miniatur|Palazzo Bocconi in Rom: Fassade zur Via del Corso. Der Palazzo Bocconi, auch Palazzo della Rinascente genannt, ist ein eklektischer Palast aus den 1880er-Jahren in Rom in der italienischen Region Latium. Er liegt im Viertel Colonna an der Via del Corso, 189, neben der Galleria Alberto Sordi. Das zwischen 1886 und 1889 errichtete Gebäude beherbergt seit 2010 das Hauptgeschäft von Zara in der italienischen Hauptstadt.
Geschichte Der Palast wurde auf einem Grundstück in der Nähe der Piazza Colonna errichtet, das die Fratelli Bocconi nach den ausgedehnten Abrissarbeiten zahlreicher Gebäude in der Gegend, darunter auch das berühmte Caffè del Parlamento, für 900.000 Lire gekauft hatten. Die Abrissarbeiten waren nach der Genehmigung des neuen Stadtentwicklungsplans 1883 durchgeführt worden. Der Plan sah neben der Verbreiterung und Begradigung der Via del Corso und der angrenzenden Piazza Colonna durch Abriss verschiedener Gebäude, darunter auch den Palazzo Piombino, auch den Bau der neuen Straßenachse der ‚‚Via del Tritone‘‘ vor, die die Via del Corso mit der Kreuzung an der Piazza Barberini bis zur Verbindung des neuen savoyischen Viertels am Esquilin mit weiteren neuen Straßenachsen.
Der Palast wurde 1886–1889 unter Leitung des Architekten Giulio de Angelis, einem Vertreter des umbertinischen Stils errichtet. Neu war die Nutzung von Metall für den Bau durch die Gebrüder Luigi und Ferdinando Bocconi, den Eigentümers der großen Ladenkette Aux villes d’Italie.
Das Projekt wurde 1886 der städtischen Baukommission vorgestellt; De Angelis, der Mitglied dieser Kommission war, nahm aber nicht an der Diskussion und Genehmigung des Projektes teil. Die Höhe des Gebäudes war größer als die von den damaligen Bauregeln erlaubte, aber wegen seiner besonderen Merkmale wurde das Projekt dennoch genehmigt.
miniatur|Ansicht bei Nacht Das Gebäude, das damals „Stabilimento Bocconi“ genannt wurde, wurde zum wichtigsten Ladengeschäft für Konfektionskleidung in Rom. Es folgte einem Modell, das sich in ganz Europa ausbreitete. Das Konzept ähnelt anderen Ladengeschäften, die in den großen Hauptstädten Europas errichtet wurden: Dem Gebäude von Printemps am Boulevard Haussmann in Paris, projektiert vier Jahre zuvor von Paul Sédille, während À la Belle Jardinière von Henri Blondel schon zehn Jahre alt war. Auch wenn der Innenraum trotz seiner geringeren Größe an Le Bon Marché erinnerte, sagte König Umberto I. in seiner Einweihungsrede, existieren noch originale Elemente. Das Gebäude zeigte sich sehr fortschrittlich im Vergleich mit anderen Gebäuden im damaligen Italien: Es war auch das erste Paradiso delle Signore (dt.: Paradies der Damen) und behielt diese Position lange Zeit.
In den folgenden Jahren entwarf De Angelis den Palazzo Chauvet in der Via dei Due Macelli, der an die Themen der Galleria Sciarra erinnerte.
1920, nach Übernahme der Geschäfte durch Senator Borletti im Jahre 1917 wurde der Palast, wie andere derselben Kette, vom Architekten Pio Piacentini Verbesserungen, wie dem Aufsetzen eines Stockwerks, unterzogen und erhielt den Namen La Rinascente, den ihm Gabriele d’Annunzio verlieh und der das vorherige Alle città d’Italia ersetzte, ein Schicksal, das die ganze Ladengruppe ereilen sollte.
Beschreibung miniatur|links|Stich aus dem Jahr 1894 mit Schwerpunkt auf der elektrischen Beleuchtung, einer der Gründe des damaligen großen Erfolges miniatur|Blick von der Piazza Colonna entlang der Via del Corso: Rechts im Vordergrund die Galleria Alberto Sordi, danach der Palazzo della Rinascente. Links die Ecke des Palazzo Chigi. Der Palast hat einen quadratischen Grundriss mit 25 Meter Seitenlänge und fünf Stockwerke. Das Innere besteht aus einem Gerippe aus Gusseisen, was den Raum sehr hell machte. Eine gleiche Konstruktion mit Säulen aus Gusseisen nutzt De Angelis für den Umbau des Palazzo und der Galleria Sciarra. Für die Ausschmückung des Innenraums griff De Angelis auf Annibale Burgnoli zurück, der die Decke des Teatro Costanzi schuf.
Bahnbrechend für diese Epoche, um reichlich Licht zu bieten, stützte sich die Struktur auf ein System von acht Säulenpaaren aus Gusseisen, die dank des großen Dachfensters einen großen, hellen Raum umschlossen. Das Gebäudesystem aus Mauerwerk und Gusseisen erlaubte einen Abschluss der Arbeiten in extrem kurzer Zeit; auch die ersten hydraulisch betätigten Personenaufzüge in der Hauptstadt machten das Gebäude innovativ. Die vier gleichen Fassaden wurden aus breiten Glasbögen, verziert mit für das Ende des 19. Jahrhunderts typischen Rahmen, gefertigt. 1920 wurde auch das anmutige Vordach, entworfen vom Architekten Pio Piacentini, angebaut, das heute nicht mehr existiert. Außerdem wurde das Gebäude durch eine neue Anlage beleuchtet, die aus einem Generator bestand, der von Gasmotoren angetrieben wurde und im Untergeschoss aufgestellt war. 1937 wurde in dem Palast die erste Rolltreppe Italiens in einem Handelsgeschäft aufgestellt.
Einzelnachweise
Weblinks
Kategorie:Erbaut in den 1890er Jahren Bocconi