mini|Louis-Rolland Trinquesse: Porträt des Künstlers Charles Michel-Ange Challe, im Profil nach links. Rijksmuseum Amsterdam Charles-Michel-Ange Challe (* 18. August 1718 in Paris; † 8. Januar 1778 ebenda) war ein französischer Maler, Architekturzeichner und Kupferstecher. Er zählte zu den bedeutendsten Dekorationskünstlern des französischen Hofes im 18. Jahrhundert und amtierte als Dessinateur de la Chambre et du Cabinet du Roi.

Leben Charles-Michel-Ange Challe wurde als zweites Kind von Michel Challe und Catherine Roquin in Paris geboren. Sein Bruder Simon Challe war ebenfalls künstlerisch tätig. Über seine ersten Lebensjahre ist wenig bekannt; die wenigen Informationen stammen im Wesentlichen aus seinem Nekrolog. Nach der Schulzeit soll er zunächst drei Jahre lang Architektur studiert haben, bevor er sich der Malerei zuwandte. Sein erster Lehrer war Jean André. Nach einer achtzehnmonatigen Ausbildung wechselte er in das Atelier von François Lemoyne, der 1737 durch Suizid starb. Anschließend wurde Challe von François Boucher aufgenommen.

Nach zwei erfolglosen Teilnahmen am Wettbewerb um den Prix de l'Académie (1738 und 1740) erhielt er 1741 den ersten Preis für das Werk Die Heilung des alten Tobias. Vom 3. November 1742 bis Oktober 1749 war er Stipendiat der Académie de France in Rom. Unter der Leitung des Direktors Jean-François de Troy wurden die Schüler angewiesen, die Fresken Raffaels zu kopieren. Challe reproduzierte die Darstellung Leo I. gebietet Attila Einhalt, deren Fertigstellung der Direktor 1748 lobend erwähnte. In Rom gehörte er einem Kreis junger Künstler an, die sich für die Antike und imaginäre Architekturentwürfe begeisterten und sich im Geschäft des französischen Buchhändlers Bouchard trafen. Zu ihnen zählte auch der am Beginn seiner Laufbahn stehende Giovanni Battista Piranesi.

Nach seiner Rückkehr nach Paris wurde Challe am 30. Oktober 1751 Agrégé und am 26. Mai 1753 Mitglied der Académie royale de Peinture et de Sculpture. Im selben Jahr debütierte er im Salon, in dem er bis 1765 regelmäßig vertreten war. Ab 1758 hatte er die Professur für Perspektive inne. 1763 heiratete er Madeleine-Sophie, die jüngste Tochter des Malers Jean-Marc Nattier. Am 25. Dezember 1764 wurde er als Nachfolger von Michel-Ange Slodtz zum Dessinateur de la Chambre et du Cabinet du Roi ernannt. 1766 zog das Ehepaar von der Rue Gaillon in die Rue du Sentier, um näher am Hôtel des Menus-Plaisirs zu wohnen – dem Ort, an dem Challe hauptsächlich wirkte.mini|Charles Michel-Ange Challe, Das Innere des Kolosseums, um 1745. National Gallery of Art, Washington D.C.Besondere Verdienste erwarb sich Challe bei der Ausgestaltung der Festlichkeiten anlässlich der Hochzeit des Dauphins im Mai 1770, wofür er im November desselben Jahres einen Adelsbrief erhielt. 1773 wurde er Ritter des Ordens vom Heiligen Michael und erwarb ein Haus in der Rue Bergère. Im Juli 1776 zog er in die Rue Thévenot, wo er am 8. Januar 1778 starb. Laut Nachlassinventar war er wohlhabend. Neben dem Stadthaus besaß er ein Landhaus in Champigny. Seine Kunstsammlung umfasste Werke alter Meister sowie von ihm nahestehender Zeitgenossen wie Boucher, Nattier, Jacques-François-Joseph Saly und Louis-Claude Vassé. Darüber hinaus besaß er zahlreiche Zeichnungsmappen mit italienischen Landschaften und Denkmälern sowie eine umfangreiche Bibliothek. Er war mit dem Physiker Abbé Jean-Antoine Nollet befreundet, dessen Kenntnisse ihm bei der Gestaltung von Feuerwerken für höfische Feste zugutekamen. Challe war Mitglied der Académie des Arcades sowie der Akademie von Lyon.

Werk mini|Charles Michel-Ange Challe, Blick in eine Kirche, um 1742–46. Cooper Hewitt, Smithsonian Design Museum Von Charles-Michel-Ange Challes umfangreichem malerischem Œuvre, das sich anhand von Salonkatalogen, alten Handbüchern, dem Nekrolog und seinem Verkaufskatalog rekonstruieren lässt, sind die meisten Arbeiten verschollen. Mehrere Pariser Kirchen, darunter das Oratoire und die Klosterkirche der Feuillantiner in der Rue Saint-Honoré, die Abtei von Longchamp, die Kapelle des Hôtel des Menus-Plaisirs sowie die Kirche Saint-Hippolyte, waren mit seinen Gemälden ausgestattet. Auch nach Lyon, Orléans und Santo Domingo lieferte er Bilder.

