mini|Porträt von Júlio Augusto Henriques Júlio Augusto Henriques (* 15. Januar 1838 in Arco de Baúlhe, Distrikt Braga; † 7. Mai 1928 in Coimbra) war ein portugiesischer Botaniker. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „“.
Leben Henriques war der Sohn von António Bernardino Henriques und Maria Joaquina. 1854 zog er nach Coimbra, um Rechtswissenschaften zu studieren. Er schrieb sich am 10. September 1855 für das Jurastudium in Universität Coimbra ein, das er am 22. Juni 1859 dem akademischen Grad eines Baccalaureus der Rechtswissenschaften abschloss. Er ergänzte seine Studien durch einen Lehrgang im Verwaltungsrecht. Zu dieser Zeit ergänzten Fächer wie Chemie, Physik, Mineralogie, Zoologie, Botanik und Landwirtschaft das Jurastudium an der Fakultät für Philosophie, was sicherlich sein bereits bestehendes Interesse an naturwissenschaftlichen Studien beeinflusste. Am 10. Juli 1861 kehrte er an die Universität Coimbra zurück und schrieb sich für Mathematik ein, wechselte jedoch am 25. Oktober des Jahres erneut das Fach und trat diesmal in die Philosophische Fakultät ein, wo er am 12. Juli 1864 den Baccalaureus erwarb. Auf Empfehlung seines Botanikprofessors António de Carvalho e Vasconcelos setzte Henriques seine Studien an der Philosophischen Fakultät fort und schloss sie am 26. Juni 1865 ab. Seine akademische Ausbildung beendete er mit der Promotion in Philosophie, die er am 30. Juli 1865 erlangte, wobei er als Dissertation die Arbeit As espécies são mutáveis? (Sind Arten veränderlich?) einreichte. 1866 nutzte Henriques seine Dissertation zur Bewerbung um eine Dozentenstelle an der Philosophischen Fakultät der Universität Coimbra mit dem Titel Antiguidade do Homem (Das Alter des Menschen).
Diese Arbeit behandelte ein anthropologisches Thema. Henriques stützte sich dabei auf die gesamte Menschheitsgeschichte, um über die Entwicklung des Menschen und seine Beziehung zur Erde zu sprechen. Er beschrieb Paläoumwelten, die mit dem Verlauf der menschlichen Evolution verbunden waren. Als Anhänger von Charles Darwins Evolutionstheorie verteidigte er die Theorien der Artenentwicklung gegen die damals vorherrschende Schöpfungslehre. 1869 wurde er Mitglied des Lehrkörpers der Philosophischen Fakultät der Universität Coimbra als Vertretungsdozent für Botanik, Landwirtschaft, Zoologie, Chemie und Mineralogie. 1872 lehrte er erstmals Botanik, ein Fach, was einen wichtigen Einfluss auf seine wissenschaftliche Laufbahn hatte.
Zu dieser Zeit befand sich die botanische Wissenschaft in Portugal in einem schlechten Zustand. Die Universität Coimbra verfügte weder über ein botanisches Museum noch über Labore. Das Herbarium war nicht aktualisiert, es gab keine botanische Bibliothek und keine angemessenen Einrichtungen für eine systematische Lehre dieser Wissenschaft. Seit den Arbeiten von Felix de Avellar Brotero war in Lehre und Forschung der Botanik nur wenig geschehen. Henriques entwickelte eine große Leidenschaft für das Fach und nutzte die damals laufenden Bildungsreformen, um die Situation in Coimbra zu verändern.
Von 1866 bis 1873 war Henriques Sekretär der Philosophischen Fakultät. Am 17. Februar 1873 wurde er zum Dozenten ernannt und erhielt vom Fakultätsrat die Lehrberechtigung für Botanik und Landwirtschaft sowie anschließend die Leitung des Botanischen Gartens. Das Kolleg São Bento wurde geschlossen, und die Umstrukturierung der Fakultät nahm einen großen Teil dieser Räumlichkeiten in Anspruch. Henriques erhielt neue Arbeitsräume und begann eine Reihe von Reformen, die sich an botanischen Instituten in Europa orientierten, wodurch das Botanische Institut der Universität Coimbra zu einer der bedeutenderen Einrichtungen seiner Art wurde.
