mini|alt=Porträtfoto, sitzend, Niboyet gut gekleidet, Braunton|Eugénie Niboyet, Foto Nadar Eugénie Niboyet (geboren als Eugénie Mouchon am 11. September 1796 in Montpellier; gestorben am 5. Januar 1883 in Paris) war eine französische Journalistin, Schriftstellerin und Feministin.

Leben Anfänge Éugénie Mouchon wurde als Tochter des Apothekers Georges-Louis Mouchon und der Marguerite Gal-Ladeveze geboren. Ihr Großvater war der protestantische Pastor Pierre Mouchon aus Genf, der ein Register der Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers herausgegeben hatte. Auch ihre Mutter stammte aus dem protestantischen Milieu. Der Vater stand zwar der Französischen Revolution nahe, musste aber später fliehen; ein Schicksal, das ihm als Bonapartisten auch unter der Restauration nicht erspart blieb. Unter diesem Druck zog die Familie nach Lyon.Siehe Werkliste Le vrai livre des femmesSiehe Literaturliste Riot-Sarcey 1994, S. 60 Eugénie hatte fünf Geschwister; drei Schwestern und zwei Brüder, von denen einer in den napoléonischen Kriegen fiel. In ihrem Werk Le vrai livre des femmes geht sie im letzten Teil auf die Bedeutung ihrer Herkunft für ihre Arbeit ein.

1822 heiratete sie den Anwalt Paul-Louis Niboyet. Das Paar hatte einen Sohn, Paulin Niboyet; ihr Enkel war der Jurist Jean-Paulin Niboyet. Das Paar trennte sich 1836; 1855 starb Paul-Louis Niboyet.

Nach der Trennung von ihrem Mann – sie lebte nun in Paris – musste sie sich einen Broterwerb suchen und wandte sich der Literatur zu.Siehe Literaturliste Riot-Sarcey 1994 Sie übersetzte Werke von Lydia Maria Child, Maria Edgeworth und Charles Dickens. Für Des aveugles et de leur éducation erhielt sie einen Preis. Bildungsminister Narcisse-Achille de Salvandy gewährte ihr auf ihren Antrag ab 1837 eine unterstützende Rente von 800 Francs, die „der skandalösen Präsidentin des Club des femmes“ 1848 während der Zweiten Republik vom Comte de Vaulabelle wieder entzogen wurde. In den späten 1830er Jahren verfasste sie auch Theaterstücke.

Engagement Sie trat der Société de la morale chrétienneWeiterführende Informationen zu dieser Gesellschaft sind in der französischsprachigen Wikipédia unter Société de la morale chrétienne zu finden. (Gesellschaft für christliche Moral) bei, deren Generalsekretärin sie wurde, und engagierte sich für zahlreiche gesellschaftliche Themen, insbesondere für die Reform des Strafvollzugs.Siehe Literaturliste Sullerot 1966, S. 90 Durch diese Tätigkeit lernte sie die englische Aktivistin und Quäkerin Elizabeth Fry kennen. Sie interessierte sich zudem für die Verbesserung des Bildungswesens und den Kampf für die Abschaffung der Sklaverei in den französischen Kolonien.Siehe Literaturliste Sullerot 1966, S. 110 1836 erhielt sie für einen Beitrag zum Thema „Die Abschaffung der Todesstrafe“ einen Preis, der ihr von Alphonse de Lamartine überreicht wurde. Lamartine erklärte in seiner Preisrede, er habe „die Seele und das Genie einer Frau“ entdeckt. Lamartine gehörte danach zu ihren Förderern.

1830 war sie Mitglied der Saint-Simonisten. Sie verließ die Vereinigung, deren wirtschaftliche Ideen („Produzentensozialismus“, wie es im Fachartikel heißt) sie zwar weiterhin teilte, aber ein Konflikt um die Stellung der Frau führte zu ihrem Austritt. Auch dem Fourierismus stand sie nahe.

mini|alt=Foto stehend, an ein Podest gelehnt, traditionelle Kleidung, Schwarz-Weiß-Bild|Eugénie Niboyet, Foto Nadar Zusammen mit den Saint-Simonianerinnen gehörte sie zu der Gruppe von Frauen, die an der ersten vollständig von Frauen verfassten Zeitschrift mitwirkten: La Femme libreSiehe zu dieser Zeitschrift La Femme libre in der französischen Wikipédia., die von Marie-Reine Guindorf und Désirée Gay ins Leben gerufen wurde.Siehe Literaturliste Sullerot 1966, S. 97

Nach ihrer Rückkehr nach Lyon 1833 gründete Eugénie Niboyet mit der Zeitschrift Le Conseiller des femmes die erste feministische Zeitung in der Provinz – eine illustrationslose Wochenzeitung. Nach dem Verbot dieser Zeitung gründete sie Mosaïque lyonnaise. Auch in anderen Bereichen war sie tätig: 1938 erhielt sie ein Patent für ihre Erfindung der unlöschbaren Tinte.Archives des découvertes et des inventions nouvelles: faites dans les sciences, les arts et les manufactures, tant en France que dans les pays étrangers, pendant lannée 1838 - Treuttel et Würtz, 1840, S. 427

