Das Épée Baionnette du Fusil Gras Modele 1874 (kurz: Épée Baionnette Mle 74) war ein Bajonett der französischen Armee für das Fusil de Gras Modell 1874 und wurde ab 1874 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges eingesetzt.
Entwicklung Als die französische Armee ein neues und moderneres Gewehr brauchte, setzte sich eine Kommission unter der Leitung von General Basile Gras zusammen und begann mit der Entwicklung. Daraus entstand das Fusil de Gras Modell 1874, welches zeitnah in Dienst gestellt wurde. Für dieses Gewehr wurde eine neue Nahkampfwaffe benötigt, da die Kämpfe zur damaligen Zeit oftmals in Stellungen Mann gegen Mann endeten. Bereits in den Jahren 1872 und 1873 wurden Tests und Erprobungen mit neuen Bajonetten durchgeführt. Das Ergebnis war dann im Juli 1847 das Épée Baionnette du Fusil Gras Modele 1874 (deutsch: Säbelbajonett des Gewehr Gras Modell 1874).
Das Épée Baionnette Mle 74 war eines der ersten modernen Bajonette, welches in der französische Armee eingeführt wurde. Es ersetzte die vorherigen, sperrigen und unhandlichen Bajonette der letzten drei Jahrzehnte. Der Vorteil an dem neuen Bajonett war, dass man es problemlos am alten Chassepotgewehr anbringen konnte, welches seit 1866 in der Armee im Einsatz war.
Produktion Die Produktion des Bajonetts begann Mitte 1874 und wurde bis ins Jahr 1887 von verschiedenen Herstellern durchgeführt. Dazu zählten die Manufacture d’armes de Châtellerault (kurz: MAC), die Manufacture d’armes de Saint-Étienne (kurz: MAS) und die Manufacture nationale d’armes de Tulle (kurz: MAT). Die Insignien der jeweiligen Hersteller und das Herstellungsdatum befinden sich auf der Rückseite der Klingen. Dabei wurden verschiedenen Buchstaben genutzt. So hatte alle Bajonette der MAC ein A, B oder C, die der MAS gingen von F bis Q, außer I und O, und die Bajonette der MAT ein R, S oder T.
Weitere Waffenhersteller produzierten das Épée Baionnette Mle 74 unter Lizenz. Dazu zählte die Österreichische Waffenfabriks-Gesellschaft in Steyr. Steyr stellte dabei etwa 200.000 Bajonette für die französische Regierung her. Erkennbar sind solche Bajonette mit dem Zusatz Usine de Steyr (deutsch: Steyr-Werke). Ebenfalls unter Lizenz produzierten Alexander Coppel aus Solingen und die beiden Waffenschmieden Oudry und L. Deny aus Paris.
Beschreibung Das Épée Baionnette Mle 74 hat eine T-förmige und einschneidige, gerade Klinge mit einer Länge von 52 cm. Das Bajonett hat mit Griff und Klinge eine Gesamtlänge von 66 cm. Die Klingenspitze ist sich mittig und zweischneidig. Die Parierstange ist abwärts gebogen und mit einer Öse versehen, welches beim Aufpflanzen auf das Gewehr um den Lauf greift.
Der Griff ist ein Schnabelknauf, besteht aus glattem Messing und ist mit zwei Holzschalen ummantelt. Die beiden Holzschalen sind mittels zwei Schrauben am Erl befestigt. Der Griffkopf besteht ebenfalls aus Messing und verfügt über die Befestigungsvorrichtung zum Aufpflanzen auf das Gewehr. Die Scheide für das Bajonett besteht aus bronzierten Stahlblech und wird auf jeder Seite von einer gewölbten Niete zu einer Schale gehalten. Der Rand ist leicht hervorstehend und ist mit einer Trageöse versehen. Das untere Ende der Scheide mündet in einer abgeflachten Kugel.
Bezeichnungen Épée Baionnette du Fusil Gras Modele 1874 – (Frankreich) Bajonetni meč Fusil Gras model 1874 – (Jugoslawien) Seitenwaffe 101 (f) – (Wehrmacht) Seitenwaffe 101 (g) – (Wehrmacht) Seitenwaffe 101 (j) – (Wehrmacht)
Einsatz Ab 1874 wurde das Épée Baionnette Mle 74 von vielen verschiedenen Truppenteilen in Frankreich als neues Standard-Bajonett geführt. Der Vorteil, dass man es auch beim älteren Chassepotgewehr aufpflanzen konnte, bewies sich bei einem möglichen Mangel an Gewehren oder einem defekt als sehr positiv. Da sowohl das Gewehr, als auch das Bajonett weit verbreitet war, nutzten auch Nationen wie das Königreich Griechenland oder Jugoslawien beide Waffen in ihrem Arsenal.
Wehrmacht Mit dem Einmarsch der Wehrmacht in Frankreich während des Westfeldzuges, gelangten mehrere Épée Baionnette Mle 74 in den Besitz der Wehrmacht. In der Dienstvorschrift Kennblätter fremden Geräts wurde das Bajonett als Seitenwaffe 101 (f) geführt. Während des Einmarsches in Jugoslawien wurden ebenfalls Bajonette vom Typ Épée Baionnette Mle 74 erbeutet. Diese liefen dann in der Wehrmacht als Seitenwaffe 101 (j). Weitere Bajonette wurden bei der Invasion von Griechenland erbeutet und erhielt die Bezeichnung Seitenwaffe 101 (g).
Siehe auch Liste von Bajonetten gemäß den Kennblättern fremden Geräts D 50/1
Literatur
Einzelnachweise
Kategorie:Bajonett Kategorie:Militärische Klingenwaffe