mini|Eugène Viala – Selbstporträt (1908)
Eugène Viala (* 8. September 1859 in Salles-Curan, Aveyron; † 5. März 1913 ebenda) war ein französischer Maler, Zeichner, Grafiker, Fotograf und Schriftsteller.
Leben Eugène Viala wurde als Sohn eines Arztes in Salles-Curan im Département Aveyron geboren. Ab 1877 studierte er an der École des Beaux-Arts in Montpellier und setzte seine Ausbildung ab 1881 an der Académie Julian in Paris fort. 1888 heiratete er Berthe Ducrochet. Er war mit dem symbolistischen Schriftsteller Remy de Gourmont befreundet. 1908 und 1909 gab Viala die regional illustrierte Zeitschrift Le Cri de la Terre heraus, die von Louis Loup-Forveille an seinem Wohnort Rodez verlegt wurde und 13 Ausgaben umfasste. Daneben veröffentlichte er mehrere literarische Arbeiten, darunter den Gedichtband Loin des foules (Rodez 1897; Neuausgabe Salles-Curan 2013) und die Sammlung von Prosagedichten Paysages (Rodez 1908; Neuausgabe Salles-Curan 2011). Zeitweise betätigte sich Viala auch als Fotograf. Mit finanzieller Unterstützung seines Mäzens Maurice Fenaille richtete er sich 1912 ein Atelier in Neuilly-sur-Seine ein. Während eines Aufenthalts in Paris erlitt Eugène Viala 1913 bei einem Unfall beim Aussteigen aus einer Straßenbahn schwere Verletzungen, denen er kurz nach seiner Rückkehr nach Salles-Curan erlag.
1909 erhielt er den Prix Cabrol der Société des lettres, sciences et arts de l’Aveyron. Im Jahr 1999 wurde in Salles-Curan die Vereinigung Les amis d’Eugène Viala et du Lévézou gegründet, die mit Ausstellungen und Publikationen sein künstlerisches und literarisches Werk ehrt.
Werk mini|Eugène Viala – Felsenküste auf KorsikaIn seinem malerischen Schaffen griff Eugène Viala einerseits die Tradition der romantischen Landschaftsmalerei auf, andererseits realisierte er vom Symbolismus beeinflusste mythologische und fantastische Motive. Sein malerisches Werk in Aquarell und Öl fand – nicht zuletzt wegen fehlender Kontakte zum institutionalisierten Ausstellungsbetrieb seiner Zeit – kaum Beachtung, während seine Radierungen weite Verbreitung fanden und teilweise als Postkarten vertrieben wurden.
Die meist menschenleeren Ansichten von Landschaften oder Dörfern zeigen einen kulissenartig gestaffelten Bildaufbau mit starker Betonung natürlich-atmosphärischer Gegebenheiten. Beispiele hierfür sind die Folgen Intime patrie (1897) und Gestes de la terre (1913). In Folgen wie Symboles humains (1906) oder Einzelblättern wie La souffrance de Chiron (1880), Éternel refuge und Maternité (beide 1899) dominieren dagegen dramatisch inszenierte, düster-visionäre Szenerien mit fantastischer Architektur, mythologischen Gestalten und Fabelwesen. Solche Motive finden sich in vergleichbarer Form auch im Werk von Zeitgenossen wie Gustave Moreau oder Odilon Redon.mini|Eugène Viala – Die Versuchung des Heiligen Antonius (Radierung)Zu seinen grafischen Folgen zählen De l’Encre, de l’Acide et de la Souffrance mit 25 Radierungen sowie die Einzelblätter Enigme ou le Sablier de Saturne, La Tentation de St-Antoine, Leur Ombre, La Ville morte und ein Selbstbildnis.
Schriften Loin des foules. Rodez 1897 (Neuausgabe Salles-Curan 2013) Paysages. Rodez 1908 (Neuausgabe Salles-Curan 2011) Trois symboles de Michel-Ange. Rodez 1910 Coins de Quercy. Figeac, ville d’autrefois. Paris 1912
Werke in öffentlichen Sammlungen Marseille, Mucem Paris, Bibliothèque nationale de France Rodez, Musée Denys-Puech San Francisco, de Young Museum Toulouse, Musée Paul-Dupuy
Ausstellungen (Auswahl) 2015–2016: Fantastique! L’estampe visionnaire de Goya à Redon, Petit Palais, Paris (Gruppenausstellung mit Katalog)
Literatur Eugène Viala. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts. Band 4. E. A. Seemann, Leipzig 1958. René Édouard-Joseph: Dictionnaire biographique des artistes contemporains 1910–1930. Band 3. Art & Édition, Paris 1934. Jehan d'Arvieux: Le décor d’un rêve d’artiste (Eugène Viala). Carrère, Rodez 1926. Albert Roussanne: Eugène Viala. Graveur du fantastique, 1859–1913. Subervie, Rodez 1985. Gérald Schurr, Pierre Cabanne: Dictionnaire des petits maîtres de la peinture. Band 2. Éditions de l’Amateur, Paris 1996. Chantal Lalle: Eugène Viala ou le cri du silence. Éditions associatives Clapàs, Aguessac 1997. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 14: Valverde – Zyw. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online, De Gruyter 2009.
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