mini|Villa Stenersen Die Villa Stenersen in der Tuengen allé in der norwegischen Hauptstadt Oslo wurde von dem Architekten Arne Korsmo entworfen und in den Jahren 1937 bis 1939 für den Finanzier, Kunstsammler und Autor Rolf Stenersen und dessen Familie erbaut. Das Haus im Stadtteil Vestre Aker sollte sowohl als Wohnsitz als auch als Präsentationsort für die umfangreiche Kunstsammlung dienen und gilt als eines der Hauptwerke des norwegischen Funktionalismus.
Die Villa wird heute vom Nationalmuseum für Kunst, Architektur und Design (Nasjonalmuseet for kunst, arkitektur og design) verwaltet und ist in der Zeit vom 1. Mai bis zum 31. Oktober jeden Sonntag für die Öffentlichkeit zugänglich, jedoch im Sommer 2026 wegen Renovierung geschlossen.
Geschichte Arne Korsmo wurde mit dem Entwurf eines Einfamilienhauses beauftragt, wobei es wichtig war, das Gebäude auf dessen Kunstsammlung abzustimmen. Das Haus war für seine Zeit sehr innovativ und zeichnete sich durch Elemente aus Beton und Glasbausteinen, Säulen im Innen- und Außenbereich sowie große Fensterflächen aus. Es wurde in den Jahren 1937 bis 1939 errichtet. Als die Familie Stenersen während der deutschen Besatzung nach Schweden floh, beschlagnahmten die Deutschen am 12. Dezember 1942 die Villa sowie das Mobiliar und die Kunstwerke.
1974 schenkte Rolf Stenersen das Haus dem Staat. Dieser sah eine Nutzung als Repräsentationsgebäude des Staates oder als Dienstwohnung für den Ministerpräsidenten vor. Es bewohnte nur ein einziger Ministerpräsident, Odvar Nordli, in seiner Amtszeit das Haus. Thorvald Stoltenberg wohnte während seiner Amtszeit als Außenminister zeitweise dort, den Rest der Zeit stand die Villa leer.
1999 prüfte eine behördenübergreifende Arbeitsgruppe alternative Nutzungsmöglichkeiten. Die Gruppe schlug vor, das Haus einer flexiblen, öffentlichen Nutzung für vielfältige kulturelle Zwecke zuzuführen – vorzugsweise in den Bereichen Architektur, Design und Ästhetik. Dies würde den öffentlichen Zugang gewährleisten und zugleich dem Charakter sowie dem denkmalpflegerischen Wert des Gebäudes – ganz im Sinne von Rolf Stenersen und Arne Korsmo – gerecht werden. Der Vorschlag sah vor, die Villa Stenersen als bedeutendes Architekturwerk zu erhalten und zu präsentieren. Das Storting billigte diesen Vorschlag im Rahmen der Verabschiedung des Staatshaushalts für das Jahr 2000.
Die Villa Stenersen wurde bis 2014 von Norsk Form verwaltet, bevor das Nationalmuseum die Verantwortung übernahm. Das Nationalmuseum organisiert unter anderem Ausstellungen und Vorträge. Im Jahr 2015 schloss der Malereikonservator Jon Brænne farbarchäologische Untersuchungen am Gebäude ab. Brænne empfahl, das Haus sachgerecht zu renovieren.
2016 waren dann die Bibliothek, das Gartenzimmer und die Eingangshalle in ihrer ursprünglichen Farbgebung restauriert worden. Im Herbst 2020 wurde die Fassade für fünf Millionen NOK instand gesetzt.
Unter der Trägerschaft von Norsk Form diente die Villa Stenersen als Studienzentrum für Architektur und Design und bot Arbeitsmöglichkeiten für Forschende und Projekte. Sie sollte als Ort der Vermittlung funktionalistischer Architektur und Gestaltung an ein breites Publikum fungieren, wobei Vorträge und Führungen jeweils am ersten Sonntag im Monat sowie nach Vereinbarung stattfanden.
Statsbygg ist im Auftrag des Staates für die laufende Verwaltung der Immobilie zuständig.
