherts in verschiedenen Museen Dresdens. Der überwiegende Teil befindet sich in privatem Besitz. Der Nachlass wird von der Galerie am Damm in Dresden-Loschwitz verwaltet.
Ausstellungen 1975: Galerie Nord, Dresden (1974–1991) 1977: Filmtheater Prager Straße, Dresden („Rundkino“) 1979: Galerie Nord, Dresden 1989: Galerie Comenius, Dresden (1977–1990) 1989: Galerie Kunst der Zeit, Dresden (1953 bis in die Nachwendezeit) 1990: Galerie Hell, Saarbrücken (nicht mehr existent) 1991: Podium Dresden 1992: Museum Haus Ludwig Saarlouis (bis 2017) 1993: Galerie Kühl, Dresden (jetzt Kunstausstellung Kühl) 1994: Leonhardi-Museum, Dresden 1999: Ausstellung der Landesdirektion Sachsen 2009: postum zum 100. Geburtstag in der Galerie am Damm (Dresden-Loschwitz) 2014: postum in „Meilensteine der Kunstgeschichte“ zum 10. Todestag Kuratorium Altstadt Pirna 2022: postum in der Galerie am Damm, Dresden-Loschwitz Ausstellungsbeteiligungen in Dresden (vor allem Galerie am Damm) und Halle
Quellen / Literatur Malerei Zeichnung. Katalog. Verkaufsgenossenschaft Bildender Künstler, Druckerei Neubert, Kreischa 1989. Rainer Zimmermann: Expressiver Realismus. Malerei der verschollenen Generation. Hirmer, München 1994, ISBN 3-7774-6420-1.
Weblinks
Walter Teichert. In: Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB Dresden)
Einzelnachweise
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