Er nutzte seinen juristischen und verwaltungstechnischen Hintergrund, um den Ausbau eines Universitätsinstituts voranzutreiben, das Lehre und Forschung miteinander verbinden sollte. Trotz begrenzter finanzieller Mittel reorganisierte er innerhalb weniger Jahre die botanischen Einrichtungen in Coimbra. Er führte die vorhandenen, zuvor verstreut aufbewahrten Bestände zu einer Bibliothek und einem Botanischen Museum zusammen, ließ den Botanischen Garten instand setzen und richtete Laboratorien ein, die unter anderem mit aus dem Ausland, insbesondere aus Berlin, beschafften Mikroskopen ausgestattet wurden. 1880 erwarb er zudem das Herbarium von Heinrich Moritz Willkomm, das als Grundlage für den Prodromus Florae Hispanicae von Willkomm und Johan Martin Christian Lange diente. Es enthielt 100.000 Belege von mehr als 10.000 Pflanzenarten aus dem Mittelmeerraum, Madeira und den Kanarischen Inseln und wurde zur Grundlage der Erforschung der portugiesischen Flora.
Die Sammlungen des Museums wurden durch Material aus verschiedenen Regionen der Welt, insbesondere aus den portugiesischen Kolonien, erweitert. Auch die Bibliothek wuchs durch neue, aktuelle botanische Werke. Innerhalb weniger Jahre wurde die Einrichtung unter seiner Leitung zu einem bedeutenden Zentrum der botanischen Forschung in Portugal.
Henriques baute ein nationales und internationales Netzwerk botanischer Kontakte auf. 1880 gründete er in Würdigung von Avellar Brotero die Sociedade Broteriana, die erste botanische wissenschaftliche Gesellschaft Portugals. Sie entstand als Gesellschaft von Laien mit Interesse an Botanik und vereinte Landwirte, Lehrer, Geistliche, Ärzte, ehemalige Studierende und Privatpersonen. Ziel war die Sammlung botanischer Belege zur späteren Bestimmung und Aufbewahrung im Herbarium sowie die Erarbeitung einer neuen Flora Portugals. Über dieses Netzwerk wurden Pflanzenbelege für das Herbarium sowohl aus Portugal als auch aus den damaligen portugiesischen Kolonien.
Mit zahlreichen Botanischen Gärten weltweit tauschte Henriques Saatgut aus. Darüber hinaus tauschte er Herbarmaterial mit europäischen Herbarien aus und erweiterte auf diese Weise die Sammlungen in Coimbra. Pflanzenmaterial aus dem Herbarium Coimbra sandte er zur Bestimmung an Botaniker im In- und Ausland, mit denen er in wissenschaftlichem Briefwechsel stand.
Die in Coimbra ab 1883 herausgegebene Zeitschrift Boletim da Sociedade Broteriana wurde im Schriftentausch an botanische Bibliotheken in Europa und weiteren Ländern versandt. Unter Henriques wurde das Boletim regelmäßig veröffentlicht; bis 1920 waren 28 Bände erschienen. Danach nahm die Veröffentlichung aufgrund des Alters Henriques’ und des Wegfalls seiner Mitarbeiter ab. Im Alter von 82 Jahren bereitete Henriques bereits die Einstellung der Zeitschrift vor, doch Luís Wittnich Carrisso und Aurélio Quintanilha verhinderten dies und führten sie weiter (zweite Serie).
Der Bestand der botanischen Fachbibliothek in Coimbra wurde ausgebaut. Innerhalb Portugals pflegte Henriques enge Beziehungen zu anderen wissenschaftlichen Einrichtungen und veranlasste, dass Dubletten portugiesischer Herbarbelege an die Escola Politécnica in Lissabon gelangten, deren Pflanzensammlung später im Herbarium der Universität Lissabon (LISU) aufging. Zu seinen wissenschaftlichen Korrespondenzpartnern gehörten unter anderem Luís António de Oliveira Pereira Coutinho und Gonçalo Sampaio. Zudem war Henriques Mitglied zahlreicher nationaler und internationaler wissenschaftlicher Gesellschaften, darunter die Sociedade de Geografia de Lisboa, die Société Botanique de France, die Société d’Acclimatation de France, die Sociedad de Economía de Madrid und die Botanische Gesellschaft Kopenhagens; zudem war er Offizier der Académie française. Er war darüber hinaus Mitglied des Komitees für Kunst und Archäologie in Coimbra.
Zu den engsten Mitarbeitern Henriques’ gehörten ab 1879 der deutsche Gärtner Adolfo Frederico Möller als Leiter des Botanischen Gartens, der Naturforscher Joaquim de Mariz sowie der Pflanzensammler Manuel Ferreira. Sie waren gemeinsam an der floristischen Erforschung Portugals sowie der damaligen portugiesischen Kolonien beteiligt. Henriques förderte systematische Pflanzensammlungen mit dem Ziel, eine aktualisierte Flora Portugals zu erarbeiten, die die 1804 veröffentlichte Flora von Félix Avelar Brotero ergänzen sollte.
Henriques unternahm botanische Exkursionen unter anderem in die Serra da Estrela, die Serra do Marão, nach Buçaco, Gerês, Caramulo, Lousã, Macieira, Castro Daire sowie nach São Tomé und Príncipe. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen veröffentlichte er überwiegend im Boletim da Sociedade Broteriana. Seine Arbeiten umfassten verschiedene Pflanzengruppen, darunter Gefäßpflanzen, Nacktsamige Pflanzen, Amaryllisgewächse, Süßgräser, Wegerichgewächse, Pilze, Kieselalgen und Flechten. Dazu zählen die erste floristische Bearbeitung der Inseln São Tomé und Príncipe sowie die regionale Flora Esboço da Flora da Bacia do Mondego, beide im Boletim da Sociedade Broteriana veröffentlicht.
Henriques vermittelte zudem Botaniker für Forschungs- und Sammelreisen in verschiedene Regionen des portugiesischen Kolonialreiches. Ein Beispiel hierfür ist John Gossweiler, der über mehrere Jahrzehnte hinweg in Angola botanische Aufsammlungen für die portugiesische Verwaltung durchführte.
Er identifizierte, klassifizierte und beschrieb zahlreiche Pflanzenproben aus eigenen Sammlungen sowie aus Material, das weltweit von Botanikerinnen und Botanikern eingesandt wurde. Er pflegte Kontakte auf hoher Ebene, unter anderem mit Ministerien, um Sammler in den Kolonien zu unterstützen oder zu verlegen. Er tauschte Material mit bedeutenden Botanikern seiner Zeit aus, die ihm teilweise Pflanzenarten widmeten.
Neben der systematischen Botanik befasste sich Henriques auch mit angewandten botanischen und landwirtschaftlichen Fragestellungen. Er veröffentlichte mehrere Schriften zur Unterstützung der landwirtschaftlichen Praxis in den Kolonien, darunter Agricultura Colonial, Meios para a Fazer Progredir und Instruções Práticas Para a Cultura das Plantas que Dão a Quina. Der Botanische Garten Coimbra diente dabei als Versuchsstandort für den Anbau und die Prüfung wirtschaftlich relevanter Pflanzen. Tausende Pflanzen wurden dort gezogen und insbesondere nach Angola und São Tomé exportiert.
Sein wissenschaftliches Ansehen führte zu langjährigen Korrespondenzen mit Luís António de Oliveira Pereira Coutinho und Gonçalo Sampaio.
Die Kultivierung von Chinarindenbäumen (Cinchona), aus deren Rinde Chinin gewonnen wird, war zu dieser Zeit von medizinischer Bedeutung. Samen und Pflanzen stammten nach zeitgenössischen Angaben überwiegend aus dem Botanischen Garten Coimbra und wurden in die portugiesischen Kolonien exportiert.
Obwohl er zahlreiche Ehrungen erhielt, lehnte er viele davon ab. Neben seinen akademischen Aufgaben übernahm er nur wenige öffentliche Ämter, darunter die Leitung des Botanischen Gartens und die Professur für Botanik. 1907 reiste Henriques nach Uppsala, wo er die Universität Coimbra bei den Feierlichkeiten zum 200. Geburtstag von Carl von Linné vertrat und die Ehrendoktorwürde erhielt. Im Jahr 1874 heiratete er Zulmira Angelina de Magalhães Lima. Die Ehe bestand bis zum Tod seiner Frau. Das Paar lebte im Kollegium von São Bento, wo zur damaligen das Botanische Institut untergebracht war, das bis heute das Zentrum der Botanik in Coimbra ist. Henriques hatte ein reges Interesse an der Malerei. Eine Reihe seiner Aquarelle von wildwachsenden Orchideen und Pilzen wird in der Bibliothek aufbewahrt.
Henriques war 40 Jahre lang Direktor des Botanischen Gartens der Universität Coimbra und trat am 16. März 1918 im Alter von 80 Jahren von dieser Funktion und der Lehrtätigkeit zurück. Er arbeitete jedoch weiterhin im Herbarium. Er starb am 7. Mai 1928 in Coimbra im Alter von fast 90 Jahren. Das von ihm gegründete Herbarium umfasst heute ca. 800.000 Exemplare.
Literatur
Weblinks
JSTOR: Julio Augusto Henriques
Einzelnachweise
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