mini|Ostflügel des Schlosses Neuburg an der Donau Das Schlossmuseum Neuburg an der Donau befindet sich im barocken Ostflügel des ehemaligen Residenzschlosses in Neuburg an der Donau. Das 1987 in Trägerschaft der Bayerischen Schlösserverwaltung eröffnete Museum befasst sich mit der Schlossgeschichte und der Zeit des Fürstentums Pfalz-Neuburg. Der Westflügel des Schlosses beherbergt seit 2005 die Staatsgalerie Neuburg als Zweiggalerie der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen.
Geschichte Bereits im Jahr 1920 gab es Bestrebungen des Historischen Vereins Neuburg, durch den Auszug des Infanterieregiments freigewordene Räume im Neuburger Schloss zur Präsentation der Vereinssammlung zu nutzen. Aus Kostengründen wurde das Vorhaben nicht umgesetzt und stattdessen 1950 das Heimatmuseum im Weveldhaus eröffnet. Die Pläne für ein Schlossmuseum wurden Anfang der 1970er Jahre wieder aufgegriffen, nachdem der Freistaat Bayern das Schloss von der Bundesvermögensverwaltung übernommen hatte. Der Heimatpfleger Michael Eckstein legte 1971 ein Nutzungskonzept vor, das die Einrichtung einer staatlichen Galerie und eines Pfalz-Neuburger Museums aus den Beständen des Historischen Vereins vorsah. Die Vorgeschichtssammlung des Vereins sollte in einem Zweigmuseum der Prähistorischen Staatssammlung präsentiert werden. 1977 erteilte das Finanzministerium den Planungsauftrag. Schlösserverwaltung, Prähistorische Staatssammlung und Historischer Verein einigten sich 1982 auf ein Museumskonzept mit drei Abteilungen im Ostflügel des Schlosses, dem Philipp-Wilhelm-Bau. Im ersten Obergeschoss war die Abteilung Pfalz-Neuburg vorgesehen, im zweiten Obergeschoss Vor- und Frühgeschichte und im dritten Obergeschoss Kirchlicher Barock und religiöse Volkskunst. Die Ausstellungsstücke stammen überwiegend aus den Sammlungen des Historischen Vereins, der Stiftung Ursulinenfonds Neuburg, des Bayerischen Nationalmuseums und der Schlösserverwaltung, ergänzt um Spenden und Leihgaben. Das Schlossmuseum Neuburg an der Donau wurde am 16. Oktober 1987 eröffnet.
Seit 1990 sind die restaurierten Schlossgrotten und seit der 2001 abgeschlossenen Sanierung des Nordflügels auch der sogenannte Rittersaal Teil des Museumsrundgangs. 2006 wurde die Ausstellung zum Fürstentum Pfalz-Neuburg neu konzipiert und gestaltet. Seit 2013 werden die kirchlichen Textilien der Stiftung Ursulinenfonds in neuer Präsentation gezeigt, die auch den zuvor im Studienseminar des Klosters verbliebenen Bestand umfasst.