Nach der Revolution von 1848 keimten auch in der Frauenbewegung Hoffnungen auf. Im März gründete sie mit La Voix des femmes – mit dem Untertitel „Sozialistische und politische Zeitung, Interessenvertretung für alle Frauen“ – die erste feministische Tageszeitung Frankreichs. Dem folgte bald die Gründung eines gleichnamigen Clubs.Siehe Literaturliste Sullerot 1966, S. 106 Dort erschienen Beiträge von Jeanne Deroin, Adèle Esquiros, Désirée Gay, Élisa Lemonnier, Anaïs Ségalas, Gabrielle Soumet und Suzanne Voilquin.Siehe Literaturliste 1966, S. 100 Auch Männer schrieben in der Zeitung – Émile Deschamps, Éliphas Lévi, Paulin Niboyet, Émile Pereire, Isaac Pereire und Olinde Rodrigues seien genannt.

Der Club setzte sich für ein breites Spektrum frauenfreundlicher Reformen ein, sowohl im häuslichen Bereich als auch in der Politik; es fanden Vorträge statt, die sich an Frauen richteten. Im Mai wagte es der Club, das Thema Scheidung auf die Tagesordnung zu setzen; an diesem Tag waren zahlreiche männliche Protestierende anwesend, woraufhin es zu einem gewaltigen Tumult kam.Siehe Literaturliste Sullerot 1966, S. 106 Die Zeitung Le Charivari griff regelmäßig die Voix des femmes und die Frauenvereine an und veröffentlicht eine Reihe von Karikaturen von Honoré Daumier mit dem Titel Les Divorceuses (Die Scheidungsfrauen). Das Herannahen der Wahlen und die Ausweitung des Wahlrechts auf alle Männer lösten eine aufsehenerregende Initiative aus: Eine namhafte Frau sollte kandidieren. Am 5. April 1848 schlug La Voix des Femmes die Kandidatur von George Sand für die Verfassungsgebende Versammlung vor. Sand distanzierte sich von dieser Initiative und urteilte hart über diese Frauen, die sie nach eigenen Angaben nicht kannte. Der Aufruhr um diese Angelegenheit war enorm und wendete sich gegen die Initiatorinnen dieser Aktion.Siehe Literaturliste Sullerot 1966, S. 103 f.

In der Folge der Unruhen des Mai und Juni 1848 wurde der Club verboten; Niboyet stellte kurz darauf auch La Voix des femmes entmutigt ein. Sie versuchte zunächst noch, wieder in Lyon Fuß zu fassen, floh dann aber vor der drohenden Verhaftung erst nach Brüssel und dann nach Genf, wo sie in prekären Verhältnissen lebte. Lediglich zur Taufe ihrer Enkelin kehrte sie inkognito nach Paris zurück.

Spätere Jahre Ins Rampenlicht trat sie erst wieder 1863 mit der Veröffentlichung von Le vrai livre des femmes. Dabei hielt sie regelmäßigen Kontakt mit Prominenten und Intellektuellen dieser Zeit; so mit dem Fotografen Nadar und Léon Richer. Ein letztes Mal versuchte sie sich 1864 an einer Zeitungsgründung; das Journal pour toutes überlebte aber nur ein Jahr. Zu Beginn des Deutsch-Französischen Kriegs von 1870 floh sie nach Italien. Nach ihrer Rückkehr unterstützte sie Frauen, die wegen ihrer Beteiligung an der Pariser Kommune verurteilt worden waren. Noch in hohem Alter veröffentlichte sie mit La Chanoinesse, les Borotin, une Seconde Borgia und Samuel noch Romane; für den letztgenannten erhielt sie den Preis der Société d’encouragement au bien, einer Einrichtung, die Medaillen für Beispiele von Mut und Selbstaufopferung verlieh.

Eugénie Niboyet ist auf dem Friedhof von Montparnasse begraben.

Ehrungen mini|alt=Allee Eugénie Niboyet in Lyon, schöne, verkehrsberuhigte Straße zwischen modernen, größeren Gebäuden.|Allée Eugénie Niboyet in Lyon In Frankreich sind eine Vielzahl von Straßen und öffentlichen Einrichtungen nach ihr benannt.

Werke Eugénie Niboyet hat eine Vielzahl von Werken verfasst. Eine weitgehende Aufstellung von Publikationen, Übersetzungen und Korrespondenzen findet sich in der französischen Sprachversion. Viele ihrer Werke werden auch regelmäßig neu aufgelegt. Online sind zugänglich:

In deutscher Sprache liegen vor: Über Blinde und deren Erziehung (Des aveugles et de leur éducation), 1837 Brief an einen französischen Gelehrten / Tischendorf , 1851 Brief auf DNB

Literatur

Weblinks

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Anmerkungen

Einzelnachweise

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