Als Penny Blue werden blaue britische Ein-Penny-Probedrucke von 1840 bezeichnet. Sie sind keine regulär verausgabten Briefmarken, sondern Versuchsabdrucke mit dem Markenbild der Penny Black in blauer Farbe. Der Begriff ist von der amtlichen Two Pence Blue zu unterscheiden, die ebenfalls 1840 erschien, aber eine reguläre Zwei-Pence-Freimarke war.

Die Penny Blue gehört in den Zusammenhang der frühen britischen Farb- und Entwertungsversuche. Diese Versuche standen mit der Einführung der ersten britischen Briefmarken, der Entwertung durch den Malteserkreuzstempel und der späteren Ablösung der Penny Black durch die Penny Red in Verbindung.

Einordnung Die von Rowland Hill angestoßene britische Postreform von 1839/1840 führte im Mai 1840 zur Ausgabe der Penny Black und der ersten Two Pence Blue. Schon vor der Ausgabe war die Entfernbarkeit von Entwertungen als mögliches Betrugsproblem erkannt worden. Am 18. März 1840 wurde jedoch festgelegt, die Ein-Penny-Marke schwarz zu drucken; dadurch war eine schwarze Entwertung zunächst ungeeignet. Die Penny Black wurde daher mit roter Stempelfarbe entwertet.

Schon kurz nach der Einführung zeigte sich, dass rote Entwertungen auf der Penny Black mit chemischen Mitteln entfernt werden konnten. Rowland Hill notierte am 21. Mai 1840 entsprechende Versuche des Publikums und zog den Chemiker Richard Phillips hinzu. In den sogenannten Rainbow Trials wurden von Mai bis November 1840 Probedrucke von einer besonderen Zwölfer-Versuchsplatte in verschiedenen Farben hergestellt, darunter Schwarz, Blau, Grün, Lilarosa sowie Rot- und Rotbrauntöne. Die Versuche dienten der Prüfung neuer Markenfarben, Papiere und Entwertungsfarben.

Nicht jeder als Penny Blue bezeichnete Probedruck ist daher im engeren Sinn ein Rainbow Trial. Besonders bekannt ist der One Penny Blue von Platte 8 der Penny Black. Diese Proben wurden für Rowland Hill in Rotbraun, full deep blue und Preußischblau hergestellt. Sie dienten der Beurteilung der künftigen Farben: Rotbraun für den Ein-Penny-Wert und Blau für den Zwei-Pence-Wert. Hill entschied sich demnach für full deep blue als Farbe der späteren Two-Pence-Marke.

Das Ergebnis der Versuche war ein neues Farbsystem. Die Ein-Penny-Marke wurde ab Februar 1841 als Penny Red rotbraun gedruckt und später mit schwarzer Entwertung verwendet. Der Zwei-Pence-Wert blieb blau, erhielt aber eine neue blaue Druckfarbe. Die überarbeitete Two Pence Blue von 1841 wurde zur Unterscheidung von der Ausgabe von 1840 mit weißen Linien oberhalb und unterhalb des Markenbildes versehen; diese Ausgabe wird als white lines added issue bezeichnet.

Seltenheit und Abgrenzung Da die Penny Blue ein Probedruck und keine amtliche Ausgabe war, gibt es keine reguläre Auflage wie bei der Penny Black, Penny Red oder Two Pence Blue. Die Zahl der erhaltenen Exemplare ist nicht sicher bekannt. Einzelne blaue Ein-Penny-Probedrucke gelangten dennoch in die Öffentlichkeit und wurden offenbar postalisch verwendet.

Ein gebrauchtes Exemplar des One Penny Blue von Platte 8 mit den Eckbuchstaben OL wurde 2023 bei Stanley Gibbons Baldwin’s versteigert. Der Auktionskatalog beschrieb es als selten, nannte einen Katalogwert von 75.000 Pfund und einen Zuschlag von 21.000 Pfund.

Die Penny Blue dokumentiert damit weniger eine geplante blaue Ein-Penny-Briefmarke als vielmehr die technische Suche nach einem sichereren Zusammenspiel von Markenfarbe und Entwertung in den ersten Monaten der britischen Briefmarkengeschichte. Ihre Bedeutung liegt in der Verbindung von Probedruck, Entwertungsversuch und der Umstellung von schwarzer Marke mit roter Entwertung auf rotbraune Marke mit schwarzer Entwertung.

Literatur

David G. Bate: Richard Phillips at the Museum of Economic Geology and his experimental work on the Penny Black and Penny Red postage stamps. In: Stamp Magazine. Band 72, Nr. 5, 2006, S. 64–66 (Volltext als PDF).

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Briefmarke (Vereinigtes Königreich) Kategorie:Postgeschichte (Vereinigtes Königreich) Kategorie:Werk über Victoria (Vereinigtes Königreich)