Charles-Michel-Ange Challe erhielt keine Aufträge für königliche Residenzen, und die meisten seiner Werke für private Auftraggeber sind nicht erhalten. Belegt ist seine Mitwirkung an Deckengemälden und Supraporten in den Hôtels de Soyecourt, d'Aiguillon und de Praslin, im Palais des Gesandten des Malteserordens, im Amtssitz des Contrôleur général des Bâtiments sowie in den Schlössern von Magnanville und Champlatreux. Diese Ausstattungen sind größtenteils nicht erhalten. Erhalten blieb hingegen sein Aufnahmestück für die Akademie, ein Deckengemälde im Sitzungssaal, dessen perspektivische Gestaltung als gelungen gilt und den Einfluss Bouchers erkennen lässt. mini|Charles Michel-Ange Challe, Le Christ et le centurion, 1759. Église St. Roch (St-Roch, Paris) Charles-Michel-Ange Challe galt als geschickter Nachahmer älterer Meister, insbesondere von Guido Reni und Salvator Rosa. Zeitgenössischen Berichten zufolge kam es zu Verwechslungen mit Werken Bouchers. Ähnlich wie Boucher bewegten sich seine Gemälde zwischen mythologischer Malerei und Genrebild, wie die nur durch Stiche überlieferten Kompositionen Jupiter und Leda sowie Zephir und Flora zeigen. Andere Werke wie Tod des Herkules und Tod der Dido orientieren sich stärker am genre noble von Pietro da Cortona.

Neben der Malerei umfasst Challes zeichnerisches Werk drei Hauptgruppen: Arbeiten im Stil Piranesis, Landschaftszeichnungen und Entwürfe für Festdekorationen. Eine im Louvre aufbewahrte Zeichnung trägt eine Inschrift, der zufolge er bereits 1746 in Rom imaginäre Architekturentwürfe in einem Wettstreit mit Piranesi geschaffen habe. Im Unterschied zu diesem zeichnete sich Charles-Michel-Ange Challes Stil durch eine weichere, gleichmäßigere Linienführung und ausgeglichenere Lichteffekte aus. Seine Zeichnungen zu höfischen Zeremonien – Katafalke, Festdekorationen, Illuminationen und Feuerwerksentwürfe – sind überwiegend durch Stiche überliefert. Beispiele hierfür sind die Trauerfeierlichkeiten für Stanislaus I. Leszczyński, die Feierlichkeiten zur Krönung Ludwig XV. sowie die Krönungsfeierlichkeiten Ludwig XVI.

Erhaltene Gemälde befinden sich im Herzog Anton Ulrich-Museum in Braunschweig (Schlafende Venus, Schlafende Diana, beide signiert und datiert auf das Jahr 1744), im Musée national du Château de Fontainebleau (Aufnahmestück von 1753) sowie in der Kirche Saint-Bruno in Lyon (Mariä Vermählung, signiert und datiert auf das Jahr 1752). Zeichnungen befinden sich unter anderem in den Sammlungen des Louvre, des British Museum, des Courtauld Institute, der Albertina Wien, des Nationalmuseums Stockholm sowie mehrerer französischer Provinzmuseen.

Literatur

Antoine-Joseph Dézallier d’Argenville: Abrégé de la vie des plus fameux peintres, avec leurs portraits gravés en taille-douce, les indications de leurs principaux ouvrages, quelques réflexions sur leurs caractères, et la manière de connoître les desseins des grands maîtres. 3 Bände, Paris 1745. Almanach royal. Paris, jährlich erschienen (für Challe insbesondere die Jahrgänge 1751–1778 relevant). Livrets du Salon. Paris, insbesondere die Ausgaben 1753, 1755, 1757, 1759, 1761, 1763 und 1765. Luc-Vincent Thiéry: Guide des amateurs et des étrangers voyageurs à Paris. Paris 1787. Luc-Vincent Thiéry: Guide des amateurs et des étrangers voyageurs aux environs de Paris. Paris 1788. Philippe de Chennevières, Anatole de Montaiglon (Hrsg.): Abecedario de P.-J. Mariette et autres notes inédites de cet amateur sur les arts et les artistes. 6 Bände, Paris 1851–1860. Henri de Chennevières: M.-A. Challe, dessinateur du cabinet du roi (documents tirés d’un journal inédit). In: Gazette des Beaux-Arts, 2. période, Bd. 25, 1882, S. 505–523. Jean Locquin: La peinture d’histoire en France de 1747 à 1787. Paris 1912; Nachdruck Genf 1978. Richard P. Wunder: Charles-Michel-Ange Challe: A Study of His Life and Work. In: Apollo, New Series, Bd. 87, 1968, S. 22–33. Gilles Erouart, Monique Mosser: À propos de la « Notice historique sur la vie et les ouvrages de J.-B. Piranesi ». Origine et fortune d’une biographie. In: Georges Brunel (Hrsg.): Piranèse et les Français. Actes du colloque tenu à la Villa Médicis (12–14 mai 1976), Rom 1978, S. 213–256. Richard P. Wunder: The Spread of "Piranesism" to France through Legeay and Challe. In: Georges Brunel (Hrsg.): Piranèse et les Français. Rom 1978, S. 553–566. Chantal Gastinel-Coural: Un dessin de Challe pour la pompe funèbre de Louis XV en l’église abbatiale de Saint-Denis. In: Marie-Thérèse Caracciolo (Hrsg.): Hommage au dessin. Mélanges offerts à Roseline Bacou. Rimini 1996, S. 490–499. Bent Sørensen: Idée d’un feu d’artifice pour le recouvrement de la santé de M. Saly à Rome en 1746. In: Marie-Thérèse Caracciolo (Hrsg.): Hommage au dessin. Mélanges offerts à Roseline Bacou. Rimini 1996, S. 476–487. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 3: Bülow – Cossin. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online, De Gruyter 2009.

Weblinks

MutualArt

Einzelnachweise

Kategorie:Maler (Frankreich) Kategorie:Zeichner (Frankreich) Kategorie:Kupferstecher (Frankreich) Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1718 Kategorie:Gestorben 1778 Kategorie:Mann