Pols ist eine mittelalterliche Wüstung südöstlich von Ragösen im heutigen Brandenburg. Bereits in frühneuzeitlichen Quellen wurden an der Stelle Mauerreste festgestellt, darunter Hinweise auf ein früheres Kirchengebäude. Der Ortsname hat sich im Flurnamen Wüste Feldmark Pols erhalten.Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil V: Zauch-Belzig. Erstauflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992. (Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-82-2, S. 329)
Geografische Lage Die ehemalige Dorfstelle liegt südlich der Waldjagen 116, 118, 120 und 122. Dort befindet sich das Quellgebiet eines Strangs des Bullenberger Bachs.Wüste Feldmark Pohls, Brandenburgviewer, abgerufen am 3. Mai 2026.
Geschichte und Etymologie Etymologie Der Ort ist unter zahlreichen Namensformen überliefert: Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte im Jahr 1342 als Reyneke polcz. Weitere Schreibweisen waren in villa Poltitz im Jahr 1361, Poltz im Jahr 1375 im Landbuch Karls IV., Patilstorff im Jahr 1388 sowie Poltzdorff Wustungk im Jahr 1571 und Wüste Feldmark Pols im Jahr 1880. Der Name ist slawischen Ursprungs, seine Bedeutung bislang jedoch unklar.Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin, Band 13 der Brandenburgischen Historischen Studien im Auftrag der Brandenburgischen Historischen Kommission, be.bra wissenschaft verlag, Berlin-Brandenburg 2005, S. 132, ISBN 3-937233-17-2.
Besitzgeschichte Pols gehörte vor 1426 bis etwa 1550/1552 zur Vogtei beziehungsweise Pflege und zum Amt Belzig, danach bis ins 19. Jahrhundert zum Amt Belzig Rabenstein. Die Besitzrechte waren stark zersplittert und lagen bei mehreren Grundherren: Vor 1388 bis nach 1506 besaß die Familie von Oppen Hebungen, darunter Fleischzehnten auf fünf Hufen sowie später mehrere Hufen (1419/1420 insgesamt 3½ und weitere 2 Hufen, 1506 zwei Lehnhufen am Gut). Ein zweiter Anteil lag vor 1388 bis nach 1419/1420 bei der Familie Bogelsack (Vogelsang), später um 1487 bei den Brandt von Lindau und umfasste umfangreiche Hufen (bis zu zehn gepachtete und weitere Hufen). Vor 1388 bis nach 1419/1420 besaß die Familie von Thümen zwei Hufen und erhielt 1582 zusätzlich das Mühlengrundstück von Pols. Vor 1385 bis nach 1419/1420 hielt die Familie von Schwanebeck Hebungen, darunter Fleischzehnten und den Herrenpfennig. Vor 1419/1420 besaß Bugkow einen Hof mit zugehörigen Zinsen. Vor 1419/1420 bis nach 1455 verfügte der Schulte zu Belzig über einen Hof mit zwei Hufen sowie Zehntrechte. Diese Anteile wurden spätestens im 16. Jahrhundert weitgehend vereinigt.
14. und 15. Jahrhundert Im Jahr 1361 wurde Pols noch als Dorf (villa) erwähnt. 1375 gehörte es zu Görzke und damit zur Mark Brandenburg. 1388 stand der Ort bereits unter sächsischer Landeshoheit. In den Jahren 1419/1420 war Pols vermutlich noch bewohnt: Ein Richter besaß das Gericht mit zwei Hufen, ein weiterer Einwohner hielt eine Hufe zu Lehen, und ein Krüger wird genannt. In den 1420er Jahren wurde der Ort aufgegeben, vermutlich infolge von Zerstörungen um 1429.
16. Jahrhundert Im Jahr 1506 wurde die wüste Feldmark bereits von Bewohnern umliegender Dörfer genutzt. Sieben Einwohner aus Ragösen, drei aus Dippmannsdorf und ein Einwohner aus Lütte entrichteten Zinsen von jeweils einer wüsten Hufe; ein weiterer besaß das wüste Gut mit zwei Hufen als Lehen. Im Jahr 1550 nutzten Einwohner aus Ragösen insgesamt etwa 17 wüste Hufen (darunter mehrere größere Hufenanteile und eine Lehnhufe), während Einwohner aus Dippmannsdorf rund zehn Hufen bewirtschafteten, darunter Erb- und Freilehnhufen mit dem wüsten Gut; insgesamt wurden etwa 27 Hufen gezählt. Im Jahr 1565 verteilte sich die Nutzung auf zehn wüste Hufen und einen Garten bei fünf Einwohnern aus Dippmannsdorf, fünf wüste Hufen bei vier Einwohnern aus Lütte, sowie 24 wüste Hufen und einen Hof bei zwölf Einwohnern aus Ragösen. Im Jahr 1591 wurden insgesamt 40 Hufen einschließlich einer Pfarrhufe gezählt. Die Nutzung verteilte sich auf fünf Einwohner aus Dippmannsdorf, zwei aus Lütte und 14 aus Ragösen, wobei zahlreiche Hufen als Lehn- oder Erbhufen ausgewiesen waren.Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil V: Zauch-Belzig. Erstauflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992. (Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-82-2, S. 330) Der Pfarrer von Ragösen bezog bereits im 16. Jahrhundert den Zehnten aus der wüsten Feldmark Pols. 1555 und 1575 ist dieser Bezug belegt. Zudem verfügte der Pfarrer 1575 und 1591 über eine Hufe in Pols, die er selbst bewirtschaftete.
17. bis 19. Jahrhundert Im Jahr 1682 zeigte sich eine ähnliche Struktur wie im Jahr 1591: Sechs Einwohner aus Dippmannsdorf nutzten mehrere wüste Hufen, zwei Einwohner aus Lütte jeweils eine Hufe und 14 Einwohner aus Ragösen verschieden große Hufenanteile. Im Jahr 1718 waren die Anteile teilweise zusammengefasst. 24 wüste Hufen wurden von Einwohnern aus Ragösen genutzt, wobei jede Hufe mit einer Aussaat von sieben Dresdner Scheffeln bewertet wurde.
1822 wurden 15 Hufen (darunter zwei Lehnhufen) von Dippmannsdorf und 25 Hufen (darunter eine Lehnhufe und eine Pfarrhufe) von Ragösen bewirtschaftet. Insgesamt blieb die Feldmark dauerhaft landwirtschaftlich genutzt. Später ging sie vollständig in den Feldmarken von Dippmannsdorf und Ragösen auf und wurde nicht wieder besiedelt. Auch 1822 bestand noch eine Pfarrhufe, die dem Kirchdienst zugeordnet war.
Literatur Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil V: Zauch-Belzig. Erstauflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992. (Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-82-2, S. 229 und 330)
Einzelnachweise
Kategorie:Wüstung im Landkreis Potsdam-Mittelmark Kategorie:Ersterwähnung 1342 Kategorie:Geographie (Bad Belzig)