Aufbau mini|Badezimmer Das von Arne Korsmo für Stenersen entworfene Haus war stark von der Kunst geprägt. Ursprünglich war die Fassade des zweiten Obergeschosses ausschließlich aus Glasbausteinen geplant. Diese sollten zwar Tageslicht hereinlassen, aber kein direktes Sonnenlicht auf die Gemälde fallen lassen. Dass das Geschoss völlig fensterlos bleiben sollte, entsprach jedoch nicht dem Geschmack von Annie Stenersen. Sie setzte durch, dass Fenster in die Glasbausteinwand integriert wurden.
Im ersten Wohngeschoss befinden sich eine Diele, ein Gartenzimmer, ein WC, Abstellräume sowie eine Waschküche. Das zweite Obergeschoss, das speziell auf die Kunstpräsentation ausgerichtet war, beherbergt Esszimmer, Wohnzimmer, Terrasse, Bibliothek, Küche und WC. Im dritten Obergeschoss liegen Schlafzimmer, Badezimmer und WC. Zudem befindet sich im obersten Stockwerk eine Hausmeisterwohnung.
Alle Räume des Hauses sind rechteckig angelegt. Die Eingangstür im ersten Stock ist kreisförmig. Beim Betreten hat man das Gefühl, in einer großen Röhre zu stehen. Weitere Abweichungen von der quadratischen Grundform sind die halbkreisförmige Garage im Erdgeschoss und der Garten im Außenbereich.
Möblierung Die Villa Stenersen ist nicht als Wohnsitz eingerichtet. Unter der Zeit von „Norsk Form“ wurde die Villa „im Geiste der Architektur möbliert und für eine praktische Nutzung ausgestattet“. Das Nationalmuseum arbeitet an einer Wechselausstellung mit authentischen Möbeln aus der Zeit ab 1939. Zudem wurden verschiedene Reproduktionen von Originalgemälden Edvard Munchs angefertigt, die zur Zeit der Erbauung im Haus hingen. Als Vorlage hierfür dienten Originalaufnahmen des Fotografen Anders B. Wilse. Diese Reproduktionen waren Teil einer Ausstellung, die bis Mitte 2018 im Haus zu sehen war.
Kulturgut Die Villa Stenersen wurde 2008 von Riksantikvaren vorläufig und 2012 endgültig unter Denkmalschutz gestellt. Das Haus ist als Kulturdenkmal in der Datenbank der norwegischen Denkmalschutzbehörde unter der Nummer 116907 verzeichnet. Die Unterschutzstellung umfasst sowohl das Innere als auch das Äußere des Gebäudes sowie den Garten.
Im Jahr 2012 wurde die Villa Stenersen in die internationale Liste „Iconic Houses“ aufgenommen, eine Auswahl der hundert bedeutendsten Wohnhäuser der Moderne aus dem 20. Jahrhundert.
Renovierung Die Renovierung der Villa erfolgt in mehreren Phasen. Die umfangreichsten Arbeiten im Sommer 2026 umfassen die Verbesserung der Drainage rund um das Haus sowie die Dämmung der unterirdischen Mauerbereiche. Anschließend werden die Haupttreppe zur Terrasse vor dem Haus, die Terrasse selbst sowie die Wendeltreppe abgerissen, bevor eine neue Treppe und eine neue Terrasse betoniert werden.
Hintergrund der Arbeiten sind im Laufe der Zeit entstandene Abnutzungserscheinungen und Schäden – insbesondere an Fassaden, Putz und Beton sowie durch Wassereintritt. Das Gebäude war bei seiner Errichtung zwischen 1937 und 1939 mit für die Epoche typischen, teils aber auch experimentellen Lösungen ausgestattet worden. Die Maßnahmen sollen den kulturhistorischen Wert des Gebäudes bewahren, seine Widerstandsfähigkeit gegen Witterung und Feuchtigkeit erhöhen sowie einen sicheren Betrieb und die Zugänglichkeit für die Öffentlichkeit gewährleisten.
Während der Restaurierungsarbeiten finden keine Führungen statt.
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Einzelnachweise
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