mini|hochkant|Stammwappen derer von Sparr im Wappenbuch des Westfälischen Adels Sparr (auch Sparre, Sparr zum Greiffenberg, Sparr zu Trampe o. ä.) ist der Name eines brandenburgischen Uradelgeschlechts, das im 17. Jahrhundert zweifach in den Reichsgrafenstand erhoben wurde.

Die Familie ist zu unterscheiden von dem schwedischen Adelsgeschlecht Sparre.

Geschichte Nach Johann Friedrich Gauhe ließ sich das Geschlecht schon 926 in der Mark Brandenburg nieder, nachdem der ostfränkische König Heinrich I. († 936) die Abodriten-Wenden von dort vertrieben hatte.Gauhe (1740), Sp. 2366. Urkundlich nachweisen lässt sich dies nicht. Sicher kommt dort das Geschlecht seit dem 13. Jahrhundert vor. Der Stamm saß bereits 1347 zu Wilmersdorf sowie 1375 zu Prenden, Schönefeld, Tiefensee, Tornow, Welsickendorf und Lichterfelde. Danach brachte die Familie mehrere andere Güter an sich, in Brandenburg u. a. Trampe, Lancke und Utzdorf. In der Uckermark waren Greiffenberg, Güntersberg und Steinhöfel die Hauptgüter der Familie. Später hatte die Familie zeitweise auch Besitz in Böhmen, Westfalen und Pommern.Kneschke (1868), S. 542 f.

Verschiedene Mitglieder der Familie besetzen wichtige Kirchen-, Verwaltungs- und Militärämter. Christoph Sparre war um die Mitte des 16. Jahrhunderts kurbrandenburgischer Rat, Kammerdirektor und später Oberhofmarschall. Joachim Sparr war Malteser-Ritter und Komtur zu Mainz und Frankfurt am Main. Er kämpfte 1571 bei Famagosta und Nicosia gegen die Türken. Franz von Sparr, Herr zu Görlsdorf, Hohenfinow und Tornow, war 1590 kurbrandenburgischer Amtshauptmann zu Köpenick.

Eine westfälische Linie, die Besitz in Kamen (urkundlich 1684–1699), Holtwick (1729), Mengede (1729) und Nienborg (1729) hatte,Ledebur (1856), S. 460. stammt von Rudolph von Sparr († 1639), anfangs kurmainzischer Geheimer Rat und Oberamtmann zu Dieburg, später, um 1630, kurkölnischer Oberstkanzler. Er war ab 1601 mit Erbtochter Catharina von Partenheim, Tochter von Philipp von Partenheim, verheiratet, wodurch partenheimsche Güter in der Pfalz und in der Gegend von Mainz in die Familie kamen. Er wird in verschiedenen Veröffentlichungen auch als „Spare von Greifenberg“ geführt. Von den Söhnen der Eheleute, die meist unverheiratet verstarben, darunter auch der Deutschordenritter Nikolaus von Sparr († 1684), ehelichte Anshelm Casimir von Sparr, bischöflich-münsterischer Generalmajor, Margaretha Petronella von der Recke. Einer ihrer Söhne war Johann Karl von Sparr (1667–1737), römisch-katholischer Geistlicher und Domherr in Münster. Aus der Ehe Sparr-von der Recke entstammte ferner Otto Uladilaus von Sparr, der 1720 bischöflich-münsterischer Oberst und Kommandant zu Rhemen war. Von dessen Söhnen mit Anna Elisabeth von Torck zu Nordherringen erscheinen um 1722 Friedrich Christian von Sparr als herzoglich-württembergischer Grenadierhauptmann und Johann Karl von Sparr (1693–1783) zunächst als Münsteraner Domherr, später als kurkölnischer Kammerherr und Capitain.

mini|Schloss Hroby in Böhmen, 2012 Georg Ernst von Sparr († 1672), kaiserlischer General-Feldzeugmeister, erhielt am 17. Februar 1654 ein Reichsgrafendiplom.AT-OeStA/AVA Adel RAA 400.9. Er ließ sich in Böhmen nieder und starb dort auf dem Schloss Hroby in Hroby bei Chýnov, im heutigen Okres Tábor. Aus seiner Ehe mit einer von Bredow stammen drei Söhne: Johann Ernst Ludwig von Sparr, Georg Ernst von Sparr und Uladislaus von Sparr, die alle in der kaiserlichen Armee hohe Stellungen erlangten. Graf Uladislaus von Sparr diente zunächst in der kursächsischen Armee, dann der Krone Polens gegen die Türken. Als der Türkenkrieg in Ungarn wieder begann, ging er in kasierliche Dienste und verlor 1664 bei der Belagerung von Canischka, die er kommandierte, einen Arm. Er lebte später auf seinen Gütern in Böhmen. Da er mit seiner Frau Catharina Gräfin von Malowetz kinderlos blieb, fiel sein Erbe an seinen Bruder Johann Ernst von Sparr, der seinen Stamm in Böhmen fortsetzte. In Böhmen hatte die Familie neben Hroby (urkundlich 1672) Besitz in Stephanoff (1683) und Stracka (1727).

