Amelgotzen, in der Gemarkung von Calden im nordhessischen Landkreis Kassel, war ein freiguter Hof, an dessen Stelle heute das in den Jahren 1743 bis 1761 erbaute Schloss Wilhelmsthal steht.
Geschichte Der Hof wurde um 1120 erstmals schriftlich erwähnt, als eine Freie namens Wirinburg dem Kloster Helmarshausen eine Hufe in Amalgateshuson mit einem Zehnten verpfändete. 1139 überließ Erzbischof Adalbert II. von Mainz dem Kloster den Viehzehnten eines Fronhofes („curtis“) in Amelgotzen mit einer zugehörigen Hufe gegen Äcker in Unterrieden.Historisch verbriefte schriftlich gebrauchte Namensformen waren Amalgateshuson, Amalgotessun und Amalgotessen (12. Jh.), Amalgoteshuson und Amalgotessen (um 1200), Amergodesen (1336), Amelgodissen (1338), Amelgottessen (1469), Amelgoddessen (1471), Amelgots (1506), Amelgodtes (1539) und Amelgotzen (1585). Im Jahre 1336 trat Abt Reinbold des sich inzwischen im Niedergang befindlichen Klosters die Hälfte des Klosterguts Amergodesen an das Erzstift Mainz ab, die andere Hälfte an die Stadt Hofgeismar.An Kurmainz bzw. Hofgeismar abgetreten wurden daneben auch jeweils die Hälfte der Helmarshausischen Klostergüter in Calden, Niedermeiser, Schachten und sechs weiteren Orten (HStAM Bestand Urk. 29 Nr. 58). Bereits drei Jahre später verkauften der Abt und der Konvent alle ihre Güter in Amelgodissen mit allem Zubehör an Landgraf Heinrich II. von Hessen,HStAM Bestand Urk. 100 Nr. 1714. lösten sie aber später wieder ein.Georg Landau: Historisch-topographische Beschreibung der wüsten Ortschaften im Kurfürstenthum Hessen und in den großherzoglich hessischen Antheilen am Hessengaue, am Oberlahngaue und am Ittergaue (= Zeitschrift des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde. Supplement 7). Fischer, Kassel 1858, S. 36
Im Jahre 1469 wurden die Vettern Eckebrecht, Dietrich und Heinrich von Schachten vom Helmarshausener Abt, noch immer nomineller Lehnsherr, mit dem Hof in Amelgotessen belehnt, verkauften ihn jedoch umgehend für 31 Jahre unwiderruflich für 200 Gulden an die Brüder vom gemeinsamen Leben des St. Georgsstifts im Weißenhof in Kassel. 1471 erteilte der Abt seine Zustimmung dazu. Die Fraterherren errichteten an der dortigen Kemenate eine Scheune, eine Mühle und einen Stall und legten einen Teich an. 1539 verpfändete Georg von Schachten den Hof Amelgodtes an den landgräflichen Kammerschreiber Christoph Scherer,HStAM Bestand 40 e in Nr. 404 der ihn jedoch noch im gleichen Jahr auf Druck von Landgraf Philipp I. wieder zurückgeben musste; Philipp gab Amelgotzen halb als Erbgut, halb als Erblehengut an Wilhelm von Schachten. Die von Schachten machten Amelgotzen in der Folge zum Hauptsitz der Familie und errichteten dort eine Wasserburg.
Ende 1643 verkaufte Anna von Schachten, Witwe Dietrichs von Schachten, für 14400 Taler der Landgräfin Amalie Elisabeth, Witwe des 1637 verstorbenen Landgrafen Wilhelm V. und vormundschaftliche Regentin der Landgrafschaft Hessen-Kassel, das Gut Amelgotzen mit allen Zubehörungen und der ganzen Feldmark.Ebenso das Gut Frankenhausen bei Burguffeln (HStAM Bestand Urk. 2 Nr. 53). Die Landgräfin ließ sich dort ein fürstliches Herrenhaus errichten, und unter dem Namen AmalienthalAuch Amönethal. diente es ihr dann als Landsitz.Auf der Karte Nr. 2 der Schleensteinschen Landesaufnahme der Landgrafschaft Hessen-Kassel von 1705–1710 ist der Ort noch als Amelgotz verzeichnet. Ihr Urenkel Wilhelm VIII. von Hessen-Kassel ließ dort in den Jahren 1743 bis 1761 das Schloss Wilhelmsthal erbauen.
Fußnoten
Literatur Hartmut Hoffmann: Bücher und Urkunden aus Helmarshausen und Corvey (Monumenta Germaniae Historica. Studien und Texte; Band 4), Hahn, Hannover, 1992, ISBN 3-7752-5404-8, S. 105, 121, 128, 130. Johannes Schulze (Bearb.): Klöster, Stifter und Hospitäler der Stadt Kassel und Kloster Weißenstein: Regesten und Urkunden (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen und Waldeck; Band 9,2), Elwert, Marburg, 1913, S. 448–450 und 457, Nr. 1210, 1214, 1232. Georg Landau: Historisch-topographische Beschreibung der wüsten Ortschaften im Kurfürstenthum Hessen und in den großherzoglich hessischen Antheilen am Hessengaue, am Oberlahngaue und am Ittergaue (= Zeitschrift des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde, Supplement 7), Fischer, Kassel, 1858, S. 36. Jochen Ebert: Domänengüter im Fürstenstaat: Die Landgüter der Landgrafen und Kurfürsten von Hessen (16. – 19. Jahrhundert); Bestand, Typen, Funktionen, Hessische Historische Kommission, Darmstadt, 2013, ISBN 978-3-88443-321-8, S. 137–148. Kurt Günther: Territorialgeschichte der Landschaft zwischen Diemel und Oberweser vom 12. bis zum 16. Jahrhundert. Dissertation, Marburg 1959, Erstdruck: Immenhausen 1986, S. 129–131 Heinrich Reimer (Bearb.): Historisches Ortslexikon für Kurhessen (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen und Waldeck, Bd. 14). Elwert, Marburg 1926 (Neudruck 1974, ISBN 3-7708-0510-0), S. 14 Friedrich Pfaff: Die Abtei Helmarshausen, 2: Der Güterbesitz, die Verfassung und die Wirtschaft der Abtei, in: Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde, Neue Folge 35 (1911), S. 20 f.
Weblinks Amelgotzen, Kassel, im Historischen Ortslexikon Hessen (LAGIS)
Kategorie:Wüstung im Landkreis Kassel Kategorie:Geographie (Calden)