Eberhard Auer (* 13. Juli 1941 in Hannover) ist ein deutscher Chemiker und Numismatiker.
Leben und Wirken Aufgewachsen in Einbeck, machte er dort Abitur und ab 1961 in Stuttgart eine Ausbildung zum Chemietechniker. Dort studierte er 1963 bis 1967 Chemie und promovierte 1969 bei Franz Effenberger und Josef Goubeau mit einem Thema aus der organischen Chemie.
Nach einem Forschungsjahr in Kanada arbeitete Auer bei der Knapsack AG in Hürth-Knapsack bei Köln auf dem Gebiet der Umwelttechnik, später als Produktionsleiter der Hoechst AG in Knapsack. Für Hoechst verbrachte er 1983 bis 1985 zwei Jahre in Louisiana/USA und reichte erfolgreich mehrere Patente zur chemischen Verfahrenstechnik ein. 1996 trat er in den Vorruhestand und widmet sich seither voll der Numismatik, die ihn schon seit seiner Einschulung zur Zeit der deutschen Währungsreform begleitet und zu der er bereits während seiner Berufstätigkeit als Chemiker geforscht und publiziert hatte.
Hier lag ein erster Schwerpunkt auf den Feinsilbermünzen Norddeutschlands im 17. bis 19. Jahrhundert. Auer ermittelte, dass diese erstmals nach dem Ende der Kipperzeit 1623 in Goslar und Zellerfeld im Auftrag des Münzherrn Friedrich Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel geprägt wurden, und fand und transkribierte das entscheidende Münzedikt vom Dezember 1623 in der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel. Seine grundlegende Publikation hierzu wurde 1992 mit dem Eligiuspreis ausgezeichnet (s. u.). Die Thematik wurde einer breiteren Öffentlichkeit 2006 in der von Eberhard Auer und Thomas Lautz kuratierten Ausstellung der Kreissparkasse Köln Von feinem Silber. Der Versuch, mit gutem Geld schlechtes zu verdrängen vorgestellt. Von den von ihm gesammelten und untersuchten Feinsilbermünzen fertigte Auer zudem Galvanoplastiken an, eine Technik, die er häufig zur Dokumentation insbesondere seltener Münzen und Medaillen einsetzt.
Über die klassischen Münzmetalle Silber und Nickel hinaus gilt Auers Interesse auch Metallen, die selten für Münzen und Medaillen verwendet werden, wie Niob/Tantal, Selen/Tellur, Indium, Platin bis hin zu Uran, was zu einer Vielzahl einschlägiger Aufsätze in numismatischen Fachzeitschriften führte. Von Auer stammt der Begriff der vierten Dimension einer Medaille – das Material als Gestaltungselement. Besonders reizen ihn selbstreferenzielle Stücke wie die in Nickel geprägten kanadischen 5 Cent von 1951 auf die 200-jährige Wiederkehr der Isolierung des Nickels oder sog. Reliktmedaillen, etwa die Kupfer-Spendenmedaillen nach dem großen Hamburger Stadtbrand von 1842, geprägt aus Metallresten der zerstörten Kirchen. Darüber hinaus boten Gedenkmedaillen zu Entdeckungen und Persönlichkeiten aus der Geschichte der Naturwissenschaften, insbesondere der Chemie, Anlass für numismatisch-biographische Aufsätze, und Messungen von Dichte und elektrischer Leitfähigkeit vorgelegter (Fund-)Münzen erlaubten den Rückschluss auf deren Feingehalt.
Außer Auers persönlichem numismatischem Forschen, Publizieren und Sammeln ist seine umfangreiche ehrenamtliche Tätigkeit in unterschiedlichsten numismatischen Institutionen und Gremien zu nennen: So betreute er ab 1996 fast acht Jahre lang die Münz- und Medaillensammlung des Deutschen Bergbaumuseums in Bochum, arbeitete über zehn Jahre mit Thomas Lautz an den numismatischen Ausstellungen Das Fenster der Kreissparkasse Köln, er zählte 2006 zu den Gründungsmitgliedern des Arbeitskreis Experimentelle Numismatik und engagierte sich über Jahrzehnte in regionalen numismatischen Vereinen wie auch in der Deutschen Numismatischen Gesellschaft als deren Dachverband.
Auszeichnungen Als bisher einziger Numismatiker wurde Eberhard Auer zweimal mit dem Eligiuspreis der Deutschen Numismatischen Gesellschaft (DNG) ausgezeichnet: 1992 Eligiuspreis der DNG für seine Publikation Von feinem Silber. Über den Ursprung der Harzer Feinsilbermünzen, in: NNB 10/1992, S. 256–270 2016 Eligiuspreis der DNG für sein Lebenswerk, gemeinsam mit Peter Hammer
Veröffentlichungen
In vier Jahrzehnten publizierte Auer eine Vielzahl numismatischer und naturwissenschaftlich-biografischer Aufsätze in Fachzeitschriften wie Numismatisches Nachrichtenblatt, Geldgeschichtliche Nachrichten und anderen. Eine Auswahl in teils überarbeiteter Form sowie ein vollständiges Schriftenverzeichnis bis 2019 bietet der folgende Sammelband:
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Chemiker Kategorie:Numismatiker Kategorie:Autor Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1941 Kategorie:Mann