Otto Christoph von Sparr (1599–1668), ein Sohn des kurbrandenburgischen Oberhofmeisters Christoph von Sparr und naher Verwandte des Grafen Uladislau von Sparr, stammte aus dem Haus Trampe. Er stand zunächst in kaiserlichen, nach dem Westfälischen Frieden in kurbrandenburgischen Diensten. Er soll 1664 maßgeblich zum Sieg bei St. Gotthardt in Ungarn beigetragen haben und wurde deshalb noch im selben Jahr kaiserllicher General-Feldmarschall. Außerdem war er kurbrandenburgischer General-Feldmarschall und Geheimer Kriegsrat. Er führte den Freiherrentitel. Eine angebliche Erhebung in den Reichsgrafenstand, wie sie sich in älterer Literatur findet, kann nicht belegt werden. Er starb in hohem Alter ohne Nachkommen auf seinen Gütern in der Mark Brandenburg.

Ein weiteres Reichsgrafendiplom erging am 23. Oktober 1670 für Georg Friedrich von Sparr, kaiserlicher General-Feldmarschall-Leutnant.AT-OeStA/AVA Adel RAA 400.10. Letzterer empfing vom Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg am 22. Januar 1672 ein Anerkennungsdiplom. Georg Friedrichs einziger Sohn, Friedrich Wilhelm von Sparr, trat 1687 in venetianische Dienste und war als Oberst an der Belagerung von Negroponte beteiligt. Wenig später zog er sich auf sein Haus Trampe in der Mittelmark zurück und vermählte sich mit einer Gräfin von Flemming. Zu seinen Nachkommen zählte u. a. derjenige Graf Nicolaus von Sparr (* 1712), der sich 1739 mit Dorothea Elisabeth von Grumbckow (1717–1771) vermählte. Nachkommen saßen noch 1783 zu Ober-Gratze, 1785 zu Beerbaum und Tempelfelde, 1786 zu Strehlow und 1792 zu Greiffenberg und Güntersberg. 1837 besaß ein Graf von Sparr in Pommern einen Anteil des Gutes Schönwitz und 1857 war ein Graf von Sparr Herr auf Kölpin im Kreis Cammin i. Pom.

Persönlichkeiten Gottfried von Sparr (1593–1663), Obrist-Wachtmeister im Dreißigjährigen Krieg und Stadtkommandant von Hannover Joachim Sparr (um 1525–1571), Ritter des Johanniterordens

Nikolaus von Sparr († 1684), Ritter des Deutschen Ordens Otto Christoph von Sparr (1599–1668), Feldmarschall Rudolf Sparr von Greiffenberg († 1639), Amtmann

Wappen Blasonierung des Stammwappens Schild belegt mit einem Herzschild, begleitet von sieben (oder mehr) Sternen.

Über die Tingierung finden sich unterschiedliche Angaben. Max von Spießen beschreibt den Schild als blau, den Herzschild und die Sterne als silbern. Als Helmzier nennt er auf dem gekrönten Helm mit blau-silbernen Helmdecken einen blauen Flügel.Spießen (1901–1903), S. 119. Laut Leopold von Ledebur sind der Schild schwarz, das Herzschild silbern und die Sterne golden, ebenso in Siebmachers Wappenbuch, das als Helmzier auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken einen silbernen Flügel bezeichnet mit einem mit drei silbernen (oder goldenen?) Sternen belegtem schwarzen Schrägrechtsbalken angibt.Siebmacher (1772), Tfl. 23.Mülverstedt (1880), S. 88. Ernst Heinrich Kneschke wiederum schreibt, dass Stammwappen zeige in Blau einen silbernen Herzschild, der von goldenen Sternen begleitet wird.

Blasonierung des gräflichen Wappens von 1654 Geviert mit einem gekrönten blauen Herzschild belegt mit einem silbernen Schildchen begleitet von sieben silbernen Sternen. Felder 1 und 4 in Gold ein gekrönter schwarzer doppelköpfiger Alder, auf der Brust ein rotes Schilchen mit einem silbernen Balken; Felder 2 und 3 in Silber drei blaue Sparren übereinander. Drei gekrönte Helme: I. mit schwarz-goldenen Decken vier Fahnen (eine rot, eine silbern, eine golden mit sechs schwarzen Balken, eine silbern belegt mit einem blauen Kreuz) und vier mit Fähnchen besteckte Turnierlanzen (ein Fähnchen blau, eines rot mit drei (2:1) goldenen Sternchen, eines silbern, eines golden); II. mit rot-silbernen Decken ein silberner Flügel bezeichnet mit einem mit vier silbernen Sternen belegter blauer Schrägrechtsbalken; III. mit blau-silbernen Decken vier mit Fähnchen besteckte Tunierlanzen (eines rot, eines silbern, eines golden und eines blau) und vier Fahnen (eine Fahne blau, eine silbern mit mehreren blauen Balken, eine golden mit mehreren roten Balken, eine silbern belegt mit einem roten Kreuz).

Blasonierung des gräflichen Wappens von 1670/1672 In Blau ein silbernes Herzschild, belegt mit einem schwarzen gekröten doppelköpfigen Adler, von sieben silbernen Sternen umgeben. Drei gekrönte Helme mit blau-silbernen Decken: I. und III. ein nach innen gekehrter goldener gekrönter Löwe mit einem Schwert, II. ein silberner Flügel mit blauen Schrägrechtsbalken, darauf vier silberne Sterne. Devise: Constantia vincit omnia (Ausdauer besiegt alles.).Hefner (1857), S. 28.

Sonstiges 1892 wurde die Sparrstraße, 1897 der Sparrplatz in Berlin-Wedding nach dem Feldmarschall Otto Christoph von Sparr (1599–1668) benannt, in Köln-Mülheim die Von-Sparr-Straße. In Köln-Mülheim geht der Name historisch auf das dort einst in der Garnisonsstadt Mülheim stationierte 3. westfälische Infanterieregiment Nr. 16 zurück, das seinen Namen zu Ehren des Freiherrn trug.

Literatur Konrad Blažek: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 6 (Abgestorbene, erloschene Geschlechter), 8. Abt., T. 3: Der abgestorbene Adel der Preußischen Provinz Schlesien, 3. Teil, Nürnberg 1894, S. 56 (uni-goettingen.de) und Tfl. 33 (uni-goettingen.de). Johann Friedrich Gauhe: Des Heil. Röm. Reichs Genealogisch-historisches Adels-Lexicon, Darinnen die älteste und ansehnlichste adeliche, freyherrliche und gräfliche Familien nach ihrem Alterthum, Ursprunge, Vertheilungen in unterschiedene Häuser [et]c. nebst den Leben derer daraus entsprossenen berühmtesten Personen, insonderheit Staats-Minister ... mit bewährten Zeugnissen vorgestellet werden, Teil 2, Leipzig: Gleditsch, 1740, Spalten 2366–2370 (Google Bücher). Otto Titan von Hefner: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 3 (Blühender Adel deutscher Landschaften unter preußischer Vorherrschaft), 1. Abt.: Der Adel des Königreichs Preußen: Grafen und Freiherren, Nürnberg 1857, S. 28 (digitale-sammlungen.de) und Tfl. 32 (digitale-sammlungen.de). Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines deutsches Adels-Lexicon. Friedrich Voigt, Band 8: Saackhen, Wailckhl v. Saackhen – Steinhauer zu Bulgarn. Leipzig 1868, S. 542 f. (Google Bücher). Leopold von Ledebur: Adelslexicon der Preußischen Monarchie, Band 2: L–S, Berlin 1856, S. 460 (digitale-sammlungen.de). Rudolf Johann Meraviglia-Crivelli: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 4 (Habsburgermonarchie), 9. Abt.: Der Böhmische Adel, Nürnberg 1886, S. 171 (uni-goettingen.de) und Tfl. 75 (uni-goettingen.de). George Adalbert von Mülverstedt: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 6 (Abgestorbene, erloschene Geschlechter): 5. Abt.: Der abgestorbene Adel der Provinz und Mark Brandenburg, Nürnberg 1880, S. 88 (uni-goettingen.de) und Tfl. 53 (uni-goettingen.de). 9. Abt.: Ausgestorbener preußischer Adel, Provinz Pommern, Nürnberg 1894, S. 92 f. (uni-goettingen.de) und Tfl. 58 (uni-goettingen.de). Johann Siebmacher: Johann Siebmachers allgemeines großes und vollständiges Wappenbuch: 5. Teil, 9. Ausgabe, Nürnberg 1772, Tfl. 23 (digitale-sammlungen.de). 6tes Supplement, Nürnberg 1783, Tfl. 8 (uni-goettingen.de) und Tfl. 9 (uni-goettingen.de). Max von Spießen: Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Wappengrafiken von Adolf Matthias Hildebrandt, Band 1, Görlitz 1901–1903, S. 119 (hhu.de); Band 2, Görlitz 1903, Tfl. 301 (hhu.de).

Weblinks Österreichisches Staatsarchiv: AT-OeStA/AVA Adel RAA 400.9 Sparr, Ernst Georg Freiherr von, kaiserlicher Generalfeldzeugmeister, Grafenstand für das Reich und die Erblande, "Hoch- und Wohlgeboren", Wappenbesserung, Münzrecht, 1654.02.17. AT-OeStA/AVA Adel RAA 400.10 Sparr, Georg Friedrich Freiherr von, Oberst und General der Republik Venedig, Grafenstand, "Hoch-und Wohlgeboren" für das Reich und die Erblande, Münzrecht, 1670.10.23.

Einzelnachweise

Kategorie:Brandenburgisches Adelsgeschlecht