Ausstellung mini|hochkant|Wirkteppich mit Bildnis des Pfalzgrafen Ottheinrich von 1535 Die Dauerausstellung Das Fürstentum Pfalz-Neuburg im ersten Obergeschoss befasst sich mit dem 1505 entstandenen Fürstentum Pfalz-Neuburg mit Neuburg als Residenzstadt. Aus der Zeit des Pfalzgrafen Ottheinrich sind Wirkteppiche mit lebensgroßen Bildnissen sowie Bronzen, Relieftondi, Skulpturen und Tafelbilder zu sehen. Als Relikt der fürstlichen Rüstkammer ist ein Prunkharnisch ausgestellt. Gemälde, Grafiken und Medaillen erinnern an Ottheinrichs Nachfolger Wolfgang von Zweibrücken und Neuburg, Philipp Ludwig und Wolfgang Wilhelm. Philipp Wilhelm ließ von 1664 bis 1668 den barocken Osttrakt des Schlosses mit Wohn- und Staatsräumen errichten. Ausgestellte Gemälde, Prunkgeschirr, Pokale, Münzen und Medaillen stammen aus seiner Regierungszeit und der seiner Söhne Johann Wilhelm und Karl III. Philipp. Das Deckengemälde im Malerei-Kabinett ist anlässlich der Hochzeit Karl Theodors mit Elisabeth Auguste im Jahr 1742 entstanden. Mit einem um 1830 gefertigten Steingutservice wird die von 1810 bis 1854 in Neuburg ansässige Steingutfabrikation thematisiert. Ein Raum ist Herzoginwitwe Maria Amalie gewidmet, die bis zu ihrem Tod 1831 im Schloss lebte. Ab 1868 war ein Teil des Königlich Bayerischen 15. Infanterie-Regiments im Neuburger Schloss untergebracht. In dem als Offizierskasino genutzten Saal sind Porträts sächsischer Könige, Waffen, Uniformen und Ausrüstungsgegenstände ausgestellt. Entlang der Wohn- und Repräsentationsräume verlief der Fürstengang, in dem Reste von Architekturmalerei, Fassadenschränke sowie Vitrinen mit Majolika, Glaskunst, Frankenthaler und Nymphenburger Porzellan und Neuburger Steingut zu sehen sind.
mini|Renaissancesaal im Nordflügel Im unter Pfalzgraf Ottheinrich errichteten Nordflügel befindet sich der heute als Rittersaal bezeichnete Renaissancesaal. Holzvertäfelung und Holzkassettendecke stammen aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts; der Steinfußboden wurde rekonstruiert. An den Wänden finden sich freigelegte Reste der ursprünglichen Wandmalerei.
Im zweiten Obergeschoss, dem ehemaligen Damentrakt, ist das Diana-Zimmer mit Dekoration aus der Entstehungszeit um 1670 erhalten. In dem über zwei Stockwerke des Nordturms reichenden Fest- und Konzertsaal sind Reste der Wandmalerei und das um 1718 entstandene Deckenfresko zu sehen. Das in den Ausstellungsräumen untergebrachte Archäologie-Museum, ein Zweigmuseum der Archäologischen Staatssammlung München, wurde 2020 zur inhaltlichen Neukonzeption geschlossen.
Im dritten Obergeschoss befindet sich eine Ausstellung sakraler Skulpturen und Gemälde aus Neuburger Bestand und religiöser Volkskunst aus der Sammlung des Historischen Vereins. Der Bereich Kirchlicher Barock befasst sich mit der Gegenreformation im Fürstentum Pfalz-Neuburg und den damit verbundenen Klostergründungen. Die ausgestellten Paramente, darunter umfangreiche Ornate und Antependien, entstanden im 1698 von Kurfürst Johann Wilhelm gestifteten Neuburger Ursulinenkloster. Der vielteilige Ursula-Ornat aus rotem Seidensamt mit Goldstickerei ist nach der Ordensheiligen und Kirchenpatronin, der Heiligen Ursula benannt. Der Engelsornat aus reich verziertem Silberlamé war für die höchsten kirchlichen Festtage bestimmt.
mini|Große Grottenhalle mit Wappen und Inschrift Die Grottenanlage im Erdgeschoss umfasst drei Grottenräume im Nordturm und die vorgelagerte große Grottenhalle mit arkadenförmigen Öffnungen zur Schlossterrasse. Zur Ausgestaltung wurden Tuffstein, Muschelschalen, Rinden, Glas und Glasschlacke verwendet. Die sogenannte Eisgrotte ist mit gläsernen Stalaktiten dekoriert. Wandnischen waren mit Figuren besetzt, deren Gestaltung im Vorraum gezeigt und erläutert wird. Die ursprünglich vorhandenen Wasserspiele sind nicht erhalten